The Human Project: eine App für eine bessere Welt

Dass Apps das Leben leichter und schöner machen, ist für iPhone- und iPad-Nutzer sicherlich nichts Neues. Dass sie jedoch auch die Welt verändern können, will „The Human Project“ unter Beweis stellen. Wir haben uns mit den Initiatoren des ehrgeizigen Vorhabens unterhalten.

Große Zahlen sind für Anna Stillwell kein ungewohntes Terrain. Doch die Reaktion auf die Ankündigung des Human Projects macht die Unternehmensberaterin, die bisher Kunden aus den Top 100 der einfl ussreichsten Firmen der Welt Nachhilfe über die ethischen Herausforderungen der heutigen Zeit gab, schlichtweg sprachlos: „Die Resonanz war überwältigend“, erklärt Stillwell mit einem zufriedenen Lächeln, das ihre ruhige, intelligente Präsenz unterstreicht, „denn wir haben wirklich nicht damit gerechnet, in nur fünf Tagen über 25.000 US-Dollar zusammenzubekommen.“

Doch damit nicht genug: Neun Tage vor Beendigung der Spendenaktion, die die Finanzierung der „Human Project App“ ermöglichen soll, weist der Zähler auf der Projektseite bereits einen Stand von weit über 40.000 Dollar auf – Tendenz steigend.

Der Kickstart in eine bessere Welt
Doch es ist kein neues Anwenderprogramm, kein Film oder gar ein aufwendiges Computerspiel, das bisher über 200 private Investoren dazu bewegt hat, das Vorhaben von Anna Stillwell und ihrer „Verbündeten“ Erika Ilves so üppig durch die Crowdfunding-Plattform „Kickstarter.com“ zu unterstützen: Ziel ist die Entwicklung einer App für Apples iPad, die eine umfassende Plattform für den Austausch von Ideen über die Zukunft der Menschheit etablieren will: „Zunächst einmal stellt die Human Project App ein Manifest zur Defi nition der Identität der Menschheit für das 21. Jahrhundert vor“, erklärt Stillwell die Pläne, „ein zweiter Teil betrachtet den Menschen in seiner Entwicklung und Relation zu seiner Umwelt.

Drittens werden die Herausforderungen beleuchtet, die die Zukunft der Menschheit als Ganzes betreffen.“ Das Besondere an der Applikation ist jedoch nicht nur ihre systemische Standortdefinition, sondern vielmehr der Ansatz zur Lösung genannter Herausforderungen: „Das Human Project malt eine Vision der Menschheit im Jahr 2050, die sich an den Problemen orientiert, vor denen wir heute stehen, und liefert eine Agenda, wie wir diese Herausforderungen angehen und welche Prioritäten wir dabei setzen sollten“, so Stillwell weiter.

Doch könnte man diese Themen nicht auch in einem herkömmlichen Buch abhandeln? „Nachdem wir zwei Jahre an unseren Inhalten gearbeitet hatten, entschieden wir, dass eine App diese weitaus besser transportieren kann“, erklärt Anna Stillwell den Gedankenprozess, der letztlich erst durch Apples Tablet-Entwicklung in die jetzige Richtung gelenkt wurde, „unsere Absicht war es schließlich, so vielen Menschen wie möglich Zugriff auf unsere Arbeit zu geben – und deren Ergebnisse frei zugänglich zu machen. Das wäre mit einem Buch so gut wie nicht möglich gewesen.“

Weltrettung für Visionäre
Die iPad-App ermöglicht durch ihre multimediale Aufbereitung zudem eine anschaulichere Präsentation des umfangreichen Themenbereichs, als ein Printobjekt dies könnte: „Die App verschafft ihrem Benutzer ein multimediales Erlebnis der Grundzüge unseres Anliegens“, umreißt Stillwell die Umsetzung, „die Ziele sind jedoch größtenteils identisch mit denen einer Buchpublikation: Wir möchten Staub aufwirbeln, öffentliches Interesse für unsere Thesen erregen und mit Menschen ins Gespräch kommen. Das Fernziel ist die Schaffung einer globalen Plattform, auf der jeder, der am Überleben und der Entwicklung der Menschheit interessiert ist, seinen Teil zu einer Debatte beitragen kann, die die Schaffung relevanter Antworten und neuer Wege der Organisation anstrebt.“

Es ist kein Wunder, dass sich die derzeitige Entwicklungsarbeit auf das iPad konzentriert, immerhin beweisen besonders Nutzer von Apples Tablet-Computer Menschen bereits durch ihre Produktauswahl ihr visionäres Denken. Damit aber auch „der Rest der Welt“ erreicht werden kann, ist auch eine „traditionelle“ Buchversion der Thesen im PDF-Format geplant: Sollte der Spendenstand letztlich gar 50.000 US-Dollar überschreiten, werden Umsetzungen für das iPhone sowie für Android-Geräte folgen. Doch kann eine App tatsächlich die Welt verändern? Wieder lächelt Anna Stillwell ihr hintergründiges Lächeln: „Zumindest kann sie eine Menge Lärm machen“, sagt sie nach kurzer Überlegung – und
ihre dunklen Augen blitzen dabei.

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