Samsung, du nervst: Neuer Spot verhöhnt Apple-Nutzer

Samsung scheint es offenbar vollkommen verlernt zu haben, für die eigenen Produkte Werbung zu machen. Stattdessen macht man sich lieber über die Apple-Fans lustig. Was vor wenigen Tagen mit einer lächerlichen Gegenüberstellung von S3 und iPhone 5 begann, mündet nun in einen neuen Spot, der einmal mehr iPhone-Fans abwatscht.

Dieser Spot ist nicht witzig. Allerhöchstens dann, wenn Samsung das Ziel hat, iPhone-Nutzer als grandiose Dummbeutel zu präsentieren. Für ein Unternehmen, das eigentlich Werbung für sein eigenes Produkt machen sollte, nicht die beste Strategie, um neue Kunden zu gewinnen.

Dieser Spot ist auch nicht originell. Es ist nur ein weiterer Spot von vielen, in denen die Koreaner über Nutzer anderer Smartphones herziehen. Nach dem immergleichen Schema: Apple-Nutzer in Schlangen vor Stores, gedresst als Hipster. Dass iPhone und iPad von Kindern und Senioren gleichermaßen genutzt werden, dass Apple längst der Kreativen-Szene entflohen und im Mainstream angekommen ist: für die Marketing-Profis nicht von Bedeutung.

Dieser Spot ist sachlich falsch: Samsung spielt hier mit angeblichen Vorteilen, die das S3 gegenüber dem iPhone 5 hätte. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass man mit dem S3 Mails verschicken und nebenbei einen Film sehen könnte. So what? Kann das iPhone schon seit iOS 4.

Und diese magische Teilen von Inhalten durch Berührung zweier Android-Smartphones? S-Beam nennt Samsung das. So viel vorab: Es funktioniert nur zwischen S3s. Wer also mit seinem S3 quer durch die Android-Welt “stupsen” will, wird kläglich scheitern.

Und das iPhone: Konnte das schon vor Jahren. Mit der App “Bump” ließen sich schon 2010 Datensätze per “Bump” austauschen. Und drittens wäre da noch Samsungs Gestänkere über Apples neuen Adapter “Lightning”. Hey, Samsung-Ingenieure, wie erklärt Ihr dann folgendes Bild:

CultofMac

Dieser Spot zeugt von Planlosigkeit: Apple-Clips lassen sich leicht erkennen, zeigen sie doch zu fast 100 Prozent das Produkt. Mit Beginn seiner “Think different”-Kampagne hat der Konzern aus Cupertino stetig sein Look “verschlichert”. Auf den legendären “1984”-Clip und viele Werbespots, die das Andersdenken propagierten, folgte die kunterbunte Trendwende mit den ersten iPod-Spots. Endgültig abgelöst von der ersten TV-Werbung für das iPhone.

Während Apple sich bildsprachlich auf eine Form eingeschworen hat, scheint die Konkurrenz ihre Stimme noch nicht gefunden zu haben. Bei den Samsung-Spots ist oft bis zum Ende nicht klar, ob es sich nicht doch um die Werbung eines Handcreme-Herstellers handelt. Wüsste ich es nicht besser, würde ich dahinter niemals Samsung vermuten.

Damit Werbung funktioniert, braucht eine Marke, braucht ein Produkt einen hohen Wiedererkennungswert. Was soll der Wiedererkennungswert bei Samsung sein? Apple-Fans etwa? Apple scheint diesen Grundsatz als eines der wenigen Unternehmen in der IT-Branche verstanden um im Laufe der vergangenen Jahre perfektioniert zu haben. Apple-Spots sind kurz, präzise, unaufgeregt und zeigen permanent das Produkt. Ein recht konservativer Ansatz. Ein wenig mehr Konservativität und etwas weniger Experimentierfreudigkeit würden der Konkurrenz gut zu Gesicht stehen.