WSJ: Apple will in TV-Markt einsteigen

Live aus Cupertino: Wie das Wall Street Journal berichtet, ist Apple derzeit in Gesprächen mit US-Kabelnetzbetreibern. Im Mittelpunkt der Verhandlungen steht der Aufbau einer Live-TV-Strategie mit Hilfe einer Set-Top-Box. Es ist ein schwieriges Unterfangen mit vielen Variablen.

Laut dem US-Wirtschaftsblatt finden Gespräche mit einigen der größten Kabelanbieter der USA statt. Im Gespräch ist eine Set-Top-Box, mit der Apple Live-Fernsehen ausstrahlen könnte. Noch hätten die Gespräche laut WSJ zu keinem Ergebnis geführt. Allerdings hätte sich Apples CEO Tim Cook im vergangenen Monat mit dem CEO von Time Warner Cable, Glenn Britt, auf der hauseigenen Medienkonferenz getroffen.

Derzeit vermarktet der Konzern aus Cupertino erfolgreich seine Apple TV. 1,3 Millionen Geräte konnte man im vergangenen Quartal absetzen, 170 Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings behandelt das Unternehmen den TV-Knirps weiterhin als Hobby. Das 99 Euro teure Gerät streamt iTunes-Inhalte auf den Fernseher, funktioniert via Airplay als Verbindung zwischen iPhone/iPad und dem TV und taugt in den USA zum Zugriff auf die Inhalte von Mediatheken wie Netflix und Hulu.

Für einen Verkaufsschub bräuchte es allerdings den Zugriff auf Live-Fernsehen. Details zur Technologie, die zum Einsatz käme, gibt es bislang nicht. Allerdings tauchte vor wenigen Tagen ein entsprechendes Patent zur Benutzerführung auf, das Apple bereits 2006 eingereicht hatte.

Viele Hürden zu nehmen

Live-Fernsehen wäre also der logische Schritt hin zu einem Full-Service-Anbieter in Sachen Unterhaltung – neben iTunes als Vertriebsplattform für Nicht-Live-Inhalte. Zumal Konkurrent Samsung schon im Markt aktiv ist. Doch Apple-Gründer Steve Jobs wusste um die vielen Hürden, die es zu nehmen gilt, und winkte vor Jahren ab. In den USA bedienen die Kabelnetzbetreiber zwar Bundesstaaten, strahlen aber nicht national aus. So würden dem Live-Vergnügen auf einem Apple-Gerät zähe Verhandlungen mit vielen unterschiedlichen Betreibern vorausgehen.

Wie das WSJ weiter berichtet, haben diese außerdem enorme Vorbehalte gegen einen Einstieg Apples in den Fernsehmarkt. Vor allem die Provisionsstrategie, nach der Apple für jede Transaktion – etwa im Appstore – 30 Prozent verlangt, hätte laut Aussage von mit dem Prozess vertrauten Personen einige Kabelanbieter vergrault.

Eine Chance sehen Experten darin, auf ein bewährtes Modell aus dem Mobilmarkt zu setzen: Anstatt als Konkurrent aufzutreten müsste Apple die exklusive Kooperation mit Anbietern suchen, wie damals beim Launch des iPhones in Zusammenarbeit mit AT&T und der Telekom. So würden alle Parteien profitieren: Apple bekommt den Goodwill der Betreiber, die können die Anschaffungskosten für die sonst geleasten Set-Top-Boxen auf die Kunden umlegen, während diese mit ihrem Apple-Gerät in den Genuss von Live-Fernsehen kommen würden.