Wird aus Apple tatsächlich noch ein transparentes Unternehmen?

Apple Campus 2Lifestyle auf Kosten anderer. Das ist der Vorwurf, den Apple sich nach den Vorfällen seines größten Zulieferers Foxconn gefallen lassen musste. Cupertino steuerte mit einem ausführlichen Bericht gegen. Aber reicht das, fragt sich Michael Hülskötter vom IT-Blog Enterprise Efficiency.Schon zu oft standen Apples Zulieferer und Fabriken wegen ihrer Arbeitsbedingungen in der Presse, und der Tenor war meist nicht sehr freundlich. Oft ging und geht es um menschenunwürdige Verhältnisse bei Arbeitszeiten, um Verstöße gegen allgemeine Sicherheitsstandards und vieles mehr.

Vor allem eine der Foxconn-Fabriken im chinesischen Shenzhen geriet 2010 unter argen Druck, da sich dort eine Reihe von Selbstmorden ereignet hatten, die wohl mit dem hohen Arbeitspensum und den teils unmenschlichen Arbeitsbedingungen zu tun gehabt haben. Aber auch zwei tragische Unfälle im letzten Jahr, bei denen vier Arbeiter getötet und fast 80 Menschen teilweise schwer verletzt wurden, hatte Apple zu melden. All diese Vorfälle haben sich negativ auf den Ruf als Ausbeuter und sozial unverantwortliches Unternehmen ausgewirkt.

Unter diesem Druck stehend, hat Apple seine Kontrollen bei sämtlichen Partnerfirmen und in den zugehörigen Produktionsanlagen drastisch erhöht. So stieg laut einem eigens erstellen Bericht (dem Apple Supplier Responsibility Report 2012) die Zahl der Audits von 127 (2010) auf 229 (2011).

Das ist angesichts von rund 160 Firmen, die zu Apples Netz an Fremdfirmen gehören, eine ganz ordentliche Zahl. Zudem hat Apple erstmals auf Drängen verschiedener Organisationen hin eine Liste sämtlicher Lieferanten veröffentlicht und damit für mehr Transparenz gesorgt. Denn anhand dieser Aufzählung dürfte es jetzt auch für unabhängige Audit-Firmen möglich sein, die Arbeitsbedingungen bei Foxconn und Konsorten zu überprüfen.

Apple-Probleme: Arbeitszeiten, Diskrimierung, Kinderarbeit

Und was die zuständigen Kontrolleure dort vorfinden werden (wenn es dann zu neutralen Überprüfungen kommt), wird sicherlich nicht immer ein Freudenfest auslösen. Denn immer noch hat Apple trotz aller erzielten Erfolge mit gravierenden Verstößen gegen ihren eigenen Supplier Code of Conduct zu tun.

Dazu gehört vor allem die maximale Wochenarbeitszeit, die nach wie vor bei 60 Stunden pro Woche liegt, was Apple allerdings auch mit verantwortet. Nur im Vergleich: laut OECD lag die wöchentliche Arbeitszeit 2010 in Südkorea bei rund 46 Stunden, in Mexiko waren es gerade mal 43 Stunden pro Woche. Da muss Apple auf jeden Fall noch nachbessern, denn in China besteht laut Gesetz die 40-Stunden-Woche — und das seit 1995!

Aber auch bei der Diskrimierung von Arbeitern und Arbeiterinnen, bei Verstößen gegen den Umweltschutz, bei der Nicht-Einhaltung von Arbeitsplatzbedingungen und sogar dem äußerst brisanten Thema Kinderarbeit bleibt für Apple noch einiges zu tun. Immerhin: von einzelnen Lieferanten hat sich Apple aufgrund schwerwiegender Verstöße gegen ihren Supplier Code of Conduct bereits getrennt, und laut Apple-CEO Tim Cook sollen steigende und überraschend durchgeführte Kontrollen zu besseren Arbeitsbedingungen in den Fabriken sorgen.

Optimistisch stimmt auch die Nachricht, dass Apple erst vor wenigen Tagen als erstes Technologieunternehmen der Fair Labor Association beigetreten ist. Diese Non-Profit-Organisation bemüht sich darum, Firmen wie Apple zu der Einhaltung nationaler und internationaler Arbeitsgesetze zu bewegen. Wird also doch noch alles gut?!

Dieser Text ist ursprünglich auf EnterpriseEfficiency.de erschienen.

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