Stylus statt Finger: Neue digitale Stifte für Ihr Tablet und Smartphone

“Niemand will einen Stylus”, so das eindeutige Urteil von Steve Jobs bei der Vorstellung des ersten iPhones. Tatsächlich ist die Smartphone-Bedienung per Fingerwisch heutzutage nicht mehr wegzudenken. Dennoch: Für Mitschriften und Zeichnungen auf Tablets und Smartphone ist ein Stylus nach wie vor unverzichtbar. Ein Überblick über die neuen Entwicklungen.

Mit dem Surface Pro 3 ist Microsoft der Angriff auf Apple gelungen. Statt dem Anwender die Wahl zwischen klobigen Laptop mit vollwertigem System und kompaktem iPad mit eingeschränkten Funktionen abzuverlangen, ist das Surface ein idealer Kompromiss. Anders als das iPad, das nur per Finger oder mit einem speziellen Stylus auf Eingaben reagiert, liefert Microsoft das Surface Pro 3 auf Wunsch mit einem digitalen Stift des Herstellers N-trig. Der mit “mehr als 100 Patenten” geschützte Stift erkennt 256 Druckpunkte und funktioniert ohne Verzögerung und Parallaxe-Verschiebung.

Das kennzeichnet den Unterschied zwischen intendierter und tatsächlicher Erkennung der Berührung, der zu einem ungenauen Ergebnis führt. Die Verwendung des Stiftes auf dem Surface Pro 3 soll sich anfühlen, als würde man mit einem echten Stift auf Papier zeichnen. Besonders für professionelle Kreative, die auf eine präzise Eingabe angewiesen sind, ist das ein Vorteil gegenüber der aktuellen Palette an iPad-Stiften. Klar ist, die Konkurrenz holt nach unserer letzten Übersicht auf.

iPad Air Plus von Haus aus mit Stylus?

Dass Apple im laufenden Jahr ein iPad Air Plus mit einer vermuteten Bildschirmdiagonale von 12 Zoll statt der bisher üblichen 9,7 Zoll auf den Markt bringen wird, scheint unter Analysten bereits ausgemacht. Angebliche Fotos aus Apples Zuliefererwerkstätten zeugen ebenfalls von den Plänen des Mac-Herstellers, seinen Kunden eine noch breitere iPad-Auswahl anbieten zu wollen und vor allem im professionellen Bereich zu punkten. Da zu diesen Kunden vor allem Grafiker zählen, soll Apple zudem einen optionalen Stift planen, mit dem eine deutlich präzisere Eingabe möglich ist als mit bisherigen Eingabestiften. Anders als bestehende Lösungen wäre Apple in der Lage iPad und Stift so aufeinander abzustimmen, dass das iPad Air Plus analog zu Microsofts Tablet ebenfalls eine fast handschriftartige Eingabe erlaubt.

Wie so ein Stift aussehen könnte, zeigt Apple in einer Vielzahl von Patenten. Bei einem Patent von 2010 etwa soll die Eingabe statt durch Berührung mittels einer im Stift integrierten Kamera erfolgen. Ein anderes Patent versetzt den Stift in die Lage, den Nutzer über eingehende Mitteilungen oder andere Dialoge durch Vibration zu informieren. Mithilfe eines integrierten Gyroskops, wie es auch zur Positionsbestimmung im iPhone zum Einsatz kommt, ließe sich mit dem Stift auch auf anderen Oberflächen schreiben, während die Daten zum iPad übertragen werden. Die Komplexität eines solchen Stiftes wäre allerdings derart hoch, dass laut dem Analysten Ming-Chi Kuo Apple den Stift als optionales Zubehör anbieten würde, um den Preis des iPad Air Plus gering zu halten. Bisher ist der iPen aber noch ein Gerücht. Deutlich realer ist hingegen die Technik der chinesischen Konkurrenz.

Lenovo AnyPen verwandelt Schraubenzieher in Stylus

2013 noch in der Rolle des exzentrischen Apple-Mitbegründers in dem Biopic “Jobs“, ist Ashton Kutcher seit Ende des gleichen Jahres Produktentwickler bei Apples Konkurrent Lenovo. Ob Kutcher tatsächlich für das Design des Yoga Tablet verantwortlich ist, sei dahingestellt. Fakt ist, dass der Hersteller bei dem Android-Tablet mit Funktionen wie einem eingebauten Projektor oder einem dicken seitlichen Akku, der gleichzeitig als bequeme Haltemöglichkeit dient, Kreativität bewiesen hat. Spannend: Das aktuelle Modell, das Lenovo auf der CES in Las Vegas präsentierte, verfügt über die sogenannte AnyPen-Technologie. Diese ermöglicht die Bedienung des Tablets mit sämtlichen Gegenständen, die entweder aus Metall oder aber Graphit bestehen, also auch mit Gabeln oder Schraubenziehern. Die Anschaffung eines speziellen per Bluetooth verbundenen Smartpens ist damit überflüssig.

iSketchnote bringt Papier und Display zusammen

Statt sich an einem für Tablets angepassten Stift zu versuchen, rollt iSketchnote das Stift-Problem von hinten auf. Nicht etwa der Stift ist intelligent und erkennt Eingaben, sondern ein Tablet das unter das Papier gelegt wird. Anschließend kann mit einem normalen Stift und gewöhnlichem Papier geschrieben, gemalt und gezeichnet werden. Das Slate genannte Gerät überträgt die Daten in Echtzeit per Bluetooth an ein iPad, auf dem die Bearbeitung der Daten wiederum mithilfe der iSketchnote-App möglich ist. Toller Nebeneffekt: Werden Werke geteilt, lassen sich Änderungen in Form eines Videos nachvollziehen. Das Slate soll Ende dieses Jahres mitsamt einer Hülle, die iPad und Slate kombiniert, in den Handel kommen.

Zimmermannsbleistift mit Bluetooth-Anbindung

Zimmermannsstifte sind breit und klobig und laden nicht gerade als Vorbild für einen feinen Stylus ein. Dennoch hat genau diese Optik die Macher hinter der Zeichen-App Paper inspiriert. Der Grund für die Bauform des Pencils von FiftyThree ist weniger in der Zielgruppe als in der Notwendigkeit zu suchen, ordentlich Technik zu verbauen. Unter gebürstetem Aluminium, befinden sich Sensor, Akku und Bluetooth-Sender. Die zugehörige Zeichen-App unterscheidet dabei zwischen Stift- und Finger-Eingabe und ermöglicht so auch Effekte wie das Verschmieren von Farben. Dreht man den Stift um 180 Grad, lassen sich wie mit einem echten Radiergummi Fehler ausbessern. Voraussetzung ist ein iPad 3 oder neuer oder ein iPad mini.

Tradition trifft Digitalwelt

Bei der Bandbreite an Smartphone- und Tablet-Stiften ist es schon fast eigenartig, dass erst jetzt ein Schreibwaren-Traditionshersteller gemeinsam mit einem Technologieriesen kooperiert. Wie erfolgreich eine solche Partnerschaft verlaufen kann, zeigen die luxuriösen Montblanc-Modelle Pix Pen und e-Starwalker Pen. Neben klassischen Schreibminen enthalten beide Stifte Samsungs S Pen-Technologie. Diese ermöglicht Funktionen wie die komfortable Textauswahl, Scrollen im Browser, das Ausführen von Schnellbefehlen und natürlich schnellen Zugriff auf das Notizprogramm S Note. Der e-StarWalker ist ab 410 Euro erhältlich, der Montblanc Pix ist mit 275 Euro etwas günstiger.

Zuerst erschienen auf techtag.de