Smartphone: Wenn die Wahl zur Qual wird

Erinnern wir uns doch mal 30 Jahre zurück. Wie funktionierte die Kommunikation damals? Es gab die Post und das Festnetz. Sehr wichtige Leute besaßen einen großen Koffer, in dem ein riesiges Funktelefon untergebracht war. Andere hatten vielleicht schon eines der seltenen Autotelefone. Das waren allerdings nicht viele. Die Entwicklung vollzog sich seit dem rasant und das Alter des Handys, heutzutage Smartphone, kann an der Größe des Geräts abgelesen werden. Aus einem Koffer wurde ein Telefonhörer ohne Kabel um dann im Laufe der Jahre eine animierte Glasscheibe in Hosentaschengröße zu werden.

Das Handy wurde nicht nur immer kleiner, sondern auch immer intelligenter. Plötzlich konnte es nicht nur Telefonieren, sondern auch Nachrichten verschicken. Spiele spielen, Fotos schießen, Musik hören – kein Problem für das zusätzliche Kommunikationsgehirn in Taschenformat. Das Handy wurde zum Alleinunterhalter, zum besten Freund des Menschen und zu seinem täglichen Begleiter. Der große Koffer gehörte der Geschichte an, auch die Wichtigkeit der Person spielt keine Hauptrolle mehr.

Mehr Speicher, mehr Zubehör, mehr Blabla

Die Marktlücke wurde schnell erkannt und so boomt die Mobilfunkbranche seit den 90er Jahren. Aus ein paar Anbietern wurden Unzählige. Es gibt Second-Handyläden, Handyreparaturläden, Handytauschbörsen, Handyzeitschriften, Handyratgeberblogs – jeden Monat kommen neue Handys auf den Markt und bietet eine neue Handyeigenschaft. Die Auswahl in Elektromärkten wie Saturn und Mediamarkt beträgt fast eine ganze Etage. Es gibt Weiße, Schwarze, Graue oder Rote Mobilfunkgeräte. Das eine hat mehr Speicherplatz, das andere eine bessere Kamera, vom Handyzubehör mal ganz zu Schweigen. Seit der technischen Errungenschaft des Smartphone verliert man gänzlich den Überblick. Für eine flüssige Bedienung müssen einige bereits einen Volkshochschulkurs machen. Ach ja, diese habe ich bisher noch nicht erwähnt.

Android, iOS, Bada, Symbian oder doch ein Windows Phone 7

Selbst Fachkundige sind vollkommen überfragt, wenn ein schwer beschäftigter Mediamarkt-Mitarbeiter fragt: “Welches Betriebssystem wollen sie denn? Android, iOS, Bada, Symbian oder doch ein Windows Phone 7?” Die Zeiten des “nur Telefonierens” mit dem Handy sind vorbei. Leider. Nun kann man ständig ins Internet, erreichbar ist man sowieso immer und verabreden muss man sich auch nicht mehr, man kann sich ja spontan anrufen und auf Videocall stellen oder über soziale Netzwerke in Echtzeit kommunizieren.

Das Handy mutierte zu einem Minicomputer und hat auch uns Menschen in seiner Intelligenz längst überholt. Was wir vor zehn Jahren noch für einen praktischen Wegbegleiter hielten ist mittlerweile unser dominanter Wegführer geworden. Auch die Unsummen an Geld, die wir in diese Geräte stecken, sind unbeschreiblich. Zudem wird die Handyherstellung immer schlechter und umstrittener. Dem Massenmarkt sei dank. Dem Motto “Geiz ist geil” folgt auch die Handyproduktion, damit wir eine kapitalistische Vielfalt an billigen Handys haben. Der Nachteil dieser Vielfalt. Wir sind mit der Auswahl komplett überfordert und in Afrika und anderen Entwicklungsländern wird auf Menschenrechte sowie auf Umwelt “geschissen”

Nun stellt sich mir die Frage, was jetzt noch kommen soll? Was ist die nächste Innovation im Segment Smartphone/Handy? Wie werden Handys in den nächsten zehn Jahren funktionieren? Und was passiert mit der Gesellschaft? Ohne Technik kann sie nicht existieren, mit ihr aber auch nicht. Ich versuche mich persönlich auf das Wesentliche zu konzentrieren, nicht immer erreichbar zu sein. Nicht immer die neuste Technik in der Hosentasche vibrieren zu lassen. Und? Es funktioniert. Die Welt ist auch offline modern und attraktiv. Doch ohne elektronischer Kommunikation will ich dennoch nicht leben.