Pulsmesser-App: Heart Rate erweitert kreativ die Möglichkeiten des iPhones

In der Medizin gehört der Fingerclip zur Pulsmessung mittlerweile zur Standardausrüstung. Das Verfahren nennt sich Pulsoximetrie und kann jetzt auch mit einem iPhone simuliert werden. Voraussetzung ist das iPhone 4 mit Kamera und Blitzlicht sowie die App Heart Rate (kostenlos, iTunes-Link).

Die Pulsoximetrie ist ein äußerlich angewendetes Verfahren, mit dem in der Medizin die Sauerstoffsättigung des Blutes, aber auch die Pulsfrequenz gemessen werden kann. Dabei macht man sich zunutze, dass das Hämoglobin im Blut das Licht bestimmter Wellenlängen unterschiedlich absorbiert. Unwissenschaftlich ausgedrückt: Der mit Licht bestrahlte Körperteil – Finger oder Ohrläppchen – verändert in Abhängigkeit vom Sauerstoffgehalt der Durchblutung seine Farbe.

Diesen Effekt setzt die App Heart Rate mit der Kamera und der Blitzlichtfunktion des iPhone 4 um und wandelt das Smartphone in einen Pulsmesser. Nach dem Start der App fordert ein Hinweistext den Nutzer auf, dass iPhone so zu halten, dass eine Fingerkuppe die Kameralinse und den Blitz komplett verdeckt. Nach einem Klick aufs Display startet die Messung automatisch.

Dabei aktiviert das iPhone die Dauerlichtfunktion, so dass die Fingerkuppe leuchtet wie bei E.T. Nach wenigen Sekunden erscheint im Display die Pulsfrequenz, während die App im unteren Bildschirmdrittel den Frequenzverlauf anzeigt.

Auch wenn die Messung des iPhones mit der Genauigkeit eines medizinisch geeichten Geräts nicht vergleichbar ist, können laut Wikipedia-Eintrag zur Pulsoxymetrie automatisch Messfehler entstehen, zum Beispiel…

  • wenn die periphere Durchblutung schlecht ist (zum Beispiel bei Kälte, Kreislaufzentralisation bei Schock);
  • bei bestimmten Intoxikationen. So kann etwa bei einer Kohlenmonoxidvergiftung das Pulsoximeter nur erkennen, dass das Hämoglobin beladen ist. Es erkennt jedoch nicht, dass das Hämoglobin keinen Sauerstoff transportiert;
  • bei Verwendung von Nagellacken.

Fazit: Die App Heart Rate ist ein prima Beispiel für eine Anwendung, die Medizin und physikalische Zusammenhänge für Jedermann erfahrbar macht. Entwickler Chris Greening von CMG Research hat auf kreative Weise die Einsatzgebiete des iPhones erweitert. Wir sind gespannt, was noch alles möglich ist – der Name iPhone jedenfalls sagt schon lange nichts mehr über die vielfältigen Fähigkeiten des Geräts aus.