Opfer des eigenen Erfolgs: Warum uns Apple nie wieder überraschen wird


Das iPhone 5 hat es bewiesen, das iPad mini ist uns den letzten Beweis noch schuldig. Und doch: Die Zeiten, in denen uns Apple mit einem “One more thing” das “Oh” auf die Lippen zauberte, sind endgültig vorbei. Dem Konzern droht der komplette Kontrollverlust.

Was haben wir nicht schlecht gestaunt, als Steve Jobs 2007 das iPhone aus der Tasche zog. Um 2010 dann mit dem iPad die Techwelt zu verblüffen. Damals waren zwar einige verpixelte Aufnahmen von Displays aufgetaucht. An einen Leak wollte man bis dato nicht glauben. Immerhin war Apple bekannt für seine Diskretion.

Diese Diskretion ist Geschichte. Seit Monaten werden Techblogs nahezu überschwemmt mit Bildern und Videos von Bauteilen, Gehäusen, Displays, Prototypen und allerlei Infos zu Preisstrukturen und möglichen Verkaufsstarts.

Die Infos kommen zu fast 100 Prozent aus Zuliefererkreisen. Um ein iPhone oder iPad zu bauen, braucht es viele Fertigungsschritte. Komponenten durchlaufen mehrere Unternehmen, bevor sie dann beispielsweise in den Werken von Foxconn zusammengebaut werden.

Apple ist machtlos

Auch wenn die Angestellten dazu verpflichtet sind, sich an Geheimhaltungsvereinbarungen zu halten, liefern die zehntausenden Mitarbeiter, teilweise nur für wenige Woche angestellt, für Journalisten und Blogger einen unerschöpflichen Fundus an möglichen Quellen. Allein für Foxconn arbeiten rund 995.000 Mitarbeiter. Hinzu kommen etwa Angestellte in der Fertigung bei Zulieferern wie Sharp, Samsung oder Qualcomm.

Apple ist in der Hinsicht machtlos. Diesen Verdacht untermauert ein Bericht auf Ars Technica, der Apple-Mitarbeiter anonymisiert zitiert. Während man die USA sehr viel Wert darauf legt, keinerlei Details an die Presse zu geben, zeigt man sich verzweifelt angesichts der Zunahme an Leaks aus Fernost.

iPad Mini: Bauteil mit kleinem Dock-Connector und Kopfhöreranschluss.

Da Apple aufgrund der Massenproduktion gefordert ist, mit einem Vorlauf von rund sechs Monaten seine Produkte zu fertigen und zu verschiffen, hat die Techpresse mittlerweile ausgiebig Zeit, über jedes noch so kleine Detail unveröffentlichter Produkte zu berichten.

Opfer des eigenen Erfolgs

Apples Angestellte gehen davon aus, dass die Leaks künftig noch zunehmen könnten. “Es wird immer schwieriger werden, unsere Designs geheimzuhalten, weil wir in Übersee fertigen”, erklärt einer gegenüber Ars Technica. “Solange wir nicht in den USA produzieren, dürfte es kaum mehr möglich sein, die Menschen noch zu überraschen.”

Apple ist demnach das Opfer seines eigenen Erfolges. Die geforderten Massen an Produkten lassen sich nur in Fernost fertigen. Und eben diese sogenannte “verlängerte Werkbank” hat keinerlei Interesse daran, die Arbeit für andere geheimzuhalten.

Die Rückseiten des iPad und iPad mini im Vergleich

Die Rekordverkäufe des iPhone 5 zeigen allerdings auch, dass sich die breite Masse nicht sonderlich von der Vorabberichterstattung beeinflussen lässt. Wenn, dann wohl am ehesten zum Positiven: Durch die andauernde Berichterstattung im Vorfeld bleibt das Interesse am Gerät auf einem konstant hohen Level. Gut für die Blogger, gut für Interessierte – und vor allem gut für Apple.