Samsung Galaxy S2 im Test: Bolide auf der Überholspur

Das Samsung Galaxy S2 ist Feder- und Schwergewicht zugleich. In der Hand haltend fällt es kaum ins Gewicht, technisch gesehen ist es zweifelsohne das erste Smartphone mit Android, dass Apples iPhone 4 blass werden lässt. Gerade die zeitgemäße Ausstattung katapultiert das Galaxy S2 auf die Überholspur.

Ich gebe es zu. Nach dem Auspacken war ich zunächst negativ überrascht. Das Samsung Galaxy S2wirkt neben dem HTC Desire HD und iPhone 4 fast zerbrechlich. Dennoch ist das matte Gehäuse bei 116 Gramm Gewicht qualitativ hochwertig. Stürze aus Hüfthöhe sollten aber vermieden werden. Es liegt dank der angerauten Rückseite gut in der Hand und durch die schlanke Linie von 8,5 Millimetern, gleicht das Innenleben einer Meisterleistung.

Ausstattung

Unter der zerbrechlich wirkenden Hülle arbeitet ein Dualcore ARM Cortex A9, der mit 1,2 Gigahertz für sichtbare Geschwindigkeit sorgt. Verglichen mit dem iPhone 4 ist das Galaxy S2 ein Ferrari, das Apple-Gerät dagegen gleicht eher einem sportlichen Familienwagen von BMW. Dafür sorgt natürlich auch der verbaute Gigabyte RAM Arbeitsspeicher. Videos öffnen sich zügig, Dokumente erscheinen ohne Warteschleife. Diese und andere Files finden auf dem internen 16-Gigabyte-Speicher Platz. Wer mehr benötigt, nutzt den vorhandenen microSD-Slot. Das Gerät erkennt die eingelegte SD-Karte ohne Probleme und bindet sie als zusätzlichen Speicher in das System – so stehen dem Anwender die standardisierten 48 Gigabyte Speicher zur Verfügung, nutzbar sind allerdings 43 Gigabyte.

Super-AMOLED-Display mit Full-HD

Was bereits beim Auspacken auffiel: das Super-AMOLED-Display. Es überzeugt besonders mit seinem hellen und kontrastreichen Erscheinungsbild, allerdings auch mit recht großen Maßen. Das 4,3 Zoll große Display löst einfache 480 x 800 Pixel auf und schafft eine maximale Auflösung von Videos in 1.920 x 1.080 Bildpunkten – Full-HD. Durch die AMOLED-Technik verbraucht das Gerät wesentlich weniger Energie und schafft es, in der zweiten Generation eine Spur heller, dabei noch energiesparender, zu agieren. Im Vergleich zum HTC Desire HD merkte ich gerade beim Lesen von Websites und Dokumenten den Unterschied. Die Schärfe des Displays ist speziell bei Texten ein Augenschmaus. Damit auch die Realität festgehalten werden kann, steht dem Nutzer eine Front-Kamera mit 1.600 x 1.200 Bildpunkten zur Verfügung. Die zweite Kamera auf der Rückseite bietet sogar satte 3.264 x 2.448 Pixel, kurz acht Megapixel – VGA-Auflösung gehört somit der Vergangenheit an.

Nutzer des Vorgängers Galaxy Smüssen sich nicht allzu großen Veränderungen anpassen. So ist die Anordnung der vorhandenen Knöpfen und Anschlüssen fast unverändert übernommen worden. Lediglich die microUSB-Schnittstelle wurde von Samsung an die Fußseite des Handys platziert. In der Praxis stört die Handhabung mit den Sensortasten. Sie sind leider nur aktiv im beleuchteten Zustand zu sehen. Das nervt beispielsweise beim Bedienen des “Zurück-Buttons”. Ansonsten macht der S2-Bolide in der Praxis eine gute Figur.

Wer braucht schon einen iPod touch?

Ich verglich das Samsung-Gerät in Sachen Multimedia mit dem iPod touch. Samsung liefert im Gegensatz zu Apple ein hochwertiges In-Ear-Headset mit, das viel Bass liefert. Da mir der kräftige Bass zum Teil zu Kopf stieg, wählte ich aus den zahlreichen Klang-Varianten definierte Klangbilder wie Pop und Rock – auch ein Equalizer steht zur Verfügung. Zusätzlich bietet der Hersteller noch diverse Effekte wie Bassverstärkung oder Live-Sound an – selbst die 5.1-Option für Dolby Surround ist mit an Bord. Was weniger gefällt: Die eigentlich schicke Cover-Flow-Ansicht im Querformat ist verschwunden. Vielleicht hat Apple da ja die Finger im Spiel.

Ansonsten überzeugt das das Galaxy S2 in jeder Situation. Filme werden in den Formaten 3GP, MP4 sowie WMV flüssig abgespielt. Musik ist ebenfalls kein Problem. Unterstützte Formate sind MP3, WMA, M4A und AAC. Mit zusätzlichen Apps lässt sich die Software-Vielfalt erhöhen.

Beim Abspielen der Musik fiel noch auf, dass die Files unterschiedlich abgespeichert werden. Manuell geladene Songs wandern in den Ordner Musik, gekaufte Musik spazieren in einem separaten Ordner. Das ist lästig und sollte mit dem nächsten Update geändert werden. Und wenn wir schon beim Update sind: Das installierte Android 2.3.3 alias Gingerbread und die eigene Oberfläche Samsung Touchwiz 4.0 verschmelzen gut miteinander und sorgen für eine ruckelfreie Bedienung. Ein Update auf 2.3.4 dürfte nicht lange auf sich warten lassen. Bis dahin gefällt die neue Version der eigenen Touchwiz-Oberfläche. Sie befreit das langweilige Android-Bild und peppt es mit gut programmierten Blend- und 3D-Effekten auf. Amüsant finde ich die so genannten Live-Wallpapers, die ihr Aussehen abhängig vom tatsächlichen Wetter ändern.

Für ein glühendes Netzwerk sorgt zunächst einmal der WLAN-Standard n. Mobil taucht das Galaxy S2 in die virtuelle Welt via GPRS, EDGE, UMTS sowie über HSDPA (theoretisch 21 Megabit) und HSUPA ein. Wie schnell die Netzwerke unterwegs sind, zeigt das oben eingebundene Video eindrucksvoll. Natürlich dürfen eine GPS- und Bluetooth-3.0-Schnittstelle nicht fehlen. Der bereits angekündigte NFC-Sensor (Near Field Communication) ist bei der deutschen Version bisher noch nicht eingebaut.

Fazit

Das Samsung Galaxy S2hat im Test überzeugt. Es ist wahrscheinlich das derzeit schnellste Handy auf dem Markt und lässt die Konkurrenz von Apple weit hinter sich. Kein Wunder also, dass Patentanwälte aus Cupertino etwas gegen den Verkauf des Gerätes haben. Es eignet sich für das Business und für den privaten Anwender. Egal ob ein Word-, Excel- oder ein PDF-Dokument betrachten werden soll. Das Gerät zeigt sie auf dem AMOLED-Dispay besonders scharf. Selbst das Bearbeiten dieser Files war kein nerviges Gefummel.

Multimediamäßig kann das Gerät leicht mit dem iPod touch mithalten, der Akku fiel dabei positiv auf. Musik spielte das Gerät zirka sechs Stunden – dabei sollten allerdings alle Netzwerk-Schnittstellen deaktiviert werden. Und ja, ich bin noch immer geflasht. Das Smartphone ist einfach ein “Hammergerät” und zurzeit zu Recht bei Stiftung Warentest (Print) die Nummer eins in diesem Jahr. Abzüge bekommt der Racker lediglich wegen der zerbrechlich wirkenden Hülle sowie für die Leichtigkeit. Teilweise vergisst der Nutzer, dass er etwas in der Hand hat. Einige Features, etwa das nichtintuitive Abspeichern von Musik und die nicht ständig angezeigten Sensortasten, verzeihe ich Samsung. Ein Software-Update könnte bei den wenigen Wehwehchen Abhilfe schaffen. Das Samsung Galaxy S2kostet zurzeit zirka 500 Euro.