Wer war Steve Jobs? Antworten geben ein neuer Film und ein neues Buch

Vier Jahre nach dem Tod von Steve Jobs kommt die bisher aufwändigste Filmproduktion über das Leben des Apple-Masterminds ins Kino. Regie führte der Oscar-Preisträger Danny Boyle. Reicht das für einen Blockbuster?

„Wenn es einen gibt, der als Favorit ins Rennen geht, dann ist das Michael Fassbender“, schreibt das US-Magazin Variety mit Blick auf die kommende Oscar-Verleihung. Dem deutsch-irischen Schauspieler sei es gelungen, eine Vielzahl der weniger wünschenswerten Eigenschaften des Apple-Gründers zu verkörpern. Aber kommt das auch beim Publikum an?

„Steve Jobs“ ist die dritte Filmbiografie über den 2011 verstorbenen Unternehmer. Vor Fassbender hatte sich schon Ashton Kutcher in der Independent-Produktion „jOBS“ mit eher mäßigem Erfolg an der Rolle abgearbeitet. Auch Justin Longs Billig-Parodie „iSteve“ konnte nur hartgesottene Fans begeistern. Damit die aktuelle Produktion nicht ebenfalls floppt, haben die Macher nichts dem Zufall überlassen. Zunächst erwarb Sony Pictures 2011 die Rechte an der offiziellen Biografie von Walter Isaacson und engagierte Aaron Sorkin („The Social Network“) für die Umsetzung des Drehbuchs. Während der Produktion sprach er unter anderem mit Jobs‘ Wegbegleiter Steve Wozniak, der von Sony als Berater engagiert wurde. Für die Regie holte man Danny Boyle („Slumdog Millionaire“, „Trainspotting“). In weiteren Rollen sind zudem Kate Winslet, Seth Rogen und Jeff Daniels zu sehen.

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Es geht um Beziehungsstreits

Sie alle haben seit dem 12. November auch im deutschen Kino die Aufgabe, uns hinter die Fassade des Masterminds blicken zu lassen. Boyle erzählt Jobs‘ Geschichte entlang der drei großen Produktpräsentationen aus den Jahren 1984 (Macintosh), 1988 (Next) und 1998 (iMac). Den Jahreszahlen angemessen wurde auf 16 Millimeter, dann auf 35 Millimeter und zuletzt digital gedreht. Der Zuschauer erlebt Jobs‘ Entwicklung vom Nerd zum Businessmann. Doch in „Steve Jobs“ steht nicht die Rede selbst oder gar das Produkt im Vordergrund, sondern vielmehr geht es um den Blick hinter die Kulissen. Es geht um Beziehungsstreits, um nicht anerkannte Vaterschaften, um den Rauswurf bei Apple und um die Antagonistin in Form seiner Assistentin Joanna (gespielt von Kate Winslet).

Das gefällt nicht jedem. Bereits im Vorfeld wurde der Film von Personen, die Jobs nahestanden, kritisiert, darunter seine Witwe Laurene Powell Jobs. „Steve Jobs“ zeige eine verzerrte Persönlichkeit, heißt es bei Kritikern. Und auch an der Kinokasse bleibt der Film hinter den Erwartungen: Am Startwochende spielte er in den USA nur 7,3 Millionen Dollar statt der erwarteten 15 bis 19 Millionen ein. Selbst nach fünf Wochen sind es nur knapp 17 Millionen Dollar – etwas mehr als die Hälfte der Produktionskosten. Statt der anfänglichen 2.493 zeigen auf Grund von mangelndem Publikumsinteresse inzwischen nur noch 421 Kinos das Biopic über den Apple-Gründer. Zwar konnte der Film in amerikanischen Großstädten wie New York oder Los Angeles sogar Besucherrekorde brechen, floppt allerdings landesweit und belegt lediglich Platz 7 in den Kinocharts. „Auch in Deutschland wird man sich wohl sputen müssen“, schreibt der Tagesspiegel, fügt aber hinzu: „um diesen Klassiker von morgen nicht zu verpassen.“

Der andere Steve Jobs

Fast zeitgleich zum deutschen Kinostart erscheint das Buch „Becoming Steve Jobs: Vom Abenteurer zum Visionär“ (512 Seiten, Siedler Verlag) des amerikanischen Journalisten Brent Schlender, der Steve Jobs über zwanzig Jahre lang freundschaftlich begleitet hat. Grundlage sind auch Gespräche mit engsten Vertrauten und Weggefährten wie Tim Cook oder auch Bill Gates. Das Buch zeigt ganz andere Facetten von Jobs. Wer wissen will, wie sich Jobs, der 1976 als 21-jähriger mit seinem Kumpel Steve Wozniak Apple gründete, vom „angry young man“ zum Ausnahme-Unternehmer entwickelt, ist mit dieser Lektüre vermutlich besser aufgehoben als im Kinosaal.

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Zuerst erschienen auf techtag.de