Von iMac G3 bis zum iPad: Apple-Design und dessen Basis

G4 CubeJedes neue Apple-Produkt – egal, ob Mac-Computer oder iPhone – ist bei seiner Vorstellung immer wieder ein „Wow-Erlebnis“. Denn seit jeher sorgt das bei Apple gepflegte Design für Aufsehen. Was aber steckt dahinter?

Eine Abhandlung dazu – “Apple Design: Die Kunst der Produktgestaltung zwischen Userzentrierung und Ästhetik” – hat der Kunstwissenschaftler Dr. Harald Klinke kürzlich geschrieben und darin den Erfolg der Apple-Produkte auf drei Elemente zurückgeführt, die er in der Schlichtheit der Gestaltung, der Integration des Designs in die Produktentwicklung und letztlich in der Erhebung des Entwicklers in den Rang eines Künstlers begründet sieht. Sehr aufschlussreich ist dies an der Entwicklung des iPhone zu erkennen. Ausgangspunkt war die Miniaturisierung von Bauteilen und, damit einhergehend, immer kleiner werdende Smartphones, die zugleich Handy, Minicomputer und Kamera waren. In ein und demselben Gerät ließen sich immer mehr Funktionen vereinen, was dessen Bedienung gleichzeitig immer komplizierter werden ließ. Apple hatte bald erkannt, dass bei derartig komplexen Geräten die bislang vom PC gewohnte Benutzerschnittstelle nicht hilfreich war; weder Maus noch Stylus eigneten sich nach Ansicht von Apple-CEO Steve Jobs als geeignete Eingabegeräte. Als einzige geeignete Lösung erschien es, den Touch-Screen zur Interaktion zu benutzen.

“Weniger ist mehr”
Diese innovative Technologie aber stellte an das Design besondere Herausforderungen. Denen stellte sich der Vater des iPhone, wie es immer so schön heißt, Apples Chefdesigner Jonathan Ive. Er hat seit dem legendären
iMac G3 fast alle Apple-Produkte entworfen. Darunter auch den iPod, der mit seiner zeitlosen Gestaltung und dem Click-Wheel bei seinem Erscheinen auf eine einfache, intuitive Bedienung setzt. Einfachheit und Reduziertheit greift Jonathan Ive für das iPhone auf. Natürlich entwarf Jonathan Ive seine Produkte nicht im luftleeren Raum. Auch er hatte Vorbilder, und zwar im Wesentlichen den deutschen Produktdesigner Dieter Rams, der seit 1962 das funktionalistische Design der Rundfunkgeräte des deutschen Herstellers Braun prägte. Ihm sind Begriffe wie Einfachheit, Ehrlichkeit und Neutralität im Produktdesign zu verdanken. “Ästhetisch ist das Design eines Industrieproduktes, wenn es ehrlich, ausgewogen, einfach, zurückhaltend-neutral, sorgfältig ist”, wurde er 1980 zitiert. Sein Motto “Weniger ist mehr” kann ebenso gut für das Apple-Design gelten.

Diese Konzentration auf das wirklich Notwendige zeichnet auch die von Jonathan Ive designten Apple-Produkte aus. Was sich nicht nur auf das Design beschränkt, sondern die Technik und – für Apple-Produkte schon immer ganz wichtig – das Erscheinungsbild der Software, sprich der Oberfläche des Betriebssystems iOS, ebenfalls einbezieht. Dadurch sind das iPhone ebenso wie das iPad geradezu intuitiv zu bedienen. Das hat zur Folge, dass die Geräte
für große Käuferschichten verständlich sind. Dazu sei Dr. Harald Klinke mit den Worten zitiert, dass das Design bei Apple „mehr als nur Styling der Oberfläche“ ist. In Cupertino macht man sich “eine Vorstellung von in das Unternehmen integriertem Design zu Eigen, die sich im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelt hat”.

Braun und das Prinzip der Einfachheit
Zugrunde liegen dabei Bauhaus-Ansätze, Design nicht einfach nur als einen zusätzlichen Kaufanreiz zu verstehen, “sondern als ein umfassendes Prinzip der Produktentwicklung”. Also Technik und Form von Beginn an zusammenzuführen, was nichts anderes hieß, als die Designer am gesamten Entwicklungsprozess eines Produktes zu beteiligen, von der Konzeption über die Konstruktion bis zur Produktion. Laut Dr. Harald Klinke hat das “Prinzip der Einfachheit” bei Braun wie auch bei Apple nicht nur auf das Aussehen Auswirkungen, sondern auf die gesamte Handhabung eines Produktes.iMac und Co.

Oder, um es mit Steve Jobs auf den Punkt zu bringen: “Design is … not just what it looks like and feels like. Design is how it works.” Und dementsprechend sieht der Apple-Chef die Produktentwicklung als eine gemeinsame Aufgabe von Produktdesignern und Ingenieuren – oder anders ausgedrückt: von Künstlern und Technikern. Chef der “Künstler” bei Apple ist der Brite Jonathan Ive, der seit 1992 für Apple arbeitet – zunächst mit seinem eigenen Designstudio, später dann als festes Mitglied im Designteam von Apple. Doch erst mit der Rückkehr Steve Jobs’ zu Apple erhielt Jonathan Ive als “Senior Vice President Design” jene Freiheit, die es ihm ermöglichte, alle Apple-Produkte nach der ihm eigenen Philosophie zu gestalten. Angefangen vom legendären Knubbel-Mac bis zum iPhone, jenes Gerät, das wohl am ehesten die intuitive Bedienung mit schlichtem Design vereint und eine umfassende Produktgestaltung zu einem Verkaufserfolg werden ließ.

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