Verzögerungen bei iPad-mini-Auslieferung: Ist Apple zu erfolgreich?


Und wieder heißt es warten: Wegen zu hoher Nachfrage beim iPad mini müssen sich Kunden auf Verzögerungen einstellen. Kann eine Nachfrage zu hoch sein? Apple scheint dem Hype um seine Produkte momentan nicht gerecht werden zu können. Es ist die Reifeprüfung für Tim Cook.

“Lieferengpässe möglich”. Dieser kleine Schriftzug findet sich mittlerweile in jedem TV-Spot für Apple-Produkte. Es sind Worte, mit denen sich die Konkurrenz gerne brüsten würde. Und doch sorgen sie gerade bei treuen Kunden für Frust.

Fünf Millionen iPhone 5 verkaufte Apple nach nur drei Tagen. Nach nur wenigen Tagen war das Gerät weltweit ausverkauft. Noch jetzt, viele Wochen nach der Präsentation der sechsten Smartphone-Generation aus Cupertino, warten Kunden auf Ihr iPhone. Teilweise verzögert sich die Auslieferung bei den Mobilfunkprovidern auf KW 48 oder 49 trotz Premierenticket.

Dass Phil Schiller am vergangenen Dienstag den Rollout des iPad mini in 34 (!) Ländern mit einem Fingerschnippen abwickelt, mag manch einem wie blanker Hohn vorkommen. Denn auch jetzt, so heißt es bei etlichen Apple-Stores, ist das iPad mini schon auf Wochen vergriffen.

Online hat Apple die Auslieferung schon auf zwei Wochen verschoben. Das künstliche Verknappung ein effektives Marketinginstrument ist, sei einmal dahingestellt. Doch letzten Endes scheint Apple vom Hype um die eigenen Produkte überfordert.

Trotz monatelanger Vorproduktion von Millionen von Geräten kann Cupertino die Nachfrage nicht decken – und wenn, dann nur mit erheblicher Verzögerung. Ein Grund dürfte die qualitativ hochwertige Massenfertigung in Fernost sein. Die ist laut Digitimes auch der Grund für den hohen Preis des iPad mini im Vergleich zu den Konkurrenz-Tablets Nexus 7 und Kindle Fire HD. Laut der Digitimes hängt der vergleichsweise üppige Preis mit den geringen Margen bei der verbauten GF2 Touchscreen-Technologie zusammen. Der Hersteller, DITO film, hat offenbar enorme Probleme mit der Massenherstellung.

Laut Digitimes, die für ihre Apple-Berichterstattung zweifellos berüchtigt sind, sind die GF2-Screens nur rund fünf Dollar billiger beim iPad mini als beim “normalen” iPad. Wirklich aus der Welt schaffen lässt sich das Problem nicht. Apple arbeitet schon mit vielen großen Zulieferern zusammen, der Vorlauf für ein Produkt beträgt bereits mehrere Monate. Eine verlängerte Produktionsphase würde den Konzern unflexibel machen und technische Innovation erschweren – immerhin sind sechs Monate im Mobile-Markt eine halbe Ewigkeit.

Darüber hinaus hat Apple momentan keinerlei Handhabe gegen Leaks zu neuen Produkten. Zu unübersichtlich sind die Firmenstrukturen mit ihren zehntausenden Mitarbeitern in Fernost. Mit einem größeren Vorlauf würde der Konzern den Medien und ihren Insidern noch mehr Zeit geben, Interna an die Öffentlichkeit zu tragen.

Die einzig gangbare Lösung dürfte sein, den Verkaufsstart neuer Produkte nach den wichtigsten Märkten zu priorisieren. Das würde auch bedeuten, dass einige Länder sich gedulden müssten. Ist dann allerdings die Chance größer, zügiger an sein Wunschgadget zu kommen, dürfte das hitzige Gemüter besänftigen. Allerdings würde Apple dann auch weniger vom Hype um ein neues Produkt profitieren.

So bleibt dem Konzern aus Cupertino nur noch die Möglichkeit, mit höheren Stückzahlen dem Hype zu begegnen. Es dürfte die Mammaufgabe des Logistik-Genies Tim Cook sein, der mit Kalkül schon vor Jahren dem schwächelnden Konzern mit seinen vollen Lagern wieder auf die Beine half. Nun ist das Problem konträr – die Lager sind leer. In Fernost die geeigneten Partner zu finden und trotzdem den Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, dürfte maßgeblich dazu beitragen, die Kunden bei der Stange zu halten.