Probleme mit Bezahldiensten in Apps: „Die Mitarbeiter von PayPal verhalten sich seit Jahren unkooperativ und unflexibel“

KartensenderWir haben neulich mehrere Apps getestet, mit denen mal reale Postkarten verschicken kann. Die Tests waren durch die Bank nicht völlig zufriedenstellend. Ab besten funktionierte noch die App Kartensender (kostenlos, iTunes-Link). Wie bei der App Postkarte (kostenlos, iTunes-Link) gab es aber auch bei der Kartensender-App Probleme beim Bezahlen mit dem Dienst PayPal. justapps.de hat deshalb den Macher der App Kartensender und Geschäftsführer von autoprint, Matthias Eiermann, über Bezahldienste im Allgemeinen und PayPal im Besonderen befragt.

Matthias EiermannHerr Eiermann, wir haben bei unseren Tests mit Postkarten-Apps festgestellt, dass das Bezahlen per PayPal nicht wirklich einfach ist. Auch in Ihrer App Kartensender ist das so. Man wird auf eine Webseite von PayPal geleitet, die alles andere als leicht zu verwenden ist. Warum ist das so?

Mit PayPal mobil zu bezahlen – also innerhalb einer App -, ist in unserer US-App möglich, aber nicht in der deutschen Variante. Auf Anfragen einiger deutscher Anwender habe ich mich breit schlagen lassen, in der deutschen App die Standard-Variante der PayPal-Zahlung mit anzubieten.

Dafür muss man dann in Kauf nehmen, auf die Webseite von PayPal geleitet zu werden. Das ist etwas umständlicher für den Nutzer, da er zuerst einmal das Feld für die Eingaben “Benutzer” und “Passwort” suchen muss. Eine Zahlung ist dann aber auch möglich.

Was tun Sie dagegen?

Wir haben leider keine Chance, an dieser Situation etwas zu ändern. Wir drängen PayPal bereits seit zwei Jahren zur Zusammenarbeit. Bisher ohne Erfolg. Ab Anfang des Jahres will PayPal wohl Abhilfe schaffen.

Paypal in Kartensender-App

Läuft es mit anderen Bezahldiensten besser?

Ja, zum Beispiel mit clickandbuy. Die haben sich sofort bereit erklärt, mit uns zusammen zu arbeiten. Unsere clickandbuy Postcards-App (kostenlos, iTunes-Link) wurde von clickandbuy sogar als Showcase zur mobilen Zahlung vorgestellt.

In Ihrer App fällt auf, dass sie viele unterschiedliche Bezahldienste anbieten. Welche sind das?

Lastschrift, clickandbuy, Kreditkarte, PayPal – mobil in USA und via Webseite in Europa – und Sofort-Lastschrift

Kartensender - Preise

Wie häufig werden die einzelnen Bezahldienste genutzt?

Das Lastschriftverfahren ist in Deutschland das mit Abstand beliebteste: 45 Prozent nutzen es. Es folgt clickandbuy mit 17 Prozent. Mit Kreditkarte zahlen 14 Prozent. PayPal Mobil, also innerhalb unserer US-App, wird von 5 Prozent verwendet, über die PayPal-Webseite bei der deutschen App zahlen 4 Prozent. Man sollte PayPal also nicht überbewerten.

Und der Rest?

Sofort-Lastschrift nutzen lediglich 2 Prozent. Dort wird die Bank-Pin abgefragt, die rückt man eben nur ungern raus. Aus diesem Grund werden wir ab Januar Sofort-Lastschrift auch nicht mehr anbieten. Der Rest verteilt sich auf kostenlos vergebene Postkarten, die zum Beispiel erhält, wer sich für den Newsletter anmeldet.

Werden Sie in Zukunft weitere Zahlungsmöglichkeiten implementieren?

Wir sind grundsätzlich in der Lage, alle gebräuchlichen Zahlungssysteme auf dem iPhone, iPad, iPod touch anzubieten. Als nächstes werden wir wohl einen Service integrieren, bei dem der Anwender auf Rechnung einkaufen kann. Das ist eine sehr angenehme Sache, weil der Anwender sich dabei sicherer fühlt.

Was sollten App-Entwickler beachten, die solche Bezahldienste integrieren wollen?

Als erstes müssen sie sich beim entsprechenden Serviceanbieter anmelden. Danach folgt die Integration nach deren Vorgaben über eine Schnittstelle.

Was ist besonders wichtig?

Ein SSL-verschlüsselter Server auf der Seite des App-Anbieters und professionelle Partner auf der anderen Seite.

Was sind die Herausforderungen?

Sich mit PayPal herumzuschlagen! Deren Mitarbeiter verhalten sich seit Jahren unkooperativ und unflexibel. Das ist offensichtlich systembedingt und wird wohl auch von der Unternehmensleitung so gewünscht. Man hat den Eindruck, nur mit Computern zu tun zu haben. Der ganze PayPal Service ist in keiner Weise serviceorientiert, sondern zu 100 Prozent Computer gestützt.

Die größte Herausforderung stellt die fortwährende Belästigung der vom System generierten automatisierten E-Mails dar, die dann einer unserer Leute beantworten muss. Mittlerweile löschen wir die Mails. Abstellen lässt sich das nicht. Da gibt es nur eine Chance: PayPal als Anbieter zu boykottieren beziehungsweise zu ignorieren.


Update 17. Januar 2011: Wie im Interview angekündigt, gibt es in der App jetzt nicht mehr die Möglichkeit, per Sofort-Lastschrift zu bezahlen.

kein Bezahlen mehr mit Sofort-Lastschrift


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