Schnelle Mobilfunknetze: Telekom will LTE-Bündnis schmieden

Im Frühjahr hatten die Telekom, Vodafone und O2 für 3,6 Milliarden Euro die Lizenzen für neue Mobilfunk-Frequenzen, darunter die superschnellen LTE-Frequenzen, ersteigert. Der Aufbau des Netzes kostet die Konzerne erneut Milliarden. Die Telekom erwägt daher eine bislang einmalige Zusammenarbeit der großen Konkurrenten.

Im Gespräch mit der Financial Times Deutschland sagte Niek Jan van Damme, Deutschland-Chef der Telekom: “Es hat bereits einige Gespräche gegeben, und es wird möglicherweise zu Kooperationen kommen.” An den Diskussionen seien die Telekom, Vodafone, O2, die Bundesnetzagentur sowie das Kartellamt beteiligt. Da E-Plus sich an der Vergabe der Lizenzen nicht beteiligt hat, ist das Unternehmen bei den Gesprächen zunächst nicht dabei.

Ziel der Kooperation ist es, dünn besiedelte Regionen abzudecken ohne Netze mehrfach aufzubauen. Die Strategie spart den Konzernen nicht nur Millionen, sie trifft auch auf Zustimmung bei der Bundesnetzagentur und dem Kartellamt. Beide haben mehrfach betont, dass sie sich einer Zusammenarbeit bei LTE nicht entgegenstellen wollen.

Hintergrund der Überlegung: Bis Ende 2010 soll in Deutschland jeder Haushalt mit mindestens einem Megabit pro Sekunde über das mobile Funknetz versorgt sein, bis 2014 sollen drei Viertel der Haushalte 50 Megabit pro Sekunde bekommen. Voraussetzung für den schnellen Mobilfunk ist der UMTS-Nachfolgestandard LTE. LTE steht für Long Term Evolution und soll genauso schnell, sicher und leistungsstark sein wie ein Festnetzanschluss. Zum Start des Netzausbaus planen die Konzerne Geschwindigkeiten von 3 Megabit pro Sekunde auch im ländlichen Raum. Je nach Standort ermöglicht LTE Geschwindigkeiten bis zu 50 Megabit pro Sekunde.

Die Telekom will laut van Damme 2011 auch ihr bestehendes Netz schneller machen. “Wir peilen Spitzengeschwindigkeiten von 42 Megabit je Sekunde an”, sagte er. Bislang liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 14,4 Megabit pro Sekunde. Dem Telekom-Deutschlandchef zufolge steigt die Datennutzung bei höherer Geschwindigkeit um 10 bis 15 Prozent. Da Kunden oft Pauschaltarife haben, weiß van Damme allerdings nicht, “ob das immer auch zusätzliche Umsätze bedeutet”.

Der Umbau der Netze zielt aber nicht nur auf höhere Geschwindigkeiten. Plan sei, die Infrastruktur auf Internet-Übertragungsprotokolle umzustellen, den All IP. “In den kommenden Jahren wollen wir mit der Umstellung beginnen und dann sukzessive die alten Netze abschalten”, so van Damme. Ziel sei es, mit dem Umbau im Jahr 2016 fertig zu sein.