Open Data fördert Entwicklung von Apps und mobilen Geschäftsmodellen

Open DataÜberall in Europa geben die Behörden ihre Datenschätze frei. Staatssekretäre werden zu CIOs und fördern mit Open Data Transparenz. Unternehmen und Organisationen, aber auch Privatleute können diese Daten auswerten und dadurch Entscheidungen, Geschäftsmodelle sowie mobile Ideen untermauern.

Anfang März hat sich das Bundesland Rheinland-Pfalz dazu entschlossen, seine Daten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Rahmen der IT-Messe Cebit fiel der Startschuss für das Portal Open-Government-Data-Portal Rheinland-Pfalz (OGDP-RP), das zukünftig einen zentralen Zugang zu Verwaltungsdaten aus rheinland-pfälzischen Landesbehörden sowie rheinland-pfälzischen Kommunen bieten soll. Aber zu welchem Zweck?

Im Grunde handelt es sich bei Open Data laut Wikipedia um sämtliche Datenbestände, die im Interesse der Allgemeinheit der Gesellschaft ohne jedwede Einschränkung zur freien Nutzung, zur Weiterverbreitung und zur freien Weiterverwendung frei zugänglich gemacht werden. Dabei kann es sich um Geodaten handeln, Statistiken, Verkehrsinformationen, wissenschaftliche Publikationen, medizinische Forschungsergebnisse oder Hörfunk- und Fernsehsendungen.

Gerade die Daten, die aufgrund über Jahrzehnte gewachsener Strukturen, in Behörden schlummern, sind von unschätzbarem Wert. Unternehmen und Organisationen, aber auch Privatleute können diese Daten auswerten und dadurch Entscheidungen und Geschäftsmodelle untermauern. Einwohnerstatistiken etwa können den Ausbau privater Bildungseinrