Rock Our School: Flachsland-Zukunftsschule setzt auf den Mac

Wer würde da nicht gern wieder die Schulbank drücken. In allen Klassenräumen der Flachsland-Zukunftsschule in Hamburg stehen Mac-Rechner. Pro Klasse je ein iMac 27 Zoll und ein MacBook Pro 15 Zoll. Und das ist nur die Grundausstattung der freien Schule, die gemeinsames Lernen vom ersten Schuljahr an ermöglichen will.
Heute ist Medienunterricht angesagt, der Kurs „Schulfernsehen“ steht auf dem Stundenplan. Allen Beteiligten macht es sichtlich Spaß, was an den fröhlichen Gesichtern und der Begeisterung zu erkennen ist, mit der Schüler des zweiten bis fünften Jahrgangs vor und hinter der Kamera stehen. Die Jungs und Mädchen produzieren gerade die nächste Folge ihrer halbstündigen Nachrichtensendung „FlachslandTV“.

Die Schulfernsehsendung wird jeweils am Donnerstag vor anstehenden Ferien ausgestrahlt und greift Nachrichten aus den zurückliegenden Wochen des Schuljahres auf. Die Kinder der Grund- und Sekundarschule agieren spontan und cool vor der Kamera im neu eingerichteten Medienraum der Schule.

In dem zur Medienschulung genutzten Klassenraum stehen ein iMac 27″ und zehn iMacs 20″, dazu komplettieren 14 Fotokameras, vier Videokameras, entsprechende Stative, drei Leuchten und ein Green Screen die Ausstattung. Eine fast schon professionelle Ausstattung, mit der nun gerade die zweite Folge von „FlachslandTV“ produziert wird.

Die sieben- bis elfjährigen Kids machen alles selbst, filmen und moderieren, schneiden die Beiträge, sorgen für Einblendungen und die Musik. Apropos Musik, neben Beiträgen zum Schulalltag und Schüleraktivitäten sticht in dieser Ausgabe des Schulfernsehens besonders der Bericht über den Besuch zweier Musiker der amerikanischen Band Alma Desnuda in Hamburg hervor.

Diese Band hat im Rahmen des Projekts „Rock Our World“ den Song „Life We Got“ aufgenommen und diesen mithilfe von über tausend Schülern aus 43 Schulen auf sechs Kontinenten mit einem Videoclip unterlegt, zu dem die Schüler Videoaufnahmen aus ihrem Schul- und Lebensalltag beigetragen haben.

Über Technologie und Musik kam so eine verbindende Bewegung zustande, die Schüler aus den unterschiedlichsten Nationen über die Beschäftigung mit Film und Musik zusammenführte und ihnen das Gefühl vermittelte, gemeinsam an einer Idee zu arbeiten.

Hannes Beecken, Lehrer an der Flachsland-Zukunftsschule, engagiert sich in diesem Rock-Our-World-Projekt bereits seit 2006 und hat nun erstmals mit einer Grundschulklasse daran teilgenommen. Äußerst erfolgreich, wie der pfiffige Nachrichtenbeitrag im Schulfernsehen zeigt.

Ruhe, Aufnahme!
Doch zurück ins Studio, wo die Konzentration wächst. Denn eine komplette Sendung zu fahren, ist natürlich weitaus anspruchsvoller, als einen einzelnen Videoclip zu produzieren. Die jungen Nachrichtenmacher sind mit Eifer bei der Sache und arbeiten mit der beliebten Software BoinxTV, die den Mac in ein Fernsehstudio verwandelt. Wie in einem richtigen Studio können mit BoinxTV die von der Kamera aufgenommenen Bilder live oder als Video-Clips ins Netz gestellt werden. Fotos, 3D-Grafiken, sogenannte Bauchbinden als Einblender und selbst geschnittene Audiospuren komplettieren die Produktion der Sendung.

Die jungen VJs (Video-Journalisten) beherrschen ihr „Handwerk“, das sie im ersten Durchlauf des Medienkurses gelernt haben, in dem Lehrer Hannes Beecken die Jungs und Mädchen der Schuljahrgänge 2 bis 5 im Kurs „Medien“ ausgebildet und mit Programmen wie iMovie, iPhoto und FotoMagico vertraut gemacht hat. Hinter dem Kurs steckt die Grundidee, die Kinder durch Medienproduktion gegen blinden Medienkonsum zu immunisieren.

Der Kurs „Medien“ ist der jeweils erste Schritt in dem von Hannes Beecken initiierten Unterricht in der Zukunftsschule. Dort lernen die Kinder nicht nur frühzeitig das Fotografieren und die einfache Bildbearbeitung in iPhoto, sie lernen auch, wie man mit Garage-Band Songs eine Diashow mit FotoMagico und Webseiten mit iWeb erstellt.

Die Kinder gestalten Comics mit ComicLife und machen Filme, Videoschnitt und Trickfilm mit iStopMotion und brennen diese mit iDVD auf DVD. Bei der für die Medienproduktion notwendigen Schulung mit der Software, so Hannes Beecken, „geht es um die Aussagen und Dinge, die mithilfe des Programms entstehen sollen. Ich möchte, dass die Kinder zum Beispiel die Sprache und Aussage von Bildern lernen und erkennen, dass Bilder in den Medien etwas anderes sind als ein Urlaubsfilm.“

Ein solch bewusster Umgang mit Medien und ihrer Wirkungsweise kann in der heutigen medienorientierten Zeit gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Doch dazu, davon ist Hannes Beecken überzeugt, muss ich die Technik beherrschen. „Dabei geht es nicht um die reine Schulung des kompletten Programms, sondern darum, dass die Kinder lernen, das jeweilige Programm für ihren Zweck zu nutzen; dabei sollte die Lernkurve möglichst flach sein, sodass jeder Teilnehmer im Kurs das Programm letztlich beherrscht und nutzen kann.

