Orderbird: Vietnamesisches Street Food trifft Ess-Kultur 2.0

Normale Kasse war gestern. Heutzutage zücken  Kellner das iPad. m-magazin war zu Besuch im Berliner Babanbè, das die App orderbird als einer der ersten Läden in Deutschland einsetzt. Dabei entstand auch das erste Video fürs m-magazin, auf das wir recht stolz sind.

Was haben das Münchener P1 und das Berliner Deli Babanbè gemeinsam? Es ist nicht das Publikum, denn das könnte unterschiedlicher kaum sein: In der Nobel-Disco der Weißwurst-Metropole vergnügt sich am liebsten die Schickeria mit jeder Menge Schampus und Aperol Spritz, in dem stylishen Lunch-Laden in der Hauptstadt dagegen genießen überwiegend junge, aufgeweckte Web-Worker ihr vietnamesisches Fusion-Sandwich.

Doch sobald die beiden so unterschiedlichen Gäste-Gruppen den Ober herwinken oder den Barmann ansprechen, passiert jeweils das Gleiche: Die Servicekräfte zücken ein iPod touch oder ein iPad 2 und nehmen die Bestellung auf bzw. kümmern sich um die Rechnung. Denn beide Locations gehören zu den Beta-Testern des neuen mobilen Kassensystems von orderbird.

Hinter der vermeintlich sinnfreien Namenscollage versteckt sich eine Mischung aus iPad- und iPod-App und der passenden Hardware, die zusammengenommen eines der wohl innovativsten und wirtschaftlichsten Kassensysteme bilden, die es zurzeit gibt. Der App-Hardware-Mix von orderbird kann bonieren, Tische splitten, Speisekarten anlegen, Rechnungen schreiben und Bons ausdrucken, aber auch Tages- und Monatsberichte für das Finanzamt erstellen.

Die Vorteile der Kassen-App lesen sich fast, als wären sie zu schön, um wahr zu sein. So verspricht orderbird, deutlich günstiger, effizienter und professioneller zu arbeiten als vergleichbare Systeme. Dabei ist das Ziel der fünf Gründer denkbar ehrgeizig, sie wollen einfach nur die Gastro-Branche grundlegend verändern.

Diese Zielsetzung teilen sie zumindest mit ihren Beta-Testern aus Berlin Kreuzberg. Am Oranienplatz 2, passenderweise im Haus des Mobil-Vermarkters madvertise, die zudem gerade berechneten, dass Berlin die iPad-Hauptstadt Deutschlands ist, wollen auch die drei Freunde Paul Philip Krengel (27), Moritz Gedecke (25) und Moritz Düttmann (25) mit viel Experimentierfreunde und Innovationsbe-reitschaft für viele neue kulinarische Umwälzungen sorgen. Das
Babanbè verbindet traditionelles vietnamesisches Street Food mit der Ess- und Lebenskultur der Web-2.0- und Mobile-Web-Kultur.

Die Spezialität des Babanbè ist das „Banh Mi“-Sandwich, dessen Geheimnis vor allem im knackigen und würzigen Brot steckt. „Das Rezept haben wir einem vietnamesischen Bäcker abgekauft und hier in wochenlanger Arbeit mit einer Familienbäckerei perfektioniert. Das Brot ist echte Handwerkskunst und keine industriell gefertigte Pappe“, erzählt Krengel. „Das Banh Mi ist eine Koproduktion aus bunter, vietnamesischer Kreativität und französischer Backkunst“, beschreiben die Deli-Startupper ihre asiatischen Sandwiches auf ihrer Facebook-Seite.

„Anfang des 20. Jahrhunderts brachten die Kolonialherren Ihr geliebtes Baguette nach Indochina. Die Vietnamesen verwandelten es mit einer Füllung aus hausgemachter Chilimayonnaise, eingelegtem Daikon und Karotten, marinierten Köstlichkeiten, frischer Gurke und aromatischen Kräutern zu etwas Magischem.“ Dabei soll vor allem in der Vielfalt und im Kontrast der verschieden Geschmäcke und Konsistenzen das Geheimnis liegen. „Die Mischung aus scharf, süß, sauer und salzig lässt andere Sandwiches blass aussehen.” Zweite Spezialität der Berliner ist die „Phô“ – eine traditionelle Hühner- oder Rinderbrühe. Über zwölf Stunden wird sie gekocht.

Begeistert stellte einmal ein Gast fest, dass ein Business-Lunch noch nie so schnell, lecker und gesund gewesen sei. Passenderweise lautet die Babanbè-Philosophie: „Lange gegart und schnell serviert“. Natürlich ist auch der Name des Bistros vietnamesisch und bedeutet „drei Freunde“.

Fast doppelt so viele Gründer, nämlich fünf, stecken hinter orderbird. „Wir sind fünf Spezialisten in den Bereichen Unternehmensführung, Kassensoftware, Buchhaltung, IT und Marketing, sowie zehn weitere Angestellte, größtenteils in der Softwareentwicklung“, erklärt Patrick Brienen, Marketingverantwortlicher der Fünf, gegenüber m – Das Magazin. „Die Idee entstand, weil Bastian gehört hatte, dass die US Army ihre Raketen mit iPods steuert.“ Der Jung-Unternehmer soll sich – laut Legende – dann gleich gedacht haben, dass wenn die iOS-Geräte derart zuverlässig sind, sie doch auch der ideale Ersatz zu den mobilen Bestellterminals wären, die sonst weit über 2000 Euro kosten. „Damit war die Idee geboren“, erinnert sich Brienen.

Ein etwas martialischer Ansatz, der allerdings erstaunliche Ergebnisse zur Folge hat. Der größte Vorteil für Betriebe, die auf orderbird setzen, sind die vergleichsweise geringen Anschaffungskosten. So braucht ein kleines Café mit lediglich einer festen Kasse, an der alle Kunden zahlen, nur ein iPad2 als zentrale Abrechnungsstation. Dazu kommen ein speziell vorkonfigurierter WLAN-Router und ein entsprechender Bon-Drucker. Auf ihrer eigenen Webseite geben die App-Kassierer die Kosten für solche eine Grundausstattung mit rund 1400 Euro an.

Sobald ein Gastro-Betrieb auch Kellner einsetzt, müssen sie zusätzlich mit einem iPod touch für die Bestellungen und die Rechnungen ausgestattet werden. Der Preis erhöht sich dann um die Anzahl der iPods. Das Babanbè kommt zur Zeit noch mit einem iPad und einem iPod aus. Neben den geringen Anschaffungskosten war für die drei Deli-Gründer allerdings auch die eigene Faulheit ein schlagendes Argument. Denn mit orderbird sollen rund 40 Prozent aller Service-
Laufwege eingespart werden. Der ständige Gang zur Kasse zum Einbongen jeder Bestellung entfällt ersatzlos.

Der Name von orderbird soll exemplarisch für das Selbstverständnis der Gründer stehen. „Wir sind die kleinen Helfer. Dein Bestellvogel. Flink. Einfach. Freundlich“, erklärt Brienen. Der 27-Jährige hält den Sandwich-Laden für einen idealen Partner und Betatester. „Paul (Krengel) entspricht exakt unserer Zielgruppe: Apple-Fan, innovatives und stylishes Gastro-Konzept, Fokus auf saubere Berichterstattung und effiziente Prozesse.“ Für das Berliner Kassen-Start-up ist der Status quo allerdings nur der Ausgangspunkt einer logischen Weiterentwicklung. Denn die Fünf planen längst weiter. So sollen künftig die Gäste ihrer Partner-Läden noch viel stärker eingebunden werden.

Die Gastronomie soll die Möglichkeit bekommen, das Kassensystem ans Internet anzubinden. Je nach Freischaltung können die Gäste dann von überall aus Tische reservieren, Gutscheine einlösen und Essen bestellen – zum Beispiel über Facebook. „In Zukunft darf auch der Gast mit seinem eigenen mobilen Endgerät bestellen und bezahlen – wenn das der Gastronom zulässt. Stell dir vor: Du sitzt im Büro, bestellst das Tagesgericht deines Lieblingsrestaurants um die Ecke via orderbird-App, und wenn Du zur Tür reinkommst, ist das Essen schon fertig“, erklärte Brienen dem Unternehmer-Portal Förderland. Dieser Service wird weniger die Kundschaft des P1 in München begeistern, dafür aber umso mehr die technikverrückten Web-Worker aus Berlin von madvertise & Co..

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