Server-Technologie für Jedermann: Apples neues Fusion-Drive einfach erklärt

Apple hatte am Dienstagabend deutscher Zeit ein paar Momente, in denen es noch überraschen konnte. Bei all dem Trubel um das iPad mini war vorab kein Wort über das neue “Fusion Drive” zu hören. Aber was ist das eigentlich? Ein Trick, der aus zwei Festplatten eine macht? Oder eine Kopie bekannter Seagate-Technologien? Keineswegs, die Technologie ist smarter als man denkt.

Phil Schiller erklärte am Dienstag die Zutaten für ein sogenanntes Fusion Drive. Man nehme 128 Gigabyte Flashspeicher und füge zwischen einem und drei Terabyte an Festplattenspeicher hinzu. Unter Zugabe von ein wenig Feenstaub erscheint unter Mountain Lion dann ein einziges Laufwerk.

Natürlich benutzt Apple (noch) keinen Feenstaub bei der Fertigung seiner Produkte. Vielmehr handelt es sich beim Fusion Drive um eine smarte Kombination aus Hard- und Software – und keine Kopie bekannter Technologien. Dabei nutzt das System die Vorteile beider Speichervarianten – die Schnelligkeit eines Flashspeichers kombiniert mit der Speichergröße einer Festplatte.

Zwar bietet etwa Seagate seit einiger Zeit sogenannte Hybrid Drives an. Allerdings funktioniert das neue Fusion Drive weniger wie eine Privatlösung, sondern vielmehr wie eine Speicherlösung für große Firmen mit vielen Mitarbeitern.

Ars Technica erklärt das so: “Die meisten großen Speicherlösungen haben unterschiedliche Arten von Speicher – sich langsam drehende Festplatten, schnellere Festplatten und superschnellen Flashspeicher. Und einige haben die Möglichkeit zu erkennen, welche Daten besonders häufig genutzt werden, um diese dann automatisch in andere Speicherbereiche umzuziehen. Das passiert auf einem Block-Level, also noch unterhalb der Dateiebene. Das funktioniert auch mit sehr großen Mengen an Daten.”

Was hat Apple also gemacht? Ganz einfach: Man hat Servertechnologie für Privatanwender zugänglich gemacht. Das System erkennt automatisch, welche Dateien bzw. Programme besonders häufig genutzt werden und verschiebt sie in den Flashspeicher, weniger häufig genutzte Daten werden auf der Festplatte gelagert.

Jetzt stellt sich nur die Frage: Verbaut Apple die Technologie auch in den Macbooks? Hier hat sich der Konzern aus Cupertino eigentlich schon von der Festplatte verabschiedet. Zu groß ist der Stromverbrauch, zu viel Platz verbraucht solch ein Bauteil. Eventuell bietet Apple ein Premium-Modell mit Retina-Display an. Fotografen, VJs und Grafiker würden einen schnellen, großen Speicher durchaus zu schätzen wissen.