Schwache Konjunktur bremst Innovationskraft des Mittelstands

Deutschlands Mittelständler haben ein Innovationsproblem. Das ist das Ergebnis einer KfW-Studie. Demnach liegt die Zahl der Unternehmen, die in fortschrittliche Produkte und Prozesse investieren, sogar unter dem Wert der von der Finanzkrise beeinflussten Jahre 2007 bis 2009.

Investitionen in Marktneuheiten und Risikofreudigkeit zahlen sich aus: Innovative Unternehmen steigern ihren Umsatz und die Beschäftigungszahlen um rund zwei Fünftel schneller als andere Unternehmen. Und nicht nur das: Auch die Umsatzrendite steigt innerhalb von zwei Jahren um sieben Prozent. Trotz dieser vielversprechenden Aussichten ist der Anteil innovativer Unternehmen in Deutschland seit 2004 um ein Drittel auf nunmehr lediglich 28 Prozent geschrumpft. Das zeigen die aktuellsten Repräsentativdaten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). In ihrem kürzlich veröffentlichten Innovationsbericht Mittelstand nahm die Förderbank die Jahre 2011 bis 2013 unter die Lupe.

Quelle: KfW

Quelle: KfW

Entsprechend der Analyse gibt es derzeit nur noch rund 1,01 Millionen innovativ tätige KMUs in Deutschland. 51.000 Betriebe haben sich gegenüber der letzten Untersuchungsperiode (2010–2012) aus der Innovationstätigkeit verabschiedet oder Forschungs- und Entwicklungsarbeit gedrosselt. Besonders zurückgegangen seien Produktinnovationen, Prozessinnovationen wären dagegen nur leicht rückläufig. Vor allem ansonsten hochinnovative mittelständische Betriebe aus dem verarbeitenden Gewerbe, etwa Forschung und Entwicklung betreibende Unternehmen in den Branchen Maschinenbau, Elektrotechnik oder Pharmaindustrie, und international tätige Mittelständler haben sich laut der Studie zurückgezogen. Als besorgniserregend stuft die KfW die Entwicklung bei kleinen Firmen sowie in Branchen ein, in denen wenig geforscht wird. Seit Mitte der 2000er Jahre sei etwa die Innovationsleistung in kleinen Unternehmen unter fünf Beschäftigte um 39 Prozent zurückgegangen, in Betrieben des Baugewerbes und Dienstleistungssektors zwischen 38 Prozent und 43 Prozent.

Wesentliche Ursache ist der anhaltende konjunkturelle Stillstand in Europa. Der Wettbewerbsdruck wird durch zunehmenden Preisdruck dominiert, der wiederum Innovationsaktivitäten verhindert. Technologiewettbewerb führt zwar zu mehr Innovationen, gilt jedoch im Vergleich nur in wenigen Branchen. Die ohnehin geringen Investitionsmittel für innovative Produkte und Prozesse in kleinen Unternehmen, stehen in konjunkturell schwachen Phasen nicht zur Verfügung. “Je stärker der Preiswettbewerb, desto enger werden die Spielräume”, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW. Hinzu kämen außerdem Finanzierungsschwierigkeiten.

 

Quelle: KfW

Deshalb fordert Zeuner, die Wirtschaftspolitik müsse weiter am Ball bleiben und spezifische Innovationshemmnisse mittelständischer Unternehmen stärker angehen. Dazu zählen die Sicherstellung der Versorgung mit qualifiziertem Personal, Finanzierungsprobleme und bürokratische Hemmnisse. Die Bewilligung von Fördergeldern etwa dauert meist noch zu lange, um wirksam zu sein, wie techtag kürzlich berichtete. So gehen Mittelständlern Chancen verloren, ihren Unternehmenserfolg durch Innovationen zu steigern.

Auf das Finanzierungsproblem hat die Politik Anfang des Jahres reagiert. Wie Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), im Februar verkündete, stockt das BMWi “die Mittel für das Zentrale Innovationsprogramm im Jahr 2015 um circa 30 Millionen Euro auf jetzt 543 Millionen Euro“ auf.

Zuerst erschienen auf techtag.de