Wie Noisey den Musikjournalismus neu erfindet und dabei das iPad vergisst

Es gibt Tage, da passt einfach nichts zusammen. Aktuelles Beispiel: Das neue Musikvideo-Magazin Noisey und das iPad, das kein Flash unterstützt. Das ist verdammt ärgerlich, denn eigentlich bedeutet Noisey für den Musikjournalismus das, was das iPad für die Computernutzung ist: eine Revolution.

Eigentlich haben die Macher des neuen Online-Musikmagazins Noisey an alles gedacht, was bei der Vorstellung auf dem South by Southwest-Festival (SXSW, 11. bis 20. März) zum Erfolg führen muss: Musik, Film und Interaktivität – auf diesen drei Säulen basiert das Festival seit 1987. Ziel von Noisey ist es, Musiktalente und aufstrebende Bands rund um den Globus in kurzen Videoepisoden vorzustellen.

Einen Vorgeschmack auf den zu erwartenden Stilmix lieferte die Show zum Launch: Bun B, Ariel Pink, Yuck, JEFF The Brotherhood, Oberhofer and Dirty Beaches teilten sich in Austin eine Bühne. Verantwortlich für das stilsichere Debüt und die weitere Befüllung des Portals sind die international verstreuten Redakteure des Subkultur-Magazins Vice. Die technische Unterstützung des Projekts übernehmen Dell und Intel.

News und intime Hintergründe

Noisey nimmt den Besucher mit auf eine Entdeckungsreise durch die junge und aufstrebenden Musikszene auf der ganzen Welt. Der Fokus der app-ähnlichen Oberfläche der Webseite liegt auf einer virtuellen Weltkarte, die mit Künstlerfotos gespickt ist. Ein Klick auf die jeweilige “Visitenkarte” öffnet ein fünfteiliges Videofeature zu dem Musiker oder der Band. Während das erste Kapitel den Künstler vorstellt, zeigen die übrigen vier Live-Mitschnitte aus Konzerten. Dazu gibt’s Künstlerinfos, Fotos und eine Funktion für Nutzerkommentare.

 Fans erfahren auf diesem Weg Neues und intime Hintergründe zu ihren Idolen.

So fahren die Noisey-Redakteure nach Charlotte, North Carolina, um die aus Baltimore stammende Band Future Islands im berühmten Southern Rock Club The Milestone zu treffen. An der Wall of Fame hinterlassen sie ihren Namen neben einer Inschrift von Kurt Cobain. In Sao Paolo erleben wir, wie Criolo in einem Mashup aus Samba und Hip-Hop gegen das Elend seiner Stadt rappt. Und die Mitglieder der spanischen Band Der Ventilator zeigen auf Noisey Fotos und Erinnerungsstücke aus ihrer Jugend.

Täglich neue Musiker

Zur weltweiten Übersicht der Talente gibt es auch eine Filterfunktion nach Ländern: Australien, Brasilien, Kanada, China, Frankreich, Deutschland, Japan, Mexiko, Spanien, USA und Großbritannien. Aktuell werden in Deutschland die Bands Frittenbude, Tusq, Occvlta, Kraftklub und Modern Pets vorgestellt. Mittlerweile sind nach einer Woche über 40 internationale Künstler im Archiv, und die Macher versprechen, täglich neue zu ergänzen.

“Jeden Tag wollen wir junge Musiker vorstellen, die sich die Leidenschaft für ihre Kunst auf die Brust geschrieben haben”, sagt Eddy Moretti, Executive Creative Director von Vice. “Noisey ist Musik in seiner reinsten Form: live. Aber es geht auch um die Fans, die jungen Menschen auf der ganzen Welt, die nach dieser Musik leben und träumen. Wir sehen Noisey als eine alles entfaltende, liebevoll gestaltete, globale Musikdokumentation. Denn genau das ist es.”

Was Noisey leider nicht ist: iPad-fähig. Eigentlich ist es heute nicht mehr nachvollziehbar, dass Intel und Dell sich damit rühmen, “die Grenzen der digitalen Realisierung eines solchen Projekts zu erweitern”, dann aber auf HTML 5 zu verzichten. Ich hoffe sehr, dass die Macher bald umstellen, damit zusammen kommt, was zusammen gehört. Denn das Format ist wie geschaffen für die virtuelle Clubtour auf dem Sofa.

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