HPC-Cloud: Uni-Supercomputer öffnet Cloud für Unternehmen

Supercomputer der University of Cambridge

Die Cambridge-Universität und das Londoner Imperial College haben ihre Supercomputer zusammenschlossen und eine HPC-Cloud-Infrastruktur geschaffen. CORE soll dabei nicht nur der Forschung zur Verfügung stehen, sondern auch von Unternehmen genutzt werden können.

Bislang war die Gruppe der Supercomputer-Betreiber nicht gerade für ihre Offenheit bekannt. Wenn nicht gerade mal wieder die Leistungsdaten in der Top-500-Liste aktualisiert und neue Performance-Höhepunkte erreicht werden, sind die wertvollen Rechner in der Regel von der Außenwelt abgeschirmt und mit ihrer Forschung beschäftigt.

Davon wollen nun die Cambridge-Universität und das Imperial College in London eine Ausnahme machen. Sie haben eine Kooperation beschlossen, um ihre High-Performance-Computing-Infrastruktur (HPC) zu einem Cloud-Supercomputer zusammenzuschließen. CORE soll dabei nicht nur der Forschung zur Verfügung stehen, sondern auch von Unternehmen genutzt werden können.

HPC und Big Data für Wirtschaft und Forschung

Mit 22.000 Kernen und einer Rechenleistung von 300 Teraflops belegt CORE derzeit Platz 93 der schnellsten HPC-Systeme der Welt; von den Intel-basierten HPC-Systemen ist CORE das schnellste skalierbare System Großbritanniens. Ab sofort steht diese Leistung kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) zur Verfügung, um ihre IT in die Cloud auslagern und nach Bedarf abrechnen zu können. CORE entstand aus Fördermitteln des britischen Wirtschafts- und Entwicklungsministerium zum Ausbau der e-Infrastruktur des Landes. Ziel ist es, HPC und Big-Data-Lösungen für Wirtschaft und Forschung zur Verfügung stellen zu können.

Erste Fallbeispiele zeigen, wozu die Infrastruktur von CORE in der Lage ist:

  • Innerhalb sehr kurzer Zeit konnte die Motorsport-Abteilung von Caterham seine CAD-Arbeitsplätze in CORE auslagern, während der Rennstall seine eigene Infrastruktur neu aufgesetzt hat.
  • Atomic Art, eine Agentur für Computergrafik, nutzt die skalierbare Plattform von CORE, wenn für die aufwändigen Spezialeffekte von TV- und Filmproduktionen („Planet der Affen“) zusätzliche Kapazitäten benötigt werden.
  • Die britische Firma Xyratex ist sowohl Lieferant als auch Kunde von CORE. Auf der einen Seite nutzt der Speicherhersteller die Cloud, um eigene Produkte zu entwickeln und zu testen, auf der anderen Seite stellt Xyratex seine ClusterStor-Speicherlösung dem CORE-System zur Verfügung.

Parallel nutzen Forscher den HPC-Computer im Bereich der auf Quantenmechanik basierenden Materialforschung. In der Astronomie versprechen sie sich Durchbrüche bei Fragen zum Ursprung des Universums, indem CORE die kosmische Mikrowellen-Hintergrundstrahlung auswertet.

Perfekter Kreislauf

Mit der Öffnung der Cloud-Infrastruktur für KMUs entsteht für das Konsortium ein neues Geschäftsmodell. Die Einnahmen sollen in die Entwicklung und das Wachstum des CORE-Systems fließen, was wiederum den Kunden eine höhere Rechenleistung zur Verfügung stellt. Paul Calleja, der HPC-Service-Leiter in Cambridge, spricht dabei von einem “perfekten Kreislauf”. “Mit dem Zusammenschluss der beiden HPC-Services, sind wir in der Lage eine der größten wissenschaftlichen, technologischen und medizinischen Forschungsgemeinschaften in Europa zu werden”, so Calleja. “Das bedeutet eine große Anzahl von Nutzer, und es ermöglicht uns, unglaublich viel Erfahrung für den HPC-Betrieb zu sammeln.”

Grüner Nebeneffekt: Durch die neu geschaffene Infrastruktur entsteht ein neues effizienteres Rechenzentrum. Der sogenannte Power-Usage-Efficiency-Wert (PUE), der die im Rechenzentrum verbrauchte Energie ins Verhältnis mit der Energieaufnahme der Rechner setzt, soll von aktuell 1,5 auf zukünftig 1,15 herabgesetzt werden können.

Fazit: CORE bietet eine skalierbare, kostengünstige und flexible Infrastruktur, von der vor allem Start-ups profitieren und einen Wettbewerbsvorteil erlangen können. Um den Zugang für diese Unternehmen zu erleichtern, bietet CORE Starter-Pakete mit 10.000 Freistunden und einem Support-Tag an. So können Organisationen testen, ob sie ein HPC-System wie CORE überhaupt benötigen.