Zur Frankfurter Buchmesse: Wir lieben die Kindle-App

Ipad als E-Book - (Copyright: Frankfurter Buchmesse)Der Marktanteil von E-Books am gesamten Buchmarkt liegt in Deutschland bei marginalen ein Prozent. Trotzdem ist auch auf der Frankfurter Buchmesse digitales Lesen großes Thema. Mit Blick auf den Untergang der Musikbranche macht die neue Technik manchen Angst, andere sehen großes wirtschaftliches Potential. Ein paar Gründe, warum E-Books die Zukunft gehört.

Das Phänomen der Kinobranche hat jetzt auch den Buchmarkt erreicht: Früher musste man Monate warten, bis ein US-Film in deutschen Kinos landete. Heute kann sich das kein Verleih mehr erlauben. Ein Film, der nicht zeitnah mit dem Start in den USA auch hierzulande läuft, gilt als verbrannt, weil der Film dann schon lange im Internet zu besichtigen ist.

Denis Scheck, der Moderator der ARD-Bücher-Sendung Druckfrisch, beobachtet die gleiche Entwicklung im Buchsektor. Verlage würden versuchen, englischsprachige Bücher immer schneller auch in deutscher Übersetzung auf den Markt zu bringen. Denn es gäbe eine wachsende Bereitschaft, sich die Bücher in der englischen Originalsprache zu kaufen, so Scheck jüngst im Deutschlandfunk.

Amazon dürfte einen gewichtigen Beitrag an dieser Entwicklung haben. Keiner verkauft mehr Bücher. Auch im digitalen Bereich ist der Internethändler Marktführer. Mit dem E-Book-Reader Kindle hat das Unternehmen vor allen in den USA Erfolg. Der hat zwei Ursachen: Das Gerät ist von ordentlicher Qualität und die Buchauswahl, dank Anbindung an den Online-Shop, riesig. 630.000 Bücher stehen aktuell zur Verfügung.

Kindle für alle

Amazon aber hat schon früh erkannt, dass es eine Bindung an ein einziges Gerät nicht braucht. Wenn wir die Kindle-Erfolgslogik auf andere Geräte übertragen, so das Amazon-Kalkühl, verdienen wir zwar nicht mehr am Verkauf der Geräte, behalten aber die langfristige Einnahmequelle durch den Bücherabsatz.

Deswegen gibt es den Kindle-Anwendung schon seit März 2009 auf dem iPhone, später auch auf dem iPad. Die Kindle-App (kostenlos, iTunes-Link) wurde seitdem kontinuierlich verbessert. Pünktlich zum Start der Frankfurter Buchmesse steht seit gestern eine neue Version (2.3) zum Download bereit.

Neu darin: Auf dem iPad gibt es jetzt im Querformat eine Zwei-Spalten-Ansicht.

Kindle - zwei Spalten

Abgesehen von dem wichtigsten Argument für einen Reader, nämlich die reichhaltige Auswahl an Büchern, hat uns die Kindle-App schon lange überzeugt.

Was uns besonders gefällt:

  • Es gibt eine Synchronisationsfunktion: Wenn man abends auf dem Sofa einen Roman auf dem iPad gelesen hat und den am Morgen mit dem iPhone in der U-Bahn weiterlesen möchte, springt die App an die Stelle, wo man auf dem iPad aufgehört hatte zu lesen.

Kindle - Synchronisation

  • Jedes Buch lässt sich durchsuchen.

Kindle - suchen

  • Auch schön: Markiert man ein Wort, wird automatisch eine Begriffserklärung eingeblendet.

Kindle - Erklärung

Keine Frage, das E-Book hat Vorteile gegenüber gedrucktem Papier. Eigentlich stört uns nur eine Sache: Im Vergleich zum durchschnittlichen Buch ist das iPad zu schwer. Langes Lesen ist nur möglich, wenn das Gerät aufgelegt werden kann. Es würde uns aber wundern, wenn Apple nicht schon mit der nächsten iPad-Generation dieses Problem entschärfen würde.

Dieser Artikel ist auch auf Tagesspiegel Online erschienen.