Wissenschaftlich belegt: Aufwach-Lichter als Aufsteh-Hilfe

Anders als in den Sommermonaten, wenn die Symphonie aus Sonnenstrahlen und Vogelgezwitscher uns bereits am frühen Morgen aufwachen lässt, fällt es uns in den dunklen Monaten deutlich schwieriger das Bett zu verlassen. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu leichten Depressionen kommen. Helfen können sogenannte Aufwachlichter. Dass diese tatsächlich einen positiven Effekt haben, belegen wissenschaftliche Studien mehrfach.

Der Licht-Effekt

Der sich im Frühling in Herbst verändernde Tag- und Nacht-Rhythmus hat einen deutlichen Einfluss auf unseren Körper, das wussten Forscher bereits vor gut 30 Jahren (Moore-Ede MC, 1982). Doch während die einen sich nur mit Startschwierigkeiten nach dem Aufstehen herumschlagen müssen und weniger produktiv sind, kann es bei anderen, empfindlicheren Personen sogar zu leichten Depressionen kommen. Wissenschaftlich bezeichnet man diese leichten Depressionen als Seasonal Affective Disorder, kurz SAD. Die einfache Behandlungsmethode in beiden Fällen: Helles Licht mit mehr als 2.000 Lux bereits am frühen Morgen (Rosenthal NE, 1985). Wissenschaftlich erklären lässt sich dieser nach nur einer Woche Behandlung eintretende Heilungseffekt durch eine ansteigende Ausschüttung des körpereigenen Hormons Melatonin (Michael Terman, 1989).

Künstliches Licht für Morgenmuffel?

Ein finnisch-niederländisches Forscherteam verwendete diese Erkenntniss, um ein neues Experiment zu starten. Die Hypothese: Simulierter Sonnenaufgang kann die Schlafqualität im Winter steigern (Sami Leppämäki, 2003). Um die Hypothese zu überprüfen, wurden 100 Probanden acht Wochen lang mit einem Aufwachlicht sowie genauen Anweisungen ausgestattet. Nach Abschluss der Studie kam mehr als ein Drittel der Teilnehmer zu dem Ergebnis, dass der künstliche Sonnenaufgang am Morgen einen positiven Einfluss auf die Stimmung und die morgendliche Müdigkeit hatte. Den Effekt des langsam immer heller werdenden Lichtes direkt am Bett war laut den Probanden bereits nach durchschnittlich acht Tagen spürbar.

Auch Wissenschaftlicher an der University of Groningen (Marina C. Giménez) in den Niederlanden überprüften den Licht-Effekt am Morgen in einem Experiment, legte jedoch besonderen Wert auf den Unterschied zwischen Früh- und Spätaufstehern und dem Einfluss von Licht auf die Schläfrigkeit am Morgen. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Zeit zwischen Aufwachen und „voller Einsatzbereitschaft“ mit einem Aufwachlicht von durchschnittlich einer Stunde um mehr als 20 Minuten reduziert werden konnte. Außerdem konnte festgestellt werden, dass die Probanden sich deutlich ausgeschlafener fühlten, besser aufstehen konnten, produktiver und offener für soziale Interaktion am Morgen waren. Lediglich auf die grundsätzliche Schlafqualität hatte das Aufwachlicht keinen Einfluss. In einem zweiten Experiment der Forscher, bei dem die Helligkeit des Aufwachlichts nicht vorgegeben war und sich deutlich heller einstellen ließ als im ersten Experiment, konnte die morgendliche Schläfrigkeit sogar um fast 25 Minuten verkürzt werden.

Sonnenaufgangssimulation statt Lichtflut

Ein besonders wichtiger Aspekt der Aufwachlichter ist das langsame heller werden das Lichtes, mit dem ein Sonnenaufgang simuliert wird. Denn von Avery et al (David H Avery, 2001) in einem sechswöchigen Experiment mit 95 SAD-Patienten festgestellt werden konnte, bewirkt langsam heller werdendes Licht bis 250 Lux einen deutlich positiveren Effekt als plötzliches Licht mit 10.000 Lux.

Fazit

Der Einsatz eines intelligenten Aufwachlichtes, das langsam aber stetig heller wird und erst nach einer gewissen Dauer mit einem Weckton das Aufstehen signalisiert, kann das Aufstehen und wach werden vereinfachen. Neben mehr Komfort bieten Aufwach-Lampen aber auch Einsatzmöglichkeiten als Therapie-Gerät für SAD-Patienten, die besonders im Herbst und Frühling unter den Folgen der sich ändernden Lichtverhältnisse leiden.

Literaturverzeichnis

  • David H Avery, D. N. (08 2001). Dawn simulation and bright light in the treatment of SAD: a controlled study. Biological Psychiatry , 3 (50), S. 205-216.
  • Marina C. Giménez, M. H. EFFECTS OF ARTIFICIAL DAWN ON SUBJECTIVE RATINGS OF SLEEP INERTIA AND DIM LIGHT MELATONIN ONSET. Department of Chronobiology, Center for Life Sciences.
  • Michael Terman, D. S. (1989). Dawn and Dusk Simulation as a Therapeutic Intervention . Society of Biological Psychiatry (25), 966-970.
  • Moore-Ede MC, S. F. (1982). The Clocks That Time Us: Physiology of rhe Circadian Time-Keeping System. Cambridge, MA: Harvard University Press.
  • Rosenthal NE, S. D. (1985). Antidepressant effects of light in sea- sonal affective disorder. (A. J. Psychiatry, Hrsg.)
  • Sami Leppämäki, Y. M. (2003). Effect of simulated dawn on quality of sleep – a community-based trial. BMC Psychiatry , 3 (14).