Zum Geburtstag von Steve "Woz" Wozniak: der fabelhafte "Zaltaire"

Steve Wozniak wurde gestern 61 Jahre alt. Wer ihn nicht kennt: Der “Woz” ist neben Steve Jobs und Ronald Wayne einer der Mitgründer von Apple. Um Euch Steve Jobs’ langjährigen Weggefährten ein wenig näher zu bringen, veröffentlichen wir eine Anekdote aus der Gründerzeit des nun wertvollsten Konzern der Welt. Schon damals war “Woz” für seine Streiche bekannt.

Im Jahr 1977 war der Apple II mit 4000 verkauften Geräten äußerst erfolgreich. 1978 verdoppelte sich die Anzahl der verkauften Computer sogar auf 8170. Apple hatte sich zu einem erfolgreichen mittelständischen Unternehmen gemausert. Das alles war nur auf den Erfindungsgeist der Belegschaft zurückzuführen, die Ende 1978 immerhin 60 Angestellte umfasste. “Apple ist ein Ellis-Island-Unternehmen. Apple basiert auf Flüchtlingen aus anderen Firmen. Das sind ausgesprochen helle Köpfe, die individuelle Beiträge leisten und in anderen Unternehmen nur Unruhe stiften”, beschrieb Steve Jobs damals sein Team.

“Stellen Sie sich einen Wagen mit 5 Rädern vor”
Das Ellis-Island-Feeling schien auch Wozniak betroffen zu haben, glaubt man seinen Schilderungen über die Werbung für den fabelhaften “Zaltaire”. Auf der West Coast Computer Fair wollte Apple 20.000 Broschüren für den Apple II auslegen. Der MITSAltair sollte ebenfalls auf dieser Messe vorgestellt werden, und die Firma Zilog zeigte den neuen Prozessor Z-80. Einige Firmen nahmen das Z des Z-80 in die Namen der Produkte auf, die auf diesem Prozessor basierten. Das fand Steve Wozniak mehr als dumm, und so entwarf er noch eben nebenbei und aus Jux eine gefälschte Werbung für ein Produkt namens “Zaltaire”: „Es begann mit ‚stellen Sie sich vor, [dass]. Stellen Sie sich vor, [dass]. Stellen Sie sich vor …‘ mit Superlativen in der Beschreibung eines Computers, der jedes Problem auf der Welt lösen kann. Ich verwendete unglaubliche Sätze, wie ‚Stellen Sie sich einen Wagen mit 5 Rädern vor‘, als ob das besser wäre! Ich entwarf Wörter wie PerZonality, BaZic etc.”

Ein Freund Wozniaks schaffte es, diese Anzeige professionell drucken zu lassen – immerhin 8000 mal – und nicht einmal Steve Jobs wusste davon! Auf der Messe verteilten Woz, Espinosa und Randy Wigginton zusammen mit Wozniaks Freund Adam die Zettel unauffällig, indem sie den an den Ständen ausliegenden Broschüren einige gleichfarbige Broschüren des Zaltaire beilegten. In Windeseile waren die 8000 Werbezettel für einen fiktiven Rechner verteilt, und niemand ahnte, dass es sich dabei um einen “Hoax”, einen Scherz, handelte.

Der Apple II “nur” ein brillanter Hack
Immerhin war auf der ersten Seite groß der Kommentar des Präsidenten von MITS, Ed Roberts, zu lesen – ebenfalls frei erfunden. Am nächsten Abend sprach man Woz im Homebrew Computer Club darauf an; der sagenhafte Zaltaire machte die Runde und war Gesprächsthema Nummer 1. Tags darauf fragte Wozniak seinen Partner Steve Jobs nach seiner Meinung zum Zaltaire. Als er die in der Werbung gedruckten Vergleiche zwischen dem Zaltaire und anderen Computern sah, darunter dem Apple II, meinte er nur “Hey, wir haben es ja gar nicht sooo schlecht gemacht!” Woz konnte sich das Lachen kaum verkneifen. Und tatsächlich wusste lange Zeit kaum jemand, auf wen diese Eulenspiegelei zurückzuführen war. Meist wurde ein Mitarbeiter von Processor Technology dahinter vermutet. Erst nachdem Woz Jobs zum Geburtstag einen Zaltaire-Prospekt schenkte, kam die Wahrheit und damit Woz‘ Sinn für Humor heraus.

Spaß wurde für Woz auch in den darauffolgenden Jahren großgeschrieben. So war der Apple II für Wozniak, seinen Erfinder, nichts weiter als ein brillanter Hack. Das Basteln an seiner Platine, die Programmierung, der Entwurf der Disk II – just fun! Tagelang hockten er und seine Freunde Chris Espinosa und Randy Wigginton auf dem Fußboden des kleinen Wohnzimmers von Woz‘ Eltern, programmierten Anwendungen, löteten Platinen zusammen und hatten den Spaß von kleinen Jungen, die mit Legosteinen eine neue Welt erschufen. Das Genie Woz sah in diesem Computer nur eine neue Fingerübung, keinen noch höheren Gewinn für Apple: “Ich entwarf einen Computer, weil ich das Entwerfen mochte, das Angeben damit im Club. Meine Motivation lag nicht darin, ein Unternehmen zu haben und damit Geld zu verdienen.” Er sah sein Gehalt bei Apple als kleine Belohnung dafür an, dass er nach Feierabend bei Hewlett Packard Rätsel löste und noch weniger Chips auf einer Platine benutzte. Schließlich war er nach wie vor ebenso Angestellter bei HP – und das sehr gerne: „Ich mochte HP. Es war eine gute Firma, und ich war abgesichert, und es war viel gute Arbeit“.

Dieser Text stammt aus dem Buch “One more thing” von Charlotte Erdmann, erschienen bei Addison Wesley

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