Zukunftsvision: Kommunizieren wir bald in 3D?

Während sich die Technologie bei virtuellen Umgebungen in der Unterhaltungs- und Spieleindustrie in den letzten Jahrzehnten stark beschleunigt hat, gab es praktisch keine entsprechende Entwicklung bei den Architekten oder in der Bauwirtschaft. Jetzt schafft eine neue Plattform Abhilfe und ermöglicht die dreidimensionale Kommunikation.

Begonnen hat alles mit der Suche nach einem neuen Lehrgebäude für die Technische Universität von Dänemark (DTU). Mehrere Architekturbüros nahmen an der Ausschreibung für die ca. 40.000 qm große Campus-Einrichtung teil. Ziel war es, ein Umfeld mit guter Infrastruktur zu schaffen, um talentierte Forscher aus aller Welt anzulocken. Heraus kam nicht nur ein interessantes Gebäude, sondern auch eine neue Kommunikationsplattform, die nun weltweit für Aufsehen sorgt. Denn Voraussetzung für die Teilnahme an dem Wettbewerb war die Verwendung webbasierter Gebäudemodelle. Der Name der Plattform, die auch für den Prozess der Entscheidungsfindung verwendet wurde: RealSite.

Hinter RealSite verbirgt sich ein webbasiertes, 3dimensionales Modellbildungssystem. Es ermöglicht das Erstellen oder Einstellen von hoch auflösenden, interaktiven Fototexturmodellen von Gebäuden, Gebäudekomplexen oder Städten — egal mit welcher Software die Modelle zuvor erstellt wurden. Auf das System können beliebig viele Anwender zeitgleich zugreifen, darüber kommunizieren und Daten eingeben. Das ist weltweit neu und einzigartig, denn mit RealSite ist es dadurch erstmals möglich, dass virtuell gemeinsam an einem dreidimensionalen Objekt gearbeitet werden kann. Hierzu kann man über die Plattform kommunizieren, Informationen und Gestaltungsvorschläge austauschen und — die wohl wichtigste Funktion — auch die zukünftigen Nutzer der Gebäude in den Gestaltungs- und Konstruktionsprozess mit einbinden.

Das Ziel der DTU bei diesem Projekt: Beteiligung aller und das Übernehmen von Verantwortung bereits in der Konzeptionierungsphase. Das klingt nach Zukunftsvision, wird in Dänemark aber schon realisiert. 3D trifft hier auf Online-Kommunikation und erinnert mich ein wenig an Bilder aus alten Science-Fiction-Serien.

Tatsächlich aber finde ich es extrem spannend, wie unsere Zusammenarbeit mit Kollegen mit Systemen wie RealSite revolutioniert werden könnte. Nicht nur, dass wir uns Entwürfe für Bauwerke oder Möbel online gemeinsam ansehen und darüber diskutieren könnten, wenn man etwas weiterdenkt, wäre es doch auch möglich, die dreidimensionalen Fähigkeiten des Systems dafür einzusetzen, dass wir in einem virtuellen Raum mit unserem Gegenüber Konferenzen abhalten — sozusagen ein Second Life 3.0 mit uns als realen Gestalten darin. Das ist allerdings wirklich noch Zukunftsmusik. Das DTU-System weist uns aber zumindest einmal den Weg dorthin, oder?