Wie das Wetter auch die Cloud beherrscht

Manch einer mag meinen, die Unbilden des Wetters könnten unserer hochtechnisierten Welt nichts mehr anhaben. Tatsächlich aber sind wir noch immer den Widrigkeiten der Natur ausgesetzt. Das stellte jetzt wieder ein Blitz unter Beweis, der es schaffte, die Cloud zu stören. Hört sich wie ein Witz an, ist aber so!

Unwetter ziehen derzeit über Europa. Die Wassermassen lassen Tiefgaragen vollaufen, sorgen für Kurzschlüsse und anderweitige wasserbedingte Probleme. Blitze schlagen in Antennen und Trafohäuschen ein und verursachen Stromausfälle. Das mag alles nur im Kleinen und lokal der Fall sein, hat aber manchmal große Auswirkungen. So bewirkte ein Blitzeinschlag am 7. August in Dublin, dass die europäischen Cloud-Dienste von Amazon und Microsoft ausfielen oder zumindest gravierenden Störungen unterworfen wurden.

Eine ganze Nacht hatte es gedauert, um die Systeme wieder auf 60% der Leistung zu bekommen, weil die Generatoren manuell synchronisiert werden mussten. Als ich das las, bin ich erschrocken: Amazon und Google bieten hochtechnisierte Services an, die mit einem Blitzschlag zerstört werden können. Das kann man noch verstehen. Aber dann alles manuell synchronisieren zu müssen, das ist unglaublich.

Tatsächlich wiegen wir uns aber in einer Sicherheit, die trügerisch ist. Neuralgische Knotenpunkte – darüber haben wir hier schon einmal intensiv diskutiert – sind gefährlich, denn ein Ausfall derselben kann dramatische Folgen haben. Und wie wir an obigem Beispiel sehen muss der Ausfall nicht nur durch mutwillige Beschädigung erfolgen. Wir sind auch der Natur unterworfen. Wasser, Hitze und Blitzschlag, Sturm und Hagelschäden – all das können wir nicht verhindern.

Und weil wir es nicht verhindern können, müssen wir damit umzugehen lernen – und die Möglichkeit des worst case mit einberechnen. Krisenpläne aber liegen nur bei den wenigsten Unternehmen in der Schublade. Und wenn sie da liegen, kommen sie oft im Krisenfall nicht zum Einsatz. So war es bei der Öffnung der Mauer und so ist es oft auch bei technischen Unfällen. Denn die meisten Krisenpläne sehen nicht voraus, was dann letztendlich passiert.

So wie im Fall des Blitzes, der die Cloud ins Wanken brachte – zumindest zellenweise. Bei Google und Amazon laufen die EC2-Instanzen inzwischen beinahe alle wieder. Hat auch nur 18 Stunden gedauert. Und bis alles wieder reibungslos läuft, soll es 48 Stunden dauern. Amazon hat dazu bekannt gegeben, noch zusätzliche Kapazität für EBS zu installieren, und riet den Kunden, einen Recovery-Snapshot zu machen. Gut, wer jetzt über ein Backup verfügt. Und ein Denkanstoß dahingehend, sich nicht blind auf die Cloud zu verlassen – schließlich ist auch diese den Naturgewalten unterzogen. Und zwar ganz real!