Warum Telekommunikationsanbieter Cloud-Anbieter werden sollten

LinqUs_General_OfferEine neue Studie unterstreicht das Potenzal für Mobilfunk-Provider, eigene Cloud-Dienste zum Speichern und Teilen von Daten bereitzustellen. 80 Prozent der Befragten würden einen solchen Dienst nutzen.

Laut einer Statistik des Forsa-Instituts haben sieben Millionen Deutsche schon einmal ihr Handy verloren, vier Millionen Besitzern ist es bereits einmal gestohlen worden. Das ist für die Betroffenen ärgerlich: wegen des Gerätewerts, vor allem aber wegen des Datenverlusts. So hat eine andere Umfrage des Sicherheitsunternehmens Gemalto ergeben, dass mehr als die Hälfte der Befragten schon einmal Kontaktdaten, Bilder, SMS oder E-Mails verloren haben. An der Studie haben 4.400 Handy-Nutzer zwischen 15 und 65 Jahren aus Deutschland, Brasilien, Malaysia und Südafrika teilgenommen.

Nur für 30 Prozent endete die Erfahrung halbwegs versöhnlich, da sie eine Backup-Lösung nutzten. Im Umkehrschluss trifft der Verlust zwei von drei Nutzern hart. Hinzu kommt die Dunkelziffer all jener, die daran scheitern Ihre Daten von einem alten Gerät zu transferieren und sie schließlich zugunsten des neuen Smartphones aufgeben. Dabei gibt es je nach System Lösungen, die die Datensicherung und den Transfer gewährleisten: Bei Apple liegen alle Daten und Apps in iTunes und der iCloud. Bei Android läuft die Synchronisation über das Google-Konto. In solchen Fällen reicht es, das neue Smartphone mit dem alten Account zu verknüpfen – und schon sind alle Kontakte und andere Daten wie Kalendereinträge oder Notizen auch dort verfügbar.

Risikofaktor Nutzer

Per Cloud funktioniert auch der eigentlich kompliziertere Wechsel zwischen verschiedenen Betriebssystemen (OS) oft ganz gut: Sowohl Apples iCloud als auch Google- und Microsoft-Konten können Kontakte im sogenannten vCard-Format exportieren und importieren, für Kalendereinträge wird fast überall der iCal-Standard unterstützt. Wer seine Daten ohnehin mit den Servern der Anbieter synchronisiert, kann sie also bequem am Rechner vom einen zum anderen Dienst übertragen und bekommt sie so automatisch auch aufs Handy. Und es gibt noch weitere Brücken, die sich längst von dem altmodischen Umzug via SIM-Karte verabschiedet haben.

Eigentlich alles gut, sollte man denken. Wäre da nicht der Risikofaktor Nutzer. Ein Backup kann nur funktionieren, wenn es richtig und zum richtigen Zeitpunkt genutzt wird. Hier gibt es offenbar eine Lücke, die die Smartphone-Hersteller und Betriebssystem-Anbieter nicht schließen können. Dagegen gibt es einen Player in der Kette, der diese Aufgabe plattformübergreifend erfüllen könnte: Die Telekommunikationsanbieter.

Die Gemalto-Studie ergab, dass sich die Mehrheit einen Cloud-Dienst vom eigenen Telekommunikationsanbieter vorstellen kann. Fast 80 Prozent gaben an, dass sie einen Service für die Datensicherung und das Teilen von Inhalten nutzen würden, wenn es ein entsprechendes Angebot ihres Mobilfunkanbieters gäbe. Mehr als 60 Prozent der Kunden sind auch bereit, dafür eine zusätzliche Gebühr zu zahlen. Oberste Priorität hat für die Endanwender dabei das Thema Sicherheit: Für 69 Prozent der Nutzer ist es die wichtigste Anforderung an eine Data-Sharing-Lösung. Bei Backup-Services lag der Wert bei 77 Prozent.

Der Nutzer wird zum IT-Admin

Im Rahmen der Studie wurden die Teilnehmer zudem gefragt, welche zusätzlichen Services für sie interssant wären: 90 Prozent antworteten darauf, dass sie beim Verlust des Handys gerne die Möglichkeit zum Löschen von Daten und zur Sprerrung des Geräts hätten. Mehr als drei Viertel der Befragten nannten hier außerdem ein automatisches Foto-und Video-Backup.

Mit so einer Lösung wird der Smartphone-Nutzer immer mehr zum eigenen IT-Admin. Einerseits kann er das Gerät direkt in der Hand bedienen. Im Fall des Verlustes kann er aber auch die Daten löschen und über die Cloud auf eine neue Instanz transferieren. Der Telekommunikationsanbieter liefert ihm dazu eine umfassende BYOD-Lösung.

Tatsächlich ist die Backup-Cloud noch Neuland für die Telekommunikationsanbieter. Einer der ersten Anbieter ist zum Beispiel die Deutsche Telekom. Das Unternehmen hält über die TelekomCloud E-Mails, Kontakte und Termine auf allen Geräte auf dem aktuellen Stand inklusive Online-Backup. Die Einrichtung ist auf Smartphone, Tablet mit iOS, Android beziehungsweise Windows Phone und PC möglich, ebenso das löschen von Daten per Fernzugriff.

Aber auch andere wollen die Chance nutzen und auch ein Stück vom Kuchen haben. Verizon arbeitet gerade an einem Cloud-Backup für Android und iOS, sich über die Synchronisation von Medienbibliotheken, Anruflisten, Kontakte und Nachrichten erstreckt. Entscheidend wird sein, den Wechsel zum neuen Gerät so einfach und barrierefrei wie möglich zu gestalten. Im Idealfall darf es keine Rolle spielen, ob der Nutzer von Android auf Windows Phone oder von Windows Phone auf iOS wechselt.