Telekom-Ehe mit dem iPhone endet heute: Abschied einer Hassliebe

Telekom verliert Exkusivrecht für iPhoneDrei Jahre lang haben wir die Deutsche Telekom gehasst und geliebt, uns gefreut und geärgert. Es war eine Hassliebe, geboren aus der Abhängigkeit, dass es nur beim größten deutschen Telekommunikationsanbieter das iPhone zu kaufen gab.  Heute endet diese Beziehung. Nicht alles wird dadurch besser werden.

Am morgigen Mittwoch, 27. Oktober, endet eine Ära. Vor fast genau drei Jahren, am 9. November 2007, wurde das iPhone erstmals in Deutschland verkauft. Bekanntlich von der Deutschen Telekom.

Der ehemalige Monopolist fürs Telefonieren hatte ein kleines Monopol behalten dürfen. Dieses Exklusivrecht hat der Telekom Aufmerksamkeit und Verachtung gleichermaßen beschert. Die Preise seien zu hoch, der Service schlecht. Das Internet ist voll mit Negativerfahrungen.

iPhone 2G und iPhone 3GS - Quelle: Dan Taylor, CC

So geht es Monopolisten: Sie werden angefeindet. Ob zu Recht oder zu Unrecht zeigt sich oft erst, nachdem das Monopol gefallen ist. Wenn offensichtlich wird, welches Verhalten auf die Monopolmacht zurückzuführen ist und was auch der Wettbewerb nicht richten kann.

Jetzt werden die iPhone-Tarife sinken. Ins Bodenlose fallen aber werden sie nicht. Denn das iPhone ist ein teures Handy, ein sehr teures.

Die iPhone-Tarife waren freilich immer Mischkalkulationen. Mit den Zwei-Jahres-Verträgen bezahlte man auch das am Beginn erhaltene iPhone ab. Und die iPhone-Preise wurden nicht in Bonn, sondern in Cupertino festgelegt.

Auch dass es – vor allem beim iPhone 4 – zu Lieferengpässen kam, ist nicht der Telekom anzulasten. Es ist das Glück der Wettbewerber, dass sich just zum Fall des Exklusivrechts die Liefersituation entspannt hat.

Was sich nun ändern wird: Es wird unübersichtlicher und übersichtlicher zugleich.

Die Tariflandschaft für das iPhone wird deutlich größer. Weil mehrere Kommunikationsanbieter das iPhone mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Verträgen anbieten (siehe unsere Übersicht über die iPhone-Tarife).

Und weil sich darüber hinaus das iPhone auch ohne Vertrag kaufen lässt und es dann folglich mit jedem beliebigen Anbieter und Vertrag betrieben werden kann.

O2 zum Beispiel wird das iPhone erfreulicherweise ohne Netzsperre verkaufen. Es wird sich also mit der Sim-Karte jeden Anbieters verwenden lassen.

Was das iPhone bei O2 kostet

Und wie es aussieht, wird dies auch Apple tun. Heute Mittag war laut benm.at auf der Apple-Seite dies zu sehen:

Screenshot von Apple Store; Quelle: benm.at

Und dies zu lesen:

Dein iPhone kommt ohne SIM-Karte, wenn du es im Apple Online Store kaufst. So kannst du dich für einen Mobilfunkanbieter deiner Wahl entscheiden und diesen auch jederzeit wechseln.

Möglicherweise gibt es das iPhone mit einem Vertrag auch zu einem reduzierten Preis. Entweder im Apple Store oder bei deinem Mobilfunkanbieter.

Aktuell ist Bild und Text wieder verschwunden. Wir vermuten, dass es ab dem morgigen Mittwoch dauerhaft zu sehen sein wird.

(Update 27. Oktober 7:57 Uhr: Tatsächlich gibt es das iPhone 4 seit heute Nacht im Apple Store.)

Stimmt der Preis, dann wäre das iPhone im Apple Store übrigens 20 Euro günstiger als bei O2. Allerdings erlaubt O2, das iPhone über zwei Jahre abzustottern.

Durch den netlock-freien Kauf des iPhone aber kommt auch Übersicht zurück. Jetzt wird deutlich, wie viel die Hardware (iPhone) und was die Nutzung (Telefonieren, Datennutzung) kostet.

Gab es früher nur eine einzige Kaufentscheidung, werden es jetzt zwei: Der Kauf des iPhones kann losgelöst von der Wahl des Vertrages geschehen.

In Zukunft wird also klarer, was an Apple und was an den Telekommunikationsanbieter zu entrichten ist. Bei letzteren wird die Qual der Wahl liegen. Das ist Preis des Wettbewerbs. Wir freuen uns darauf.

Bildcredits: Dan Taylor, CC