Rekordgewinne: Aber was wird aus Apple ohne Steve Jobs?

Steve Jobs - Bild: acaben (CC BY-SA 2.0)Apple verliert vorübergehend seinen Gründervater und Visionär. CEO Steve Jobs verabschiedete sich krankheitsbedingt auf unbestimmte Zeit aus dem täglichen Geschäft. Gestern konnte Apple mit einem Rekordgewinn von sechs Milliarden Dollar in 92 Tagen trumpfen. Diese Traumzahlen dürften ohne den Mastermind künftig nur noch ein Traum sein.

“Ich liebe Apple so sehr und hoffe, dass ich so schnell wie möglich wieder zurück sein kann”. Mit diesen Worten schloss Apple-Boss Steve Jobs seine knappe Team-Mail, in der er sich vorläufig von seinen Mitarbeitern verabschiedete. Jobs war, abseits der zum Kult gewordenen Keynotes, noch nie ein Mann vieler Worte gewesen. Jetzt erbittet sich der CEO eine Pause. Seine Dritte, um genau zu sein. Bereits zweimal musste er krankheitsbedingt aussetzen. 2004 besiegte er eine Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse – 2009 folgte die Lebertransplantation. Doch anstatt sich für die Unterstützung seiner Kollegen zu bedanken, äußert er in diesem einen Satz seine tiefe Hoffnung, so schnell wie möglich wieder im Sattel zu sitzen.

Jobs ist Apple, Apple ist Jobs

Diese Worte offenbaren nicht nur den Charakter eines absoluten Workaholics, sondern eines CEOs, der sein Leben wie kein zweiter voll und ganz einem Unternehmen gewidmet hat. Und der durch seinen Enthusiasmus Apple einen Spirit eingehaucht hat, wie es sonst kaum einem Unternehmen gelungen ist. Welcher CEO eines der wertvollsten Unternehmen der Welt würde auch schon in einer Hausmitteilung erklären, wie sehr er sein Unternehmen liebt?

Durch den vorübergehenden Ausfall von Steve Jobs, wie lange er auch dauern mag, steht Apple nun vor einem großen Problem. Abseits all des Fanboytums um eine Kultmarke und der Idealisierung Jobs’ zum iGod. Die Aktie rauschte nach Bekanntwerden der News an der Wall Street um acht Prozentpunkte nach unten. Die kurzfristigen Panikverkäufe waren erwartbar. Denn für Käufer von Apple-Produkten weltweit ist Jobs ohne Frage die Person hinter dem iPod, dem iPhone, dem iPad und unzähliger weiterer Produkte. Während Microsofts CEO Steve Balmer maximal für ein Betriebssystem Pate steht, bürgt Jobs für eine immense Produktpalette mit seinen Namen. Was passiert also, wenn eben diese Person aus dem Geschäftsleben scheidet? Sinkt das Vertrauen der User und damit auch der Absatz?

Anleger fordern Nachfolgeregelung

Apple will nun in erster Linie Ruhe einkehren lassen. Ruhe für Jobs, um keine Nährboden für weitere Spekulationen zu bieten. Und um die Aktie wieder auf Kurs zu bringen. Einige Anteilseigner sind so sehr um einen stabilen Kurs bedacht, dass auf der Tagesordnung der kommenden Hauptversammlung der Apple-Aktionäre ein Vorschlag steht, Apple zu einer Nachfolgeregelung für Jobs zu verpflichten. Beantragt hatte den der Central Laborers Pension Fund aus Jacksonville in Illinois, dem 11.484 Aktien gehören. Apple empfiehlt, den Antrag abzulehnen. Der Aufsichtsrat ist eher besorgt, dass eine verfrühte Veröffentlichung von Nachfolgeregelungen und Zukunftsplänen dem Wettbewerb eher schade – es sei “nicht im besten Interesse des Unternehmens und der Aktionäre, wenn Konkurrenten Zugang zu diesen Informationen hätten”, heißt es in einem offiziellen Statement. Am 23. Februar soll abgestimmt werden.

Doch die Probleme greifen tiefer als bis zur kommenden Aktionsversammlung. Und dürften erst in einem oder zwei Jahren zu Tage treten. Immerhin verfügt Apple bislang über gute Manager, Ingenieure und Designer. Die gestern veröffentlichten Quartalszahlen belegen, dass Apple in 92 Tagen satte sechs Milliarden Dollar Gewinn machte. Rund 62 Millionen Dollar am Tag. Der Umsatz schoss um 71 Prozent auf 26,7 Milliarden Dollar hoch. Damit übertraf Apple einmal mehr die kühnsten Erwartungen der Analysten.

Wer könnte folgen?

Doch Apple ist Jobs’ Werk. Es ist das Unternehmen, das er gründete, später verlassen musste und es dann nach Jahren der wirtschaftlichen Dümpelei vom Insider-Unternehmen für Medienmacher und Grafiker zum zweitwertvollsten Unternehmen der Welt wachsen zu lassen. Liest man diesen einen Satz von Jobs genauer, so klingt sie zwar enthusiastisch, aber keineswegs ermutigend für die Belegschaft.

Wer darauf hofft zurückzukommen, der weiß nicht, ob er jemals zurückkommen wird. Auch wenn Jobs bislang noch keinen Nachfolger auserkoren hat, so dürfte zumindest die Frage nach der Thronfolge im Raum stehen. Vorerst wird Tim Cook das Tagesgeschäft übernehmen. Er gehört bei Apple zum harten Kern und ist seit 13 Jahren dabei. Cook gilt als detailversessen, als akribischer Optimierer und konnte mit dem enormen Absatzplus der Mac-Sparte, für die er verantwortlich ist, um 27 Prozent punkten.

Die “New York Times” brachte Marketingchef Philip Schiller ins Gespräch. Während Jobs’ Auszeit übernahm er die aus Imagesicht so wichtigen Keynotes. Schiller ist seit 17 Jahren bei Apple. Jonathan Ive wiederum ist eines der bekanntesten Gesichter des Konzerns neben Steve Jobs. Der Chefdesigner hat freie Hand und ist nur Jobs direkt unterstellt. Er ist für den Look aller Apple-Gadgets verantwortlich und seit 15 Jahren bei Apple. Der aufstrebende Star im Unternehmen heißt Scott Forstall. Aus seiner Feder stammt iOS, das Betriebssystem für die gesamte iFamilie. Branchenkenner rechnen ihm gute Karrierechancen im Unternehnen aus.

Doch war es Jobs, dem es gelang, die Kreativität seiner “Young Professionals” zu fordern und zu fördern. Waren sie Hand, Augen und Ohren, so war er das Hirn, der Mastermind, der im Unternehmen die notwendigen Strippen zog. Sich in der Branche unbeliebt machte. Und für Fehler geradestand. Nun wirkt Apple beinahe wie ein Ensemble aus Stargeigern, das seinen Dirigenten verloren hat. Sie sind gut, aber noch nicht genug, um Apple weiterhin an der absoluten Weltspitze zu halten. Natürlich dürfte es für ein Team eingespielter Spitzenmanager machbar sein, die bestehende Produkpalette gebührend upzudaten. Doch was dann? Jobs war und ist der Visionär. Immerhin war Apple sein Baby, dass er nach eigenen Regeln aufzog und dem er den Weg wies. Würde Apple tatsächlich einmal seinen CEO verlieren, wäre es wohl das größte und kapitalstärkste Waisenkind der modernen Unternehmensgeschichte.

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