Wikitude: Kann viel, hilft wenig

“Geotagging” und “Augmented Reality” heißen die Schlagwörter für die neuen Web-Trends. Erstes verortet Inhalte, zweites macht sie sichtbar. Welche Informationen im Internet stehen im Bezug zu dem Ort, an dem ich mich gerade aufhalte? Auf diese Frage will auch die Wikitude-App (kostenlos, iTunes-Link) Antworten geben. Aber weil die App so viel kann, weiß man am Ende gar nicht mehr, wofür sie eigentlich gut sein soll.

Augmented Reality (Bildquelle: plantronicsgermany, cc)Augmented Reality gehöre die Zukunft, liest man an vielen Stellen im Netz. Durch die Verknüpfung von virtuellen Informationen mit einem realen Bild würde ein Mehrwert geschaffen, der der Technik mittelfristig zum Durchbruch verhelfe, heißt es.

Unsere Meinung: Bei Apps hält sich der Mehrwert bisher in überschaubaren Grenzen. Beim ersten Mal ist es faszinierend zu sehen, wie auf einem Livebild Informationen angezeigt werden. Das hat einen Touch von Science Fiction. Aber wie es mit Science Fiction so ist: Selten taugt, was dort an Zukunftstechnik gezeigt wird, für den Alltag.

Haben Sie schon mal versucht, mit Augmented Reality zur nächsten Bushaltestelle zu finden? Das eine ist, zu erkennen, in welcher Richtung eine bestimmte Lokalität liegt und wie weit es bis dahin ist; etwas ganz anderes ist es, mit dem Handy vor der Nase dieses Ziel dann auch zu erreichen. Meist schaltet man früher oder später – so vorhanden – auf eine Kartenansicht um. Der direkte Weg führt in der Stadt eben selten ans Ziel.

Hinzu kommt. Der Raum auf einem Handy-Bildschirm ist beschränkt. Informationen sind aber häufig zahlreich vorhanden, zu zahlreich, als dass sie anschaulich auf einem Livebild dargestellt werden könnten.

Mit anderen Worten: Augmented Reality sollte vorsichtig eingesetzt werden. Der Showeffekt alleine bringt keiner Anwendung dauerhaftes Interesse.  Bei der App der Deutschen Post (kostenlos, iTunes-Link) zum Beispiel haben wir einen Mehrwert entdecken können. Für die Suche nach einem Briefkasten.

Post mobil - Briefkästen in der Augmented Reality


Wo uns die gleiche Technik an den Rand der Verzeiflung brachte, ist bei der App Wikitude.

Wikitude ist eine so genannte Referenz-App. Solche Anwendungen suchen sich den Inhalt aus verschiedenen Quellen zusammen und präsentieren ihn im neuen Gewand. Wikitude zum Beispiel nimmt sich so ziemlich sämtliche Inhalte aus dem Internet, die mit einer Verortung versehen sind. Über 100 solcher Dienste nutzt Wikitude. Zum Beispiel Twitter, Youtube, Wikipedia, Foursquare oder Qype.

Zur App selbst:

Nach dem Start der Anwendung sucht der User aus, von welchem Dienst er Inhalte angezeigt bekommen möchte.

Wikitude Startbildschirm

Ist die Auswahl getroffen, gibt es drei Möglichkeiten…

Wikitude Startbildschirm Auswahl

… sich den Inhalt darstellen zu lassen:

  • im Kamera-Modus mit Augemented Reality,

Wikitude Augmented Reality

  • auf einer Google-Karte,

Wikitude Karte

  • oder als Liste.

Wikitude Liste

Der Vergleich der drei Darstellungsformen zeigt: Am wenigsten taugt Augmented Reality. Selbst, wenn nur wenige Informationen angezeigt werden, legen sich die Elemente übereinander und lassen sich nicht mehr klicken. Je mehr Inhalte vorhanden sind, desto schwieriger die Verwendung dieser Darstellungsform.

Hier ein Beispiel, wir haben bei Wikitude den “Dienst” Wikipedia ausgewählt:

Wikitude Wikipedia

Fazit: Wikitude will viel, unserer Meinung nach zu viel. Die Auswahl an darstellbaren Inhalten ist übermäßig groß, ebenso die Zahl der jeweils dahinter liegenden Inhalte. Warum sollte man diese Anwendung nutzen? Auf diese Frage haben wir keine befriedigende Antwort erhalten. Die Inhaltedarstellung ist hier zu oft Selbstzweck, zu selten hilft die App wirklich weiter.

Hinweis: Die Anwendung ist nicht kompatibel mit dem iPhone der 1. Generation, sondern nur mit dem iPhone 3G, 3GS und 4.

Foto-Credits: plantronicsgermany, cc