Studie: Cloud-Computing ist besser als sein Ruf

Eine KPMG-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Cloud-Anbieter die positiven Erfahrungswerte der Nutzer stärker in den Vordergrund stellen sollten. So können Zweifel beseitigt und neue Kunden in diesem jungen Markt gewonnen werden.

Alle reden über Cloud-Computing. Marktforscher sprechen von einem riesigen Markt. Forrester schätzt, dass die Umsätze bis 2020 weltweit auf 241 Milliarden US-Dollar anschwellen werden. Zweifelsohne birgt die Cloud viel Potenzial, aber auch viel Zündstoff und Hürden, wenn es etwa um die Themen Sicherheit und den Datenschutz geht.

Einen aktuellen Statusbericht hat nun die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Zusammenarbeit mit dem ITK-Branchenverband Bitkom vorgelegt. Der “Cloud Monitor 2012” ist das Ergebnis einer Befragung von 411 Entscheidern und IT-Verantwortlichen in deutschen Unternehmen. Die Studie wird über einen Zeitraum von vier Jahren jährlich durchgeführt und liefert wichtige Erkenntnisse für Cloud-Provider aus aller Welt.

Cloud-Computing ist in der Realität angekommen

Um das zentrale Ergebnis vorwegzunehmen: Cloud-Computing ist tatsächlich in der Realität angekommen. Allerdings gibt es eine klare Dreiteilung aus Interessierten, Unentschlossenen und Skeptikern. Die Unternehmen jedoch, die bereits Cloud-Computing einsetzen, haben überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Sie schätzen die schnellere Skalierbarkeit der IT-Leistungen, höhere Innovationsfähigkeit sowie eine bessere Performance und Verfügbarkeit der IT-Leistungen. Zu den größten Risiken zählen Sie den Verlust von IT-Know-how, Datenverlust und die unklare Rechtslage.

Im Detail liefert die Studie folgende Erkenntnisse:

  • 28 Prozent der befragten Unternehmen stehen dem Thema Cloud-Computing aufgeschlossen und interessiert gegenüber. Bei den Großunternehmen sind es sogar knapp 60 Prozent.
  • 28 Prozent nutzen bereits irgendeine Form von Cloud-Computing.
  • 27 Prozent nutzen Private Cloud-Computing, weitere 21 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz von Private Clouds.
  • 6 Prozent der Unternehmen nutzen Public Cloud-Computing, weitere 7 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz von Public Clouds.
  • Über 60 Prozent aller Cloud-Nutzer und Cloud-Planer werden in den nächsten zwei Jahren ihre Ausgaben für Cloud-Dienste erhöhen.
  • 81 Prozent aller Public Cloud-Nutzer und 58 Prozent aller Private Cloud-Nutzer beurteilen ihre bisherigen Erfahrungen als positiv.

Private vs. Public Cloud

Grundsätzlich dominiert die Nutzung der Private Cloud. Klarer Treiber ist die ITK-Branche. Nachzügler beim Thema Cloud-Computing sind derzeit die Chemie-, Pharma- und Automobilbranchen. Hier ist aber in Zukunft eine stärkere Nutzung zu erwarten. Im Mittelpunkt von Private Cloud-Computing stehen Software- und Infrastrukturdienste (SaaS und IaaS). Der Bezug von Geschäftsprozessen aus der Private Cloud (BPaaS) ist am wenigsten verbreitet.

Deutsche Unternehmen stehen dem Thema Public Cloud-Computing bis dato skeptisch und zurückhaltend gegenüber. Wer sich allerdings für die Public Cloud entscheidet, erreicht grundsätzlich seine Ziele. Eine große Mehrheit der Anwenderunternehmen konnte durch Public Clouds tatsächlich die Verfügbarkeit und Performance der IT-Leistungen sowie die eigene Innovationsfähigkeit verbessern. Zudem konstatieren fast 80 Prozent der Public Cloud-Nutzer eine schnellere Skalierbarkeit ihrer IT-Leistungen.

Allerdings führt Public Cloud-Computing nicht zwangsläufig zu geringeren IT-Kosten. Tatsächlich sind die IT-Ausgaben nur bei 27 Prozent der Public Cloud-Nutzer zurückgegangen, bei 41 Prozent sind sie dagegen gestiegen. Überraschend sind die Erfahrungswerte hinsichtlich der Datensicherheit. Nur bei 18 Prozent der Nutzer von Public Clouds hat die Datensicherheit abgenommen. Bei 56 Prozent blieb sie unverändert, bei 26 Prozent der Anwender nahm sie sogar zu. Die Sicherheitsbedenken hinsichtlich Public Cloud-Computing sind demnach oftmals übertrieben.

Wettbewerbsvorteile sichern

Die durchweg positiven Erfahrungswerte sprechen für eine steigende Nachfrage nach Public Cloud-Computing. Wer als Anbieter – und das dürfte vor allem US-Provider interessieren – die folgenden Anforderungen erfüllt, hat klare Wettbewerbsvorteile:

  • 90 Prozent erwarten eine ausgeprägte Dienstleistungsmentalität des Providers.
  • 90 Prozent fordern eine Integrationsfähigkeit der Cloud-Produkte (zum Beispiel mit Inhouse-Lösungen)
  • 80 Prozent sind an individuellen Service Level Agreements (SLAs) und einer individuellen Anpassbarkeit der Cloud-Lösungen interessiert.
  • 63 Prozent wünschen sich den Hauptsitz des Cloud-Anbieters in Europa und im Idealfall ein Rechenzentrum des Providers in Deutschland.

Gerade die beiden letzten Punkte zeigen, dass die Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes sowie Unsicherheiten über die rechtlichen Grundlagen ernst genommen werden müssen. Diese  Aspekte gelten noch immer als große Hürden, die einer breiten Einführung von Cloud-Computing im Wege stehen.