Vom Kampf gegen die Informationsflut

Die Welt wird schneller, die Halbwertszeit der Informationen verringert sich, und mittendrin steht der Mensch, dessen Gehirn sich mit verändern muss. Denn Lesen und per Lesen Informationen wahrnehmen ist dem Menschen nicht genetisch angeboren. Schrift gibt es – menschheitsgeschichtlich gesehen – erst seit kurzer Zeit. Und doch ist sie inzwischen aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Evolutionstechnisch heißt es deshalb derzeit: Verändere deine Gehirnstruktur und deine innere Organisation oder du wirst von der Informationswelle abgehängt beziehungsweise überrollt. 31 Prozent der Deutschen, so zeigt eine neue Studie des Branchenverbands BITKOM, fühlen sich schon jetzt nicht mehr Herr der Informationslage. Und wie geht es Ihnen als “Informationsprofi”?

Sicherlich kennen Sie das: Das Handy klingelt, zeitgleich versucht man Sie auf dem Festnetz zu erreichen, in Mail laufen quasi sekündlich neue Mails auf und beim Mittagessen werden Sie komisch angesehen, weil Sie nicht die neuesten News und Meldungen aus Ihren RSS-Feeds parat haben. Ist das der Irrsinn unserer Welt? „Offenkundig fühlen sich zahlreiche Menschen von Nachrichten und Medienvielfalt überfordert, vor allem Ältere“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. So haben 39 Prozent der Deutschen ab 65 Jahren häufig das Gefühl der Informationsüberflutung. „Wir müssen als Gesellschaft lernen, mit der Nachrichtenflut besser umzugehen.“ Aber auch die Jüngeren unter uns leiden unter der Last der News, die täglich auf sie einprasseln. Dabei sind wir doch damit aufgewachsen. Evolutionsbiologisch aber spielt das keine Rolle.

Unser Gehirn ist nämlich eigentlich gar nicht für diese Art von Informationen geschaffen. Lesen ist uns nicht in die Wiege gelegt, wir haben dem Gehirn für diese Funktion nur in den letzten Jahrhunderten einen kleinen Teilbereich abspenstig gemacht. Oder haben Sie sich schon einmal überlegt, warum der Stuhl Stuhl heißt und nicht Bmpfhupfl? Was macht das Wort “Stuhl” zu dem, was sich im Kopf bei uns beim Lesen bildet? Unsere Erfahrung. Und was macht das Wort “Cloud Computing” in unserem Kopf? Was “ERP”, “CTO”, “PHP” und dergleichen mehr? Wir leben in einer chiffrierten Welt, die uns Informationen noch schneller zur Verfügung stellen soll – und uns doch bei der Dechiffrierung immer mehr abverlangt. Zum Telefon, Internet und Mail kommt inzwischen auch noch das – quasi Tag und Nacht verfügbare – Smartphone hinzu. Die Folge: Informationsüberflutung. Und: Sucht nach den Informationen.

Haben Sie sich nicht auch schon einmal ertappt, nach dem Handy zu greifen während eines langweiligen Vortrags und nach News zu suchen? Was macht unser Gehirn dann? Es schaltet zwischen den unterschiedlichen Informationskanälen hin und her. Und Sie? Sie lassen sich Energie rauben durch dieses schnelle Umschalten. Energieverlust bedeutet aber auch schnellere Ermüdung, Überlastung, Reizung. Kein Wunder also, dass wir heutzutage schneller ein Burnout erleiden als früher. Was aber können wir dagegen tun? Bewusst Informationspausen einlegen ist der erste Schritt. Ab und zu den Anrufbeantworter rangehen lassen, Antwortzeiten verlängern (nicht jede Mail muss binnen 10 Minuten beantwortet werden), Filterregeln aktivieren und in der freien Zeit auch sich einmal wirklich gegenüber allen Informationen abschotten. Dann tief durchatmen und sich von der Last des “ich darf nichts verpassen” befreien. das klingt einfach, kann aber schwer sein. Deshalb: Fangen Sie morgen doch einfach mal an und schalten Sie bei wichtigen Arbeiten einfach mal Mail und Telefon aus. Sie werden sehen, wie effizient es sich so arbeiten lässt.