Schuhbeck-App: Fade Küche der Gewürze

Für die Herausgeber von Kochbüchern ist das iPad ein gefundenes Fressen. Endlich können sie neben Text und Foto auch das passende Making-of des Gerichts als Video dazugeben. Wenn dann auch noch Sternekoch Alfons Schuhbeck hinter den Töpfen steht, kann bei der App-Zubereitung eigentlich nichts mehr schiefgehen. Und doch, “Meine Küche der Gewürze” (1,59 Euro, iTunes-Link) kann sich auf dem iPad nur begrenzt entfalten.

Die iPad-App “Alfons Schuhbeck – Meine Küche der Gewürze” ist eine Weiterentwicklung der bereits existierenden gleichnamigen iPhone-App (2,99 Euro, iTunes-Link). Die Entwickler vom Verlag Zabert Sandmann haben das Angebot um 40 Rezepte – insgesamt 90 in neun Kategorien – und acht Videos für die Zubereitung erweitert. Grundlage beider Apps ist das 2009 erschienene Buch (24,80 Euro, Amazon-Link) des Sternekochs.

Neben den Rezepten und Videos erhalten die Gewürze ein eigenes Kapitel, denn Schuhbeck gilt in der Branche als unangefochtener Experte auf diesem Gebiet. Die Gewürz-Kategorie ist in drei Unterbereiche unterteilt: “Meine Kräuter- und Gewürzregeln”, “Gewürze und Kräuter von A-Z” und “Kleine Schule der Gewürze”. Von jeder Gewürz-Unterseite führt ein Link in Schuhbecks Webshop, wo die einzelnen Gewürze oder Mischungen bestellt werden können. Coverflow-Elemente (Von Anis bis Zitronenmelisse) und Schritt-für-Schritt-Anleitungen – zum Teil mit Video – sollen den Lexikon-Charakter dieser Kapitel aufwerten.

Nachteil: Die Anleitungen sind zwar dank großer Schrift und eindeutiger Bildmotive auch über die Armlänge hinaus lesbar, lassen dadurch aber den Überblick vermissen, den eine Doppelseite im Kochbuch leisten kann.

Wie die Gewürze sind auch die Rezepte sehr aufwändig und appetitlich durchfotografiert. 90 Rezepte stehe in neun Kategorien zur Auswahl:

  • Vorspeisen und Kleine Gerichte
  • Suppen und Eintöpfe
  • Pasta und Reis
  • Gemüse und Beilagen
  • Fisch und Meeresfrüchte
  • Fleisch
  • Geflügel und Wild
  • Desserts
  • Gebäck und Konfekt

Jedes einzelne Rezepte enthält eine Zutatenliste und eine Zubereitungsbeschreibung:

Sofern aus einer seiner TV-Sendungen vorhanden, stellt Schuhbeck das Rezept oder einen wichtigen Zubereitungsschritt – zum Beispiel “Zander filetieren” – als Video vor:

Eine nette Idee: Mehrere Rezepte können über einen “Einladen”-Button gesammelt und als Einladung zu einem Menü an Freunde als E-Mail verschickt werden:

Ebenso ist es möglich, sich die Zutaten eines Rezepts als Einkaufsliste darstellen zu lassen. Diese Option mag für das iPhone sinnvoll sein, das iPad ist dagegen eher weniger supermarkttauglich.

Die Videorubrik zeigt noch einmal alle in den Rezepten oder Anleitungen verlinkten Videos auf einem Blick, zum Beispiel, “Gewürzsäckchen binden”, “Hähnchenkeulen zubereiten” oder “Honig-Senf-Dill-Soße”:

Fazit: Die App übernimmt mit 90 Rezepten mehr als die Hälfte aus Schuhbecks Buch “Meine Küche der Gewürze”. 1,59 Euro (Einführungspreis im App Store) sind im Vergleich zum Buchpreis von 24,80 Euro (Amazon-Link) ein gutes Angebot. Der Versuch aber, den Informationsgehalt eines Kochbuchs mit dem Unterhaltungswert einer TV-Kochshow zu verschmelzen, gelingt der Schuhbeck-App nur bedingt. Das ist aber ein generelles Problem, mit dem alle Kochbuch-Apps zu kämpfen haben. In der Küchenpraxis ist der Einsatz des iPads immer noch schwierig: Fettige oder mehlige Hände müssen mit einem Medium zurechtkommen, dass weniger griffig, aber anfälliger ist als ein Kochbuch.

Es gibt aber noch einen ganz anderen, emotionaleren Grund: Ein Kochbuch lebt wie ein alter Küchentisch. Der Charme liegt in den Gebrauchsspuren, den Fettflecken, Randnotizen und Eselsohren. Die iPad-Variante kann da allenfalls zur Vorbereitung der Küchenschlacht dienen.