Videokonferenzlösung sichert medizinische Versorgung auf dem Land

Das deutsch-polnische Telemedizin-Netzwerk Pomerania bringt Expertenwissen auch in Gegenden, wo Fachärzte rar gesät sind.

Das Gesundheitssystem muss eine Vielzahl von Herausforderungen stemmen: Dazu gehören etwa eine immer älter werdende Gesellschaft, die steigende Zahl chronisch Kranker sowie das Versorgungsgefälle zwischen Ballungsräumen und ländlichen Gegenden. Es gilt, die Kostenexplosion zu stoppen, ohne jedoch den hohen Standard der medizinischen Versorgung zu gefährden. Moderne Technik hat das Potenzial, diesen Spagat erfolgreich zu meistern. Ein Baustein ist die Videokommunikation in den Bereichen Telemedizin, Patientenversorgung oder Forschung.

„Diese Technik ermöglicht es beispielsweise, den Patienten per Großaufnahme in Augenschein zu nehmen, außer Haus befindliche Fachkollegen zu konsultieren oder Bildmaterial standortübergreifend zu begutachten“, erklärt Micha Kuhlgatz, Business Consultant Healthcare von Dimension Data. Der IT-Dienstleister hat Erfahrung mit der Vernetzung von medizinischem Fachpersonal. In Stuttgart beispielsweise haben die Techniker an drei Standorten des Robert-Bosch-Krankenhauses (http://www.rbk.de/) eine Videokonferenzlösung von Cisco implementiert.

Neben dem stabilen, leistungsfähigen Netzwerk im Haus liegen Standleitungen mit bis zu 100 MBit/s zwischen den Standorten. Mussten die Ärzte bis vor Kurzem für Besprechungen noch aufwändige Fahrwege auf sich nehmen, stehen nun für Tumorkonferenzen, Konsile und ähnliche Besprechungen 52-Zoll-Doppelmonitorsysteme zur Verfügung, die eine Auflösung von Full HD mit 1080 Pixeln bieten.

Spannender ist aber noch ein weiteres grenzüberschreitendes Projekt in Europa: das Pomerania-Projekt. Dabei haben sich in Nordostdeutschland und Nordwestpolen große und kleine Kliniken zu einem grenzüberschreitenden Verbund zusammengeschlossen. Das Netzwerk will medizinisches Expertenwissen auch dorthin bringen, wo Fachärzte rar gesät sind, in dünn besiedelte Gebiete. Die Vielschichtigkeit der Versorgungsleistung ist beispielhaft:

Im Rahmen des Telemedizinprojektes wurde in den beteiligten Häusern ein ausgedehntes Videokonferenzsystem etabliert, das insgesamt 52 Videokonferenzsysteme an 14 Klinikstandorten sowie 75 Software-Lizenzen für mobile Notebooks und 10 mobile HD-Cams umfasst.

Die Vernetzung geht aber noch weiter: Um etwa Unfallopfer schnell versorgen zu können, führt eine technische Assistenz eine Computertomographie im entlegeneren Krankenhaus durch. Die Bilder werden anschließend über ein geschütztes Netz in ein zentrales Krankenhaus mit 24-Stunden-Präsenzdienst überspielt und dort befundet. Die Befunde werden dann über die Teleradiologie dem kleinen Krankenhaus zur Verfügung gestellt. Zusätzlich wird für Schlaganfallpatienten eine Netzwerkkomponente bestehend aus Tele-Arzt – Telekonferenzsystem zur Patientenuntersuchung durch einen Arzt am anderen Ort – und Teleradiologie aufgebaut. Auf diesem Weg steht das Expertenwissen, etwa aus Universitätskliniken, auch kleinen Provinzkrankenhäusern zur Verfügung.

Das Netzwerk ist ein großartiges Beispiel für das Zusammenwirken von urbaner und ländlicher Infrastruktur durch moderne IT zum Wohle des Menschen. Es verwundert nicht, dass die Europäische Union das Pomerania-Projekt seit Jahren fördert.

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