Weniger Verkehr dank flexibler Arbeit?

Jeden Morgen das gleiche: Auf dem Weg zur Arbeit stehe ich im Stau. Deshalb bin ich froh um jeden Tag, den ich aus dem Home Office arbeiten kann – dabei bin ich nicht nur produktiver, sondern vermeide auch den Stau. Eine schweizer Studie hat sich nun die Frage gestellt, ob sich durch unsere immer flexibleren Arbeiszeiten und -orte tatsächlich das Verkehrsaufkommen verringert. Immerhin kann man das ja schon in den Schulferien deutlich beobachten.

Als ich von der Studie “Zukunft urbane Mobilität” gelesen habe, hat mich das neugierig gemacht. Ich persönlich fahre nämlich viel lieber in den Schulferien ins Büro, als in der Schulzeit. Dann kann ich endlich mal flüssig durch fahren und stehe nicht über eine halbe Stunde im Stau. “Nachhaltige Mobilität” wollten die Forscher finden und haben sich zwei Jahre Zeit genommen, um den Raum Zürich daraufhin zu analysieren, ob die Flexibilisierung der Arbeitszeiten und Arbeitsorte eine ebensolche Hebelwirkung auf
den Pendlerverkehr darstellen könnte.

Doch was sind flexiblere Arbeitszeiten eigentlich? Beispielsweise könnte man vormittags zuhause arbeiten und nachmittags mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder Auto in die Arbeit fahren. Oder man arbeitet gar nicht mehr im Unternehmen, sondern von zuhause aus. Immerhin ist inzwischen in nahezu jedem größeren Dienstleistungsunternehmen eine IT-Infrastruktur vorhanden, die das technisch ermöglicht. In der Schweiz gibt es dazu sogar alle jedes Jahr einen Home Office Day, ausgerufen von Unternehmen wie Microsoft oder SBB.

Und passend dazu gibt es jetzt eben auch von den Unternehmen Credit Suisse und Swiss Re die Studie “Zukunft urbane Mobilität”, ein Pilotversuch, der von der Annahme ausgeht, dass das Verkehrsaufkommen zu Spitzenzeiten durch flexible Büropräsenzzeiten deutlich reduziert werden kann. “Es ist anzunehmen, dass wenn nur ein Teil der Beschäftigten das Verhalten anpasst, sich zusätzliche Investitionen in einen weiteren Ausbau der Spitzenkapazitäten des öffentlichen Verkehrs und der Strasse vermeiden oder zumindest zeitlich hinausschieben liessen. Würden alle Pendlerinnen und Pendler einen Tag pro Woche zuhause arbeiten, (Home Office Day), würde sich der wöchentliche Pendlerverkehr um ca. 20% reduzieren.” schreiben die Forscher in einer Medienmitteilung.

Die Pendler würden davon natürlich profitieren: “Sie könnten gewisse Arbeiten konzentrierter zuhause erledigen und ihren Arbeitsweg erst dann antreten, wenn die Hauptverkehrszeit vorüber ist.” Und die Unternehmen hätten motiviertere Mitarbeiter und wären für neue Mitarbeiter attraktiver, denn sie setzen sich “für die Work-Life Balance ihrer Mitarbeitenden, für die Umwelt und ihren Standort” ein.

Eine Reduktion des Pendlerverkehrs um 20% ist viel, weshalb ich auf den Ausgang des Experiments gespannt bin. Der Pilotversuch wurde im September 2012 durchgeführt, die Ergebnisse werden auf dem Abschlussevent am 19. November 2012 vorgestellt. Ich denke, dass sich die Prognosen bestätigen werden. Interessant wird aber werden, welche Maßnahmen die Macher für die verbesserte Mobilität vorschlagen. Was würden Sie umsetzen, um den Verkehr in Zukunft zu reduzieren?