Urlaub für Geeks: eine Kreuzfahrt auf der Quantum of the Seas

Wer Smart Living in Aktion sehen will, muss in See stechen. Die Quantum-Klasse von Royal Caribbean Cruises ist ein Tummelplatz für Geeks und IT-Fans – Roboterbedienung und Autoscooter inklusive.

CES, MWC, IFA – diese Kürzel haben einen festen Platz im Terminkalender von Geeks und IT-Professionells. Wer aber genug von Messehallen hat, sollte sich QOTS merken. Die „Quantum of the Seas“ ist mit 18 Decks auf 41 mal 350 Metern nicht nur eines der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt, sondern auch intelligent vernetzt und auf dem aktuellen Stand der Technik.

Das Smart-Living-Erlebnis fängt beim Check-in an. Statt am Pier beginnt die Reise schon zu Hause. Mit dem sogenannten Smart Check-in erstellen Passagiere schon vor dem Boarding ihr Profil, das der Reiseveranstalter mit der Zustellung einer Bordkarte in Kreditkartenformat bestätigt. Bei Reiseantritt reicht dann ein Scan von Bordkarte und Reisepass.

Der Check-in eröffnet auch den Zugriff auf Royal iQ. Die App ist auf allen öffentlichen Tablets im Schiff installiert und kann auch von den Reisenden auf ihre iOS- oder Android-Smartphones geladen werden. Funktionen: Echtzeit-Verfolgung der Gepäckstücke mittels RFID, Buchung von Aktivitäten, Restaurant-Reservierungen, Versand von Nachrichten und Telefonate ohne teuren Roaming-Aufschlag.

Royal IQ: Die App ist die Fernbedienung für die Aktivitäten auf dem Schiff (Bild: Royal Carribbean Cruises)

Royal IQ: Die App ist die Fernbedienung für die Aktivitäten auf dem Schiff (Bild: Royal Carribbean Cruises)

Für das Surfen auf hoher See wirbt die Quantum of the Seas mit satellitengestützten Internetempfang. Dieser liefert nach eigenen Angaben „mehr Bandbreite als jedes andere Kreuzfahrtschiff“. Die Kollegen von der Computerwoche haben 4,65 Megabit pro Sekunde für den Download und 4,03 Megabit pro Sekunde für den Upload gemessen. Damit sind nicht nur HD-Videotelefonate möglich, sondern selbst auf besonders verzögerungsfreie Verbindungen angewiesene Online-Spiele.

Kein Zimmer ohne Aussicht

Bei Schiffen dieser Größenordnung ist klar, dass nicht alle der 2.090 Kabinen Meerblick haben können. Bei der Quantum of the Seas müssen aber auch Reisende in den Innenkabinen nicht auf den Ausblick verzichten. Großformatige, hochauflösende Display liefern als virtueller Balkon die Außenwelt als Livestream. Das Bild liefern am Deck installierte Red Epik-Kameras im Wert von 20.000 Dollar, die die Umgebung mit einer Auflösung von 5K erfassen.

Display statt Fenster: An Deck installierte Kameras übertragen die Aussicht als Livestream (Bild: Royal Caribbean Cruises)

Display statt Fenster: An Deck installierte Kameras übertragen die Aussicht als Livestream (Bild: Royal Caribbean Cruises)

Ganz ähnlich sieht es in einem der Unterhaltungsbereiche aus – dem Two70. Die Zahl steht für die Hauptattraktion dieser Mischung aus Bar und Showbühne: ein 270- Grad-Panorama-Blick auf das Meer. Erst beim genauen hinschauen zeigt sich, dass hier 18 Projektoren am Werk sind, die ein 6 mal 30 Meter großes Panorama in 12K-Auflösung an die Wand werfen. Mit einsetzender Dunkelheit verwandelt sich das digitale „Vistarama“ je nach Programm in einen saftigen Dschungel, blühende Frühlingswiesen oder urbane Landschaften. Die virtuelle Realität dient dabei nicht nur als Stimmungsuntermalung, sondern auch als Hintergrund von Unterhaltungs-Einlagen. Unterstützt wird das Spektakel durch sechs sogenannte Roboscreens, Monitore an Roboterarmen die mit einer eigenen Choreografie futuristische Tanzeinlagen darbieten.

Nicht weniger spektakulär geht es in der Bionic Bar zu, zumindest aus Geek-Sicht. Industrieroboter von Kuka mixen bis zu 1.000 Cocktails pro Tag, die die Gäste entweder aus dem Menü ausgewählt oder per App individuell zusammengestellt haben. Eine Minute später wird der Cocktail auf einem Fließband serviert. Die Bezahlung erfolgt per RFID-Armband, dass jeder der maximal 4.905 Gäste bei sich trägt. Mit diesen Bändern lassen sich auch die Kabinentüren öffnen und bei einem Notfall die Position der Passagiere und damit eventuelle Staus feststellen, auf die der Kapitän und die 1.550 Personen starke Besatzung reagieren kann.

Weitere Attraktionen, die bislang auf hoher See einzigartig sind: ein Basketballfeld in Originalgröße, ein Autoscooter-Parcours sowie ein gläserner Zylinder an Deck für Skydiving.

Weniger Reibung durch Luft

Bei so viel Energieverbrauch wird auch auf Effizienz geachtet. Die gesamte Beleuchtung des Giganten basiert auf LED-Technik. Sparsam ist auch der Antrieb. Statt die Schiffspropeller über eine Welle mit Getriebe und Dieselmotor zu verbinden, hängen Elektromotoren in Gondeln am hinteren Teil des Schiffes. Strom für die Motoren liefern wiederum riesige Dieselmotoren im Bauch des Schiffes, die die produzierte Wärme auch an andere Systeme abgeben, etwa die Warmwasserbereitung.

Die um 20 Prozent gesteigerte Treibstoffeffizienz erreichen die Schiffe der Quantum-Klasse aber auch durch ein bislang einzigartiges Mikroblasen-System. Vom Kiel aus pumpt das Schiff eine durch Erhitzung und Abkühlung erzeugte große Menge winziger Luftblasen nach Außen. Das Resultat: Weniger Reibung und ein stillerer Antrieb.

Im November 2014 hat die Meyer Werft in Papenburg die QOTS an Royal Carribbean übergeben. Im April 2015 folgte mit der „Anthem of the Seas“ ein baugleiches Schiff. Im Frühjahr 2016 liefert Meyer dann mit der „Ovation“ das dritte Schiff der sogenannten Quantum-Klasse mit einem Fokus auf den chinesischen Markt. Der Heimathafen ist Tianjin. Eine Reise auf einem Schiff der Quantum-Klasse beginnt bei rund 550 Euro für vier Übernachtungen.

Zuerst erschienen auf techtag.de