Ein Mac ist in Verbindung mit iLife und dank intuitiver Bedienung seiner Programme eine hervorragende Umgebung, um schnell erfolgreich produktiv werden zu können. Und im Medienkurs der Flachsland-Zukunftsschule wird die Eigenarbeit der Schüler hoch angesetzt.

Kein Trick , sondern ein Mac
Ein gutes Beispiel dafür zeigt das Arbeiten der Kinder mit iStop-Motion. Die Software für Stop-Motion-Animation – also Trickfilme – wird gern von Erziehern, aber auch Filmamateuren bei derTrickfilmerstellung eingesetzt. Wie beeindruckend die Schüler schon nach nur kurzer Einarbeitungszeit mit diesem Programm umgehen können, haben sie erst kürzlich im Apple Store in Hamburg vorgeführt.

Apple hatte eine Promotion mit der Softwarefirma Boinx geplant; deren Verantwortliche erinnerten sich an die langjährige, über das Apple Teacher Institute entstandene gute Zusammenarbeit mit Lehrer Hannes Beecken und der war sofort bereit, mit seinen Schülern im Apple Store zu demonstrieren, wie mit dem Mac und der richtigen Software kinderleicht ein Trickfilm entsteht. „Die älteren Schüler aus meinem zurückliegenden Medienkurs an einer staatlichen Schule übernahmen die Erklärungen und meine jüngeren Schüler der Flachsland-Zukunftsschule führten die Programme vor.“
Klar, einige Kinder kommen mit einer Software besser zurecht als andere – und oftmals sogar besser als der Lehrer, erkennt Hannes Beecken neidlos an. Das sei eine existenzielle Voraussetzung für den Lehrerberuf, meint Hannes Beecken. „Ich muss es als Lehrer akzeptieren können, dass Kinder mich irgendwann mit ihrem Wissen überholen. Wenn sich ein Schüler zum Beispiel für eine Software wie GarageBand sehr interessiert, dann kniet er sich rein und eignet sich gewisse Fähigkeiten einfach schneller an, als ich es als Lehrer schon allein aus Zeitgründen je könnte.“

Das hat auch für den Lehrer etwas Gutes. Hat er beispielsweise einen Schüler, der vielleicht ein Ass im Umgang mit einer bestimmten Software ist, dann kann sich der Lehrer zurückziehen, braucht lediglich zu organisieren und zu steuern. An der Flachsland-Schule erledigen die Kinder mit viel Begeisterung und Engagement erfolgreich den Rest.

Medienarbeit ist Spaß und Freude
Hannes Beecken spricht aus Erfahrung, denn er arbeitet schon seit vielen Jahren mit Schülern und Computern. Er selbst hat sich 1989 seinen ersten Mac gekauft und 1991 an seiner damaligen Schule begonnen, Macintosh-Classic-Rechner für den Unterricht zu nutzen. Er hat Internet-Projekte mit US-Schulen und Universitäten angefangen und 1999 eine Laptop-Klasse mit iBooks aufgebaut.

Im Jahr 2002 hat er mit drei Kollegen eine Mac-orientierte Lehrerfortbildung in Hamburg entwickelt, das Kreativ-Programm. „Im gleichen Jahr bin ich Apple Distinguished Educator (ADE) geworden. Von 2004 bis 2007 habe ich das ADE-Programm in Deutschland und Österreich koordiniert, 2007 auch das Regional Training Center (RTC) am Landesinstitut für Lehrerfortbildung mitgegründet.“

Seit seiner Pensionierung 2010 setzt Hannes Beecken sein Wissen nun für die Flachsland-Zukunftsschule ein, „denn die Medienarbeit mit Kindern ist keine Arbeit, sondern Spaß und Freude.“ Auch für ihn ist das etwas Neues, denn erstmals macht er den Medienunterricht mit Schülern der Jahrgangsstufe 2, also beginnend mit Siebenjährigen. „Das ist eigentlich das Alter, ab dem die Kinder mit den Programmen richtig umgehen und das Geforderte umsetzen können.“

Doch Hannes Beecken hat weitere Pläne, denn wie er an verschiedenen Beispielen von Kollegen im ADE-Bereich aus den USA gesehen hat, ist die Filmbearbeitung auf dem iPad mit den passenden Apps anscheinend leichter als am Mac. „Da will ich hin, möchte in der Schule eine iPad-Klasse einrichten und dann mit den Schülern der ersten Schulklasse schon Filme und Fotos bearbeiten.“

Mit den über den m-Store erworbenen Macs ist die Flachsland-Zukunftsschule bestens gerüstet, nicht nur für den Medienunterricht. Die Schüler der einzelnen Jahrgänge arbeiten mit iMac und MacBook im Unterricht, nutzen dabei Lern-CDs und -DVDs, gehen mit dem Mac ins Internet, allerdings nur in geringem Maß, und nutzen die Rechner täglich zur Textarbeit. Denn gerockt werden kann nun einmal nicht an jedem Schultag.