Steve Jobs' Vermächtnis: Was das iPad mini für Apple und die Branche bedeutet

iPad Mini, iPad und iPhone

Steve Jobs ist tot, seine Erfindungen sind lebendiger als jemals zuvor. So dürfte der Apple-Gründer auch noch viel am spekulierten iPad mini mitgewirkt haben. Das Tablet ist längst zum Lackmustest für die Konkurrenzfähigkeit von Apple geraten. Kann Cupertino sich gegen die vermeintlichen iPad-Killer behaupten? Und wer muss sich hüten, wenn das Mini-Tablet auf den Markt kommt? Ein Überblick.

Die vielen Leaks vor der iPhone-Keynote im September haben eines bewiesen: Vermeintliche Bauteil-Bilder aus Fernost sind längst mehr als gehaltloser Gossip. Sie zeichnen ein klares Bild davon, wie künftige Apple-Produkte aussehen. So waren vorab viele Spezifikationen des iPhone 5 bekannt. Zu groß ist die Zahl der Angestellten in den Zuliefererbetrieben von Apple, als dass man als US-Unternehmen sinnvoll dagegen vorgehen könnte.

Den Einsatz erhöhen

So erreichen uns tagtäglich neue Informationen zum iPad mini, einem spekulierten Siebenzöller aus dem Hause Apple, der schon am 10. Oktober vorgestellt werden könnte. Hatten schon vor vielen Monaten zwar die New York Times, das Wall Street Journal und Apples inoffizielle Pressestelle John Gruber über die Existenz eines solchen Gerätes berichtet, hielten viele ein Mini-iPad für das Wunschdenken einer Apple-Blogger-Szene, die so gerne ein Konkurrenzprodukt für den erfolgreichen Kindle Fire von Amazon und seit einiger Zeit auch das Nexus 7 von Google sehen würde.

Offenbar wurde aus dem Spaß für Apple Ernst. Denn die Tablets von Amazon und Google sind absolute Bestseller. Das weiß auch das Management in Cupertino. Umso verständlicher ist es, dass uns seit einigen Wochen immer wieder News von aufgetauchten Bauteilen und weitere Interna aus der Produktionskette erreichen. Es wäre schließlich eine profunde Antwort auf die Konkurrenz. Ein “Hey, wir verdienen gerade zwar big money, aber ruhen uns nicht auf aktuellen Erfolgen aus. Wir gehen mit und erhöhen den Einsatz!”.

Kannibalisierung von Produktsparten denkbar

Es wäre ein Einsatz, der Amazon enorm unter Druck setzen würde. Dessen CEO Jeff Bezos gab bei der Vorstellung des Kindle Fire HD offen zu: “Wir wollen kein Geld mit dem Verkauf unserer Geräte machen, sondern mit deren Benutzung.” Bislang haben Amazon und Google neben den überzeugten Android-Nutzern von denen profitiert, denen ein iPad zu groß oder zu teuer war, aber ein Apple-Produkt durchaus erwünscht wäre. Bringt Apple diese Alternative, müssten Amazon und Google mit Umsatzeinbußen rechnen. So viel steht fest.

Darüber hinaus müsste Apple wohl auch hauseigene Kannibalisierungsprozesse in Kauf nehmen. Gerade der iPod touch dürfte es schwer haben, wenn Kunden lieber zu einem kleineren, günstigen Tablet als zu einem reinen MP3-Player greifen. Smartphone und Tablet ergänzen sich, Smartphone und MP3-Player eher weniger. Und selbst Jugendliche dürften sich künftig lieber ein iPad mini wünschen als einen iPod touch, die telefonlose Variante eines iPhone 5.

Insofern das iPad mini tatsächlich noch im Oktober das Licht der Techwelt erblickt, dürfte es mindestens so viel Wirbel erzeugen wie einst das erste iPad. Nicht, dass andere Unternehmen keine vernünftigen Tablets bauen könnten. Nein, es wäre eine klare Kampfansage an eben diese Konkurrenz, und ein Zugeständnis an die Wünsche vieler Nutzer nach einem kleineren, leichteren, mobileren Gerät. Letzten Endes wäre es die endgültige Emanzipation Apples von Steve Jobs, der vor Jahren solchen Gerüchten eine eindeutige Absage erteilte und sich laut Medienberichten erst nach einiger Zeit bereiterklärte, über Alternativen zum großen iPad nachzudenken.