Verwirrung um Apple Care nach EU-Kritik: Was ist erlaubt im Garantiefall? Was nicht?

Apple steht für seine kostenpflichtige Garantieverlängerung in der Kritik. Die EU-Justizkommissarin Viviane Reding verdächtigt das Unternehmen der Täuschung und hält die Verbraucherminister der 27 EU-Mitgliedsstaaten an, gegen “irreführendes Marketing” in Sachen Apple Care vorzugehen. Werden Kunden wirklich in die Irre geführt? Wir bringen Licht ins Garantiedunkel.

Apple habe, schreibt Reding, prominent für seine eigene kommerzielle Gewährleistung geworben, “es aber versäumt darauf hinzuweisen, dass die Verbraucher nach EU-Recht einen automatischen und kostenlosen Anspruch auf eine zweijährige Garantie haben”. Aus diesem Grund  verhängten die italienischen Behörden bereits im Dezember 2011 eine Geldbuße in Höhe von 900.000 Euro gegen das Unternehmen.

Es handelt sich laut Reding um “inakzeptable Werbe-Praktiken”. Die EU-Kommissarin fordert die Regierungen der EU-Mitgliedsländer in ihrem Schreiben dazu auf, “diesem Thema bei der Durchsetzung des Verbraucherschutzes besonderes Augenmerk zu widmen”, berichtet der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe.

Aber für welche Leistungen verlangt Apple eigentlich Geld? Sollte das iPhone, iPad oder der iPod den Geist aufgeben, so stehen Ihnen als Verbraucher verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Ob und wie lange Sie ein Recht auf Umtausch haben, hängt vom Zeitpunkt des Kaufs und von der Art des Schadens ab. Aber der Reihe nach:

Herstellergarantie

Apple gewährt auf jedes gekaufte Gerät weltweit eine einjährige Herstellergarantie ab Kaufdatum. Diese lässt sich übrigens auch in jedem Apple Store weltweit geltend machen, unabhängig davon wo Sie das Gerät gekauft haben. Die Herstellergarantie greift allerdings nur dann, wenn das Device ohne Verschulden des Nutzers einen Fehler aufweist oder nicht mehr funktioniert.

Ausgeschlossen von der Garantie sind laut Apple also diejenigen Schäden, die durch Unachtsamkeit, Demontage, nicht autorisierte Reparaturen und nicht autorisierte Änderungen entstehen. Dazu gehört demnach auch die Durchführung eines Unlocks, eines Jailbreaks oder das versehentliche Versenken im Klo. Wichtig: Ob es sich bei einem Defekt um einen Wasserschaden handelt oder nicht, kann ein Apple-Mitarbeiter recht einfach überprüfen, da die iOS-Geräte über entsprechende Sensoren verfügen.

Ob bei Ihrem iOS-Gerät noch eine Herstellergarantie gilt, erfahren Sie ganz unkompliziert auf der Apple-Support-Website, indem Sie dort die Seriennummer eingeben. Besteht noch Garantie und Sie haben den Fehler oder Schaden nicht selbst verursacht, wenden Sie sich an den Apple-Support-Service. Dort haben Sie die Möglichkeit das Gerät einzusenden oder in einem Apple Store Ihrer Nähe einen Termin zu vereinbaren.

Gewährleistungsanspruch

Unabhängig von der Herstellergarantie, greift beim Kauf des Apple-Geräts in Deutschland oder im europäischen Ausland zusätzlich der sogenannte Gewährleistungsanspruch. Dieser ist unabhängig von der oben erwähnten (freiweilligen) Herstellergarantie und sieht vor, dass Ihnen der Verkäufer neue Ware frei von Sach- und Rechtsmängeln und mit allen in der Werbung zugesicherten Eigenschaften übergeben muss.

Der Gewährleistungsanspruch gilt zwei Jahre ab Kaufdatum und ist rechtlich bindend. Selbstverständlich greift der Gewährleistungsanspruch auch nur dann, wenn der Defekt ohne eigenes Verschulden eingetreten ist. Wollen Sie den Gewähleistungsanspruch geltend machen, gilt Folgendes: Tritt der Schaden innerhalb der ersten sechs Monate ab Kaufdatum auf, muss der Händler nachweisen, dass das Gerät bei Verkauf ohne Mängel war. Danach allerdings kehrt sich die Beweislast um – und Sie müssen belegen, dass der Fehler bereits beim Verkaufszeitpunkt vorlag.

AppleCare Protection Plan

Apple bietet mit seinem sogenannten AppleCare Protection Plan zusätzlich die Möglichkeit, die einjährige Herstellergarantie gegen Gebühr zu verlängern. Allerdings greift auch dieser Service nicht bei eigenem Verschulden. Derzeit steht Apple mit seiner Garantieverlängerung zudem unter Beschuss. Verbraucherschützer haben das Unternehmen für seine Werbung für den Protection Plan abgemahnt. Der Grund: Apple weise hier nicht deutlich genug auf ohnehin bestehende Gewährleistungsrechte hin.

Eigenes Verschulden?

Ist Ihr iOS-Device defekt, weil es einen Sturz erlebt hat oder versehentlich in der Waschmaschine gelandet ist, so haben Sie die Möglichkeit, das Gerät bei Apple austauschen oder reparieren zu lassen oder bei entsprechenden Service-Anbietern reparieren zu lassen.