Thai Cong: "Apple könnte davon profitieren, wenn Samsung sie kopiert"

Tapeten aus Stoff, opulente Kronleuchter und Möbel aus hochwertigen Materialen erwarten den Besucher in den Showrooms des Hamburger Interior Designers Thai Cong. Wer genau hinsieht, entdeckt in den gut gefüllten Ausstellungsräumen auch einen AirPlay-Lautsprecher oder eine Time Capsule. Apple spielt im Leben und der Arbeit des Inneneinrichters eine große Rolle.

Zufall, aber passend: Am Tag des Interviews klingelte morgens der Paketbote und brachte das neue iPad. Ein Geschenk seines Freundes, der auf der Rückseite die Widmung “Master of style” eingravieren ließ. Wer je einen von Thai Cong, Jahrgang 1972, gestalteten Raum gesehen hat, versteht, warum er kein normaler Inneneinrichter ist, sondern sich zurecht selbst als “Interior Designer” bezeichnet. Egal ob er ein Haus als barockes Schlösschen herrichtet oder eine Loft-Wohnung modern einrichtet – es passt immer alles zusammen. Jedes Detail ist durchdacht, und die Einrichtung ist perfekt aufeinander abgestimmt. Dass dabei nur hochwertige Materialen zum Einsatz kommen, versteht sich von selbst.

Thai Cong ist gefangen in der Apple-Welt. Er gesteht: “Wenn man mit Apple beginnt, wird man süchtig. Ich würde mich auch schon als Apple-süchtig bezeichnen.” In seiner Wohnung und in seinem Büro finden sich viele Produkte mit dem Apfel-Logo. Dabei sind iPhone und iPad seine ständigen Begleiter, MacBook und iMac stehen im Büro bereit. Die Time Capsule verrichtet ihren Dienst übergreifend, und Apple TV findet sich sowohl am Fernseher im Showroom als auch in der eigenen Wohnung.

Der Mann, der von sich selbst behauptet, Apple zu lieben, kann seine Zuneigung ganz rational begründen: “Bei Apple passt alles gut zusammen.” Das sei wie bei ihm. Wer ein Möbelstück in seinem Showroom gekauft habe, der komme wieder und kaufe das nächste, denn sie würden perfekt zusammenpassen. “Das macht ein gutes Produkt aus, dass die Leute davon gerne mehr haben möchten, dass sie in diese Welt eintauchen”, erläutert Thai Cong.

Qualität macht den Unterschied

Wie bei ihm, so spiele auch bei Apple die Qualität eine entscheidende Rolle, wobei die Produktherstellung nicht das einzige Qualitätsmerkmal sei: “Für mich besteht ein Produkt aus drei Elementen: Design, Material und Herstellungsart”, beschreibt Thai Cong seine Philosophie. “Bei mir beginnt Qualität mit dem Design, und das muss stimmen. Denn es gibt auch billiges, schlecht gemachtes Design.”

Das Material spiele ebenfalls eine wichtige Rolle, hochwertige Materialen würden die Qualität sichern. Möbel aus tollem Holz, Leder statt Kunststoff, Bronze, Horn, Rochenhaut – das mache ein Produkt aus. Apple sei mit Aluminium und Glas auf dem richtigen Weg. Natürlich müsse auch die Verarbeitung hochwertig sein, damit ein Produkt eine gute Qualität bietet. “Aus diesen drei Dingen setzt sich ein gutes Produkt zusammen. Das gilt nicht nur bei mir, sondern auch bei Apple”, zieht Thai Cong den nächsten Vergleich mit dem iPad-Hersteller. Der Erfolg von Apple liege unter anderem in der für alle Produkte geltenden Design-Philosophie begründet. “Hier ist der nächste Bezug zu meiner Arbeit. Es ist relativ einfach, einen einzigen Raum einzurichten, aber kontinuierlich immer neue Räume zu erschaffen, neue Ideen zu haben, Atmosphäre zu schaffen und Geschichten zu erzählen – also Design fortlaufend zu entwickeln –, das ist schwer. Das zeichnet meine Arbeit und die von Apple aus.”

“Ich verkaufe Geschmack”, erklärt Thai Cong und fährt fort: “Geschmack ist nicht schwarz oder weiß, sondern Geschmack ist Qualität. Man denkt immer, Geschmack ist barock, modern, Altbau, Penthouse – aber das ist nicht Geschmack, das ist Stil.” Er könne auch ein modernes Haus total geschmackvoll einrichten, ohne dass es dann unterkühlt und langweilig oder kitschig aussehe. “Vom Stil her bin ich für alle offen. Es kommt auf das Projekt an. Wenn ich ein Haus auf Sylt einrichte, wähle ich ganz andere Elemente, als wenn das Haus in Thailand steht – obwohl beide am Strand stehen.”

Treuer Anwender statt Fanboy

Trotz aller Liebesbekundungen und entdeckter Gemeinsamkeiten handelt es sich bei Thai Cong nicht um einen Fanboy ohne eigene Meinung. Er ist vielmehr ein Anwender, der sich von den Vorzügen von Apples Produkten überzeugen lässt, aber nicht zwangsläufig jedes neue Produkt kaufen muss. Das frisch eingetroffene neue iPad löst entsprechend auch ein Tablet der ersten Generation ab und ersetzt kein iPad 2. Zum Telefonieren nutzt er immer noch das iPhone 4 und wartet lieber auf das iPhone 5, statt sich ein 4s zuzulegen.

Beim neuen iPad freut sich Thai Cong vor allem auf die Kamera, die seinem alten iPad noch fehlte. Mit seinem iPhone lässt er seiner Leidenschaft für die Fotografie schon freien Lauf und teilt seine Bilder mit seinen Fans auf Facebook. Von daher verwundert es nicht, dass mit Hipstamatic (iPhone App-Link), Photogene (iPhone App-Link) und 8mm (iPad App-Link) drei Apps, mit denen er Fotos und Videos bearbeiten kann, bei ihm ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen.

Apple in der Praxis

Das Tablet verwendet Thai Cong sowohl privat als auch beruflich: “Ich benutze das iPad hauptsächlich für Präsentationen bei Kunden und zeige ihnen Bilder, Entwürfe und Projekte.” Das sei nicht nur schöner, sondern bei seiner Mobilität auch praktischer als mit einem Laptop.

Für die Präsentation von Bildern und Entwürfen nutzt er die Foto-App des iPads. ebenfalls eine große Rolle spielt Palette Move (iPad App-Link). Mit dieser App kann er seinen Kunden eine Rundumansicht des CAD-Entwurfs zeigen, während sie in dem entsprechenden Raum stehen. “So kann ich auch einem kühlen Rohbau leben einhauchen”, freut sich der Innendesigner.

Außerdem nutzt Thai Cong das iPad zur Erstellung von sogenannten Moodboards. “Mit SketchBook (iPad App-Link) baue ich aus verschiedenen Bildern von Produkten eine Collage. So kann der Kunde schon einmal die Stimmung sehen, die später in dem Raum herrschen würde.” Dabei bekomme dieser auf dem Stimmungsbild nicht nur Gegenstände wie Tische, Stühle, Bilder, Vasen oder Lampen, sondern auch Farbmuster und Materialkarten zu sehen. “Auch Fotos, die ich mit dem iPhone oder mit dem iPad an Ort und Stelle aufnehme, kann ich in die Moodboards integrieren”, freut sich der Fotograf im Inneneinrichter.

Privat nutzt Thai Cong das iPad wie jeder andere auch und freut sich, dass er zum abendlichen Surfen nicht mit einem Laptop im Bett sitzen muss. Per AirPlay-Mirroring darf zwischendurch auch mal ein Spiel auf dem Fernseher genossen werden. Im Showroom dient Apple TV dann wiederum dazu, Kunden auf einem großen Bildschirm die Entwürfe für ihr Haus oder ihre Wohnung zu zeigen.

Rat von Experten

Thai Cong gibt offen zu: “Für jeden Anspruch, den der Kunde stellt, hole ich einen Experten aus dem jeweiligen Bereich dazu. Das macht meine Arbeit aus.” Der Kunde sei auch bei ihm König und könne sich in seine Wohnung so viel Technik einbauen lassen, wie er will. Er macht jedoch eine einschränkung: “Die Technik muss zum Stil passen. In einem barocken Haus darf das iPad zum Beispiel nicht dominieren. Das wäre total fehlerhaft.”

Er habe schon Objekte eingerichtet, in denen der Kunde mit seinem iPad die Jalousien schließen, das Licht regeln oder den Fernseher bedienen konnte. “In einem alten Haus, wo sich keine neuen Kabel mehr verlegen ließen, haben wir die Musik komplett über Wifi laufen lassen. Der Kunde steuert die Anlage heute über sein iPad.”

Keine Angst vor der Kopie

Die Klagen, die Apple gegen andere Technik-Konzerne führt, hält Thai Cong für überflüssig: “Ich habe keine Angst vor Kopien. Wenn die Leute mich kopieren, bin ich schon einen Schritt weiter.” Bei Apple sei es eigentlich genauso. Er sieht eine Kopie seiner Arbeit sogar als eine Art Anerkennung und bekennt, sich auch von ihnen inspirieren zu lassen: “Vielleicht könnte Apple sogar davon profitieren, wenn Samsung sie kopiert. Bei Apple schaut man sich die Produkte von Samsung sicherlich genau an und überlegt: Was haben die bei ihrer Kopie besser gemacht? Was können wir davon lernen?”

“Als Kreative sollten wir uns gegenseitig inspirieren, denn im Grunde ist auch Apple auch nur eine Kopie”, sagt der Mann mit dem ausgewählten Geschmack und erinnert an den ersten iPod, zu dessen Design sich John Ive von einem Radio von Braun aus den sechziger Jahren inspirieren ließ.

Nach dem Ende des Gesprächs packt Thai Cong sein iPhone und sein iPad ein. Die nächste Baustelle verlangt nach seiner Anwesenheit, und da dürfen die treuen Begleiter von Apple nicht fehlen. Zuletzt erinnert er aber noch daran, dass Technik nur Mittel zum Zweck sei: “Der Mensch muss sich damit wohl fühlen, er muss Spaß haben, aber das Produkt darf ihn nicht dominieren.” Er kommt zu dem Schluss, dass “deswegen das iPad so gut ankommt.”

Dieser Artikel erschien auch in Ausgabe 03/2012 von m – Das Magazin. Zur Heftbestellung und zum Abo-Bereich.