Praxis-Test: Das iPhone 4S, das eigentlich ein iPhone 5 ist

iPhone 4sNur ein Update?”, wird den Kehlen vieler enttäuschter Apple-Fans nach der Keynote von Apples neuem CEO Tim Cook entronnen sein. Allen Enttäuschten kann ich nach einer Woche des ausgiebigen Testens getrost sagen: Lasst Euch nicht vom unveränderten Äußeren täuschen. Unter der Haube schlummern genug Updates, die einem iPhone 5 würdig wären. Ein Testbericht.

Seien wir einmal ehrlich: Tim Cook hätte auch ein iPhone 5.1 mit eingebautem Getränkehalter und militärischem Störsensor vorstellen können. Es hätte einfach nicht gereicht. Und dann präsentiert der Neue an Apples Spitze auch noch ein iPhone 4S? S? Wie beim Update vom 3G zum 3GS also nur ein bisschen Marketing-Firlefanz, um nochmal die Bestände bei den Herstellern leerzuproduzieren? Wohl kaum. “Weit gefehlt”, kann ich mit absoluter Überzeugung sagen. Nicht zuletzt geben mir die enormst guten Verkaufszahlen Recht. Aber abgesehen vom Zahlengewäsch: Was steckt drin? Warum ist es besser?

Der Akku

Ach ja, die Achillesferse eines jeden Apple-Smartphones: der Akku. Natürlich könnte ich jetzt Tests bemühen, die unter idealen Laborbedingungen mit vordefinierten Benutzungszeiten und einer angepeilten Bildschirmhelligkeit von 30 Prozent bestimmte Laufzeiten errechnet haben. Für den Einsatz im Alltag – damit sind normal lange Telefonate, das Schreiben von SMS und Empfangen von Mails sowie die Nutzung weiterer Apps gemeint – lässt sich festhalten: Das iPhone 4S hält wie sein Vorgänger etwas über einen Tag mit einem vollgeladenen Akku. Da man natürlich nicht mit einem fast leeren Akku in den Tag starten will, muss das Gerät einmal am Tag an die Steckdose. Bedenkt man, dass im Gerät ein Prozessor mit zwei Kernen und siebenfach leistungfähigerer Grafikchip verbaut wurden, kann sich das Ergebnis sehen lassen.

Die Kamera

Wer ein iPhone 4S hat, braucht keine Kompaktkamera mehr. War der Kompromiss mit den fünf Megapixeln Auflösung bislang groß, wenn man nur ein Smartphone als Schnappschusskamera dabei hatte, kann man diese dank der verbesserten Optik des 4S, acht Megapixeln Auflösung und einem schnellen Prozessor für Multi-Fokus-Aufnahmen getrost zu Hause lassen.

Der überabeitete Bildsensor leistet vor allem bei Low-Light-Aufnahmen gute Arbeit. Die gute Rauschreduzierung dürfte so einige Partybilder enorm verbessern. Über den Schnellzugriff im neuen iOS 5 (Home-Button zweimal drücken) und dank des Dual-Core-Prozessors sind die Bilder noch schneller im Kasten.

Videos nimmt das iPhone 4S mit 1080p und 30 Bildern pro Sekunde auf. Das ist genügend Material, um eine kleine Geschichte zu erzählen, ein Interview zu filmen oder ein Videotagebuch vom Urlaub anzulegen. Das Material macht sogar im Vergleich zu Profi-DSLRs wie der Canon DMark II eine gute Figur, wie dieser Clip eindrucksvoll demonstriert. Die integrierten Beschleunigungssensoren nutzt Apple, um die Aufnahmen stabilisieren. Dadurch sollen Aufnahmen aus der Hand später weniger verwackelt aussehen.

Siri

Ganz ehrlich: Ich liebe Siri. Ich liebe diese rotzigfreche Art, die die Software an den Tag legt, wenn man ihr allzu persönliche Fragen stellt. Genauso wie die Tatsache, dass Siri mich von Tag zu Tag besser zu verstehen scheint. Da die Software polarisiert, bombardierten Kollegen das 4S gleich zu Beginn mit Fragen nach der Quersumme aus 83 oder dem wahren Alter von Uschi Glas. Derlei Rätsel vermag Siri noch nicht zu lösen. Doch als Eingabehilfe macht die Software einen sehr guten Job. Sei es das Eintragen eines Termin, das Stellen des Weckers oder eines Timers, das Verfassen einer Nachricht, der Anruf bei einem Freund etc..

Hat sich die Software einmal an seinen Nutzer gewöhnt, lassen sich Texte für SMS oder Messagingdienste sehr viel fixer diktieren als schreiben. Im Vergleich zur US-Version, die auch Routenplanung und andere Features umfasst, kann die deutsche Sprachassistenz etwas weniger. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis die Software um weitere Features ergänzt wird.

Geschwindigkeit

Das 4S ist schnell. Mehere Benchmarks belegen, dass es trotz eines kleineren Prozessors im Vergleich zum Samsung Galaxy S2 in vielen Bereich besser abschneidet. Der im Vergleich zum Vorgänger weitaus stärkere Chipsatz macht sich überall bemerkbar. Webseiten laden schneller, der Wechsel zwischen Apps funktioniert nahtloser, grafisch anspruchsvolle Games wie Real Racing 2 lassen deutlich mehr Details erkennen und sogar auf den Fernseher mittels AirPlay beamen. Kurzum: Es ist das momentan beste iPhone und laut etlicher Benchmarks das beste Smartphone, das derzeit auf dem Markt ist. Läuft Ihr Vertrag gerade aus, können Sie ohne Bedenken zum iPhone 4S greifen. Besitzen Sie schon ein iPhone 4, verfügt der Nachfolger trotz des unscheinbaren Äußeren über genug Features, die einen Kauf rechtfertigen würden.

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