Ron Harris: "Kein Bedarf am weißen Computer-Kult"

Ronan Harris ist Musiker. Gemeinsam mit Mark Jackson gründete er die Elektro-Band “VNV Nation”. Harris ist bekannt für seinen Einsatz von Apple-Produkten auf der Bühne und im Studio. Im Interview spricht der DJ über den Mac als Hirn seiner Arbeit und seine frühere Abneigung gegenüber Macs.

Ronan, Du bist als Musiker bekannt für Deinen Einsatz von Macs – jetzt gerade bist Du auf Tour. Inwieweit spielt der Mac für Dich zwischen den Konzerten eine Rolle? Ist er stark in deinen Alltag eingebunden?
Willst Du in meine Tasche schauen? Darin hab ich ein iPhone, ein iPad und mein 17 Zoll MacBook Pro. Ich habe meine komplette Ausstattung, die ich für meine Arbeit brauche, immer dabei. Damit kann ich alle meine Aufgaben zu 100 Prozent erfüllen. Auf meinem letzten Flug habe ich auf meinem iPad gelesen, Grafiken bearbeitet und einen Blog-Eintrag geschrieben. Nebenbei hab ich die ganze Zeit E-Mails gecheckt und andere geschäftliche Dinge erledigt.

Und auf der Bühne – warum gerade Macs?
Zwei Wörter: Zuverlässigkeit und Funktionalität. Ich habe 2004 mit einem G4 Titanium MacBook Pro begonnen, damit wir die Möglichkeit hatten, Videos und Audios mit Final Cut Pro zu bearbeiten. Wir haben dann bald damit begonnen, unsere klassischen Synthesizer auf der Bühne durch MacBooks auszutauschen. So konnten wir auf der Bühne und im Studio die gleichen Audio Unit Synthesizer (Audio Unit ist ein Audio-MIDI-Plug-in für OS X, Anm. d. Red.) benutzen und hatten so viel mehr Möglichkeiten als mit den normalen Synthesizern. Das hat sich bis heute immer weiter entwickelt. MacBooks sind eben unglaublich transportabel – und vor allem: Wenn mal einer kaputt geht, können wir ihn ganz schnell ersetzen. Das war ein wichtiger Faktor, denn in der Zeit 2007/2008 waren wir extrem viel auf Tour, und da hatten wir einen hohen Verschleiß. Allein auf einer Tour haben wir sechs MacBooks verbraucht – da hab ich wirklich an Apples beruühmter Qualität gezweifelt. Aber wie gesagt, mittlerweile ist das besser, und ich hoffe, das bleibt auch so! Wie auch immer, die Soundqualität ist gut und die Flexibilität unverzichtbar: Wir benötigen nur einen Trolley für all unser Sound-Equipment.

Welche Apple-Produkte genau kommen bei Dir auf der Bühne zum Einsatz?
Zurzeit haben wir vier MacBooks, auf denen Logic Express läuft: zwei Live-Laptops und zwei zur Sicherheit im Hintergrund. Auf jedem sind die virtuellen Synthesizer installiert, die wir für unsere Live-Sounds benötigen, und alle Effekte. Am Mischpult haben wir noch ein MacBook Pro, auf dem Final Cut läuft, der mit unserer LED-Videowand verknüpft ist. übrigens bearbeite ich unsere Videos auch mit Final Cut Pro. Damit sparen wir uns, teure Firmen zu engagieren,
die das Gleiche tun würden, was wir so auch selber machen können. Mit den Apple-Lösungen und angeeignetem Wissen über Schneiden und Abmischung können wir eine wirklich imposante Show veranstalten, ohne ein Vermögen dafür auszugeben.

Warum Apple?
Ich will nicht lügen: Ich war lange Zeit ein PC-Nutzer. Ich brauchte nichts anderes und sah kein Bedarf, beim „weißen Computer-Kult“ mitzumachen. Aber das mit der Flexibilität, wenn du auf Reisen bist und auf PC-Laptops angewiesen bist, ist so eine Sache. Wenn du nicht gerade einen sehr teuren kaufst und genau bei dem Modell und der Marke bleibst, bist du allen möglichen Problemen ausgeliefert. Ich will einfach nicht meine Zeit damit verschwenden, erst mal eine Tonne Handbücher lesen zu müssen, wenn ich zwei Geräte miteinander verbinden will, um dann herauszufinden, warum es am Ende nicht funktioniert. Apple hat einfach ein paar sinnvolle Standards übernommen mit OS X – inklusive der genialen Idee, Unix als Plattform zu nehmen – und macht dir damit die Sache eben einfach. Sehr einfach. Unser Tour-Manager war absolut unfähig im Umgang mit Computern. Ich habe ihm geraten, sich einen Mac anzuschaffen, weil
du eben kein Experte sein musst, um ihn zu bedienen. Du machst deine Arbeit, hast dabei Spaß und beschäftigst dich mit den wichtigen Dingen, und nicht mit Treibern und Konfigurationen.

Hat er sich einen Mac gekauft?
Natürlich. Und er hatte seitdem keine Probleme mehr.

Was und wann war Deine “erste Erfahrung” mit Apple-Produkten?
Ich habe Ende der 80er Jahre begonnen, professionell zu programmieren. Zu der Zeit hatten Apple-Computer gar nichts von dem, was sie heute haben: Sie eigneten sich nicht fürs Business, sie waren eher was für Computerrebellen, die an die Unabhängigkeit von IBM glaubten. So etwas war mir egal. Mac-User erstellten Grafiken und machten Musik mit ihren Macs. Außerdem machten sie sich ständig über PCs lustig. Ich machte das Gleiche – aber auf einem
PC. Jedes Studio, in das ich damals kam, nutzte Macs. Ich dachte immer: OS 9 sieht aus wie etwas aus der Mitte der 80er Jahre. Als ich das iBook das erste Mal sah, dachte ich an einen bunten Toilettensitz. Ich hab es nicht verstanden, ich dachte, die Leute nehmen Macs nur, damit sie keinen PC nehmen müssen. Dass es funktionale Gründe hatte, hatte ich nicht verstanden. 2004 brauchte ich dann ganz dringend eine Lösung für unsere Live-Shows: Es ging um die
Synchronisierung von Musik und Video, musste verlässlich und mobil sein. Schließlich entschied ich mich für einen G4 Titanium. Schon am ersten Tag hatte ich mich in das Ding verliebt: Es war einfach, es hat Spaß gemacht.

Wie ist der Mac in Dein Studio eingebunden?
Das Zentrum meines Studios zwischen allen analogen und digitalen Geräten, die ich brauche, um meine Musik zu produzieren, ist ein Mac Pro. Er ist das Hirn meiner Arbeit.

Welche Rolle spielt das iPad in Deinem Leben?
Als das iPad rauskam, wusste ich nicht so richtig, wofür es gut sein sollte. Ich bin nicht der Typ, der Sachen kauft, nur weil sie neu und cool sind. Aber dann habe ich darüber nachgedacht, wie ich so auf Tour ausgestattet bin: Ich habe ein 17-Zoll-MacBook Pro bei mir – viel Power für Grafik- und Musikbearbeitung. Aber meistens schreibe ich wie jeder andere auch E-Mails, surfe im Netz oder chatte. Dafür brauche ich keinen großen Laptop. Wenn jemand einen Song, eine Grafik oder auch einen Vertrag will, hab ich es sendefertig auf meinem 3G-iPad. Außerdem lese ich viele Bücher darauf. Ich liebe es, Teil einer technischen Revolution zu sein und zu sehen, wie es die Gesellschaft verändert und wie es unsere Art zu arbeiten verändert.

Du bist ja auch als DJ tätig: Das klassisches DJ-Set besteht aus zwei Plattenspielern und einem Mischpult. Erkläre uns doch bitte mal, inwieweit dabei ein Computer nötig ist.
Vinyl war jahrelang die einzige Technologie für DJs, dann kamen CDs auf, und jetzt ist es eben der Laptop. Für mich sind Plattenspieler und Mischpult die „traditionelle“ Sicht auf das, was ein DJ macht. Ich bin nicht so konservativ oder auch sentimental im Umgang mit Technologie, sonst müsste ich einen Atari ST für Musik, einen Kassettenspieler fürs Auflegen und zum Touren einen VW-Käfer benutzen. Ich will Funktionalität, Mobilität, und ich will, dass es gut klingt. Das war vor 5 Jahren im Laptop-Bereich noch nicht der Fall, sofern du nicht noch einiges an Equipment zusätzlich mit dir rumschleppen wolltest. Heutzutage erlaubt dir die Software, Dinge zu machen, die mit Vinyl nicht gingen. Dabei will ich aber Vinyl nicht digital imitieren – ich will etwas Neues machen.

Welche Musik befindet sich eigentlich auf deinem iPhone?
Das ist schwierig zu beantworten. Ich habe 24 Gigabyte Musik auf meinem iPhone. Es sind ganz verschiedene Genres für jede Situation dabei. Für jeden verschiedenen Tag, jede Stimmung, jede Veranstaltung. Ich habe da immer verschiedene Phasen und höre eine Zeit lang eine bestimmte Auswahl an Künstlern, aber wenn mein Geschmack sich wandelt, ist die alte Auswahl ja immer noch da! Was ich am iPhone liebe ist, dass ich immer „aus Versehen“ Musik wiederfinde, die ich schon längst vergessen hatte. Musik ist mein Leben, seit ich ein Kind war. Ich kann mir die Welt nicht ohne Musik vorstellen. Ich glaube übrigens, dass es wirklich stimmt, dass man eine Menge über einen Menschen anhand seiner Musikauswahl sagen kann. Und heutzutage muss man nur noch einen Blick auf die Wiedergabelisten auf dem iPod werfen.

Ronan, vielen Dank für das Interview!

Keine News mehr verpassen. – Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter oder nutzen Sie unseren RSS-Feed!