Steigt Apple bald in den TV-Markt ein?

Apple TV FilmeDer iPod feiert bald seinen zehnten Geburtstag. Zeit für Apple, einen neuen Gamechanger auf dem Markt zu etablieren. Analysten gehen davon aus, dass Apple spätestens 2012 den TV-Markt mit einem eigenen Fernsehmodell umkrempeln wird. Warum das ein Wunschtraum bleiben wird, aber ein Angriff auf Online-Filmverleiher wie Netflix und Co. gar nicht so unrealistisch ist.

Gestern hat Apple eine neue Version von iOS für das Apple TV 2 bereitgestellt. Die neue Version 4.3 einige interessante Features: unter anderem die Möglichkeit, gekaufte TV-Episoden aus dem iTunes direkt auf das Gerät zu streamen. Dazu hat Apple im Interface von Apple TV einen neuen Reiter hinzugefügt, mit dem sich nun zuvor im US-Store gekaufte Episoden auswählen und ansehen lassen, auch wenn diese nicht mehr auf dem Mac gespeichert sind. Ferner können Sie Episoden nun auch direkt auf dem Gerät kaufen.

Neben den neuen Funktionen hat man auch einige Bugs behoben. Und entgegen der ersten Generation, die sich schnell als Ladenhüter entpuppte, soll Apple derzeit pro Quartal rund eine halbe Million Set-Top-Boxen verkaufen. Dieser Erfolg scheint einmal mehr die Fantasien der Analysten zu beflügeln. So glaubt der Global Equities Research Analyst Trip Chowdhry, dass Apple bis März 2012 einen eigenen Fernseher veröffentlichen wird – in drei unterschiedlichen Größen. Ultraflach soll es sein und über 16 Lautsprecher verfügen. Und wie der iMac mit nur einem Kabel auskommen.

Ein Gerät im Bose-Stil

Der Apple-LCD soll sich angeblich stark am Design der Bose-Produkt orientieren. Das Audiosignal soll angeblich ein DSP-Chip verarbeiten, den PA Semi entwickelt hat – ein Chip-Hersteller, den Apple zur Entwicklung der Apple-A4- und -A5-Prozessoren übernommen hatte. Seine eigenen Vorhersagen hält Chowdhry für zu “75 Prozent” wahrscheinlich.

Bose Videowave

Bose Videowave: Der ominöse Apple-Fernseher soll so ähnlich aussehen

Auch andere Analysten glauben seit Jahren hartnäckig daran, dass Apple verstärkt in den TV-Markt einsteigen will. Was dafür spricht, ist die Tatsache, dass Apple den TV-Markt lange Zeit eher stiefmütterlich behandelt hatte. Letztlich verpasste man Steve Jobs “Hobby” ein notwendiges General-Update. Was ebenfalls dafür spricht ist eine Studie, aus der AppleInsider zitiert, laut der Apples Börsenwert bei einem Eintritt in den HDTV-Markt um 100 Milliarden US-Dollar steigen könnte. Schon jetzt ist Apple die wertvollste Marke der Welt.

Der Markt ist dicht

Aber Apple als Fernsehgerätehersteller? Irgendwie will das nicht recht ins Bild passen. Schließlich erwartet man von Apple, bei jeder Keynote gleich den nächsten Gamechanger zu präsentieren. Wie würde der für den TV-Markt aussehen? Ein LCD mit integriertem Apple TV? Gerade im Bereich der High-End-LCD-TVs dürfte es Apple über die Maßen schwerfallen, Marktanteile zu gewinnen. Konkurrenten wie Sony und Panasonic verfügen in diesem Bereich über mehr Know-How als Apple.

So würde man bei Bau des Gerätes vermutlich auf Komponenten der Konkurrenten zurückgreifen. Und nur ein Kabel? Zumindest aus deutscher Sicht noch auf lange Sicht unmöglich. So brauchen TV-Geräte derzeit neben einem Netzwerkanschluss (wie bei Apple TV) weiterhin ein Kabel für den Empfang von TV-Signalen via Satellit oder Kabel. Set-Top-Boxen werden zwar zunehmend salonfähig. Bislang gibt es aber nur wenige Player im Markt, darunter die Telekom mit T-Home und Alice mit Alice TV, die neben Video-on-Demand auch Live-Fernsehen aufs Gerät bringen.

Apple braucht kein neues Gerät, sondern reizvolle Kooperationen

Schon Ende Juni zitierte DailyTech einen ehemaligen Apple-Manager, der anonym bleiben wollte: “Apple will Netflix und die andern Online-Filmverleiher wegblasen”, ließ dieser verlauten. “Sie werden in einen Apple Store gehen und ihn mit einem Fernseher verlassen.” Kurzum: Was Apple durch iTunes mit dem Musikmarkt geschafft hat, soll nun auch im TV-Markt passieren.
Apple TV
Aber wofür braucht Apple dann ein Fernsehgerät? Das Apple TV erfüllt diesen Job schon jetzt zu Teilen. Mit einigen Updates dürfte sich der kleine schwarze Kasten für 119 Euro zum dauerhaften Kassenschlager entwickeln. Denn nicht die allein der Erfolg des iPods hat Apple zum Musikverkäufer Nummer eins werden lassen. Es war das durchdachte Geschäftsmodell und die enorme Auswahl. Schafft Apple Ähnliches in Kooperationen mit Filmverleihen und Fernsehsendern, könnten Online-Filmverleihe wie Netflix tatsächlich enorme Probleme bekommen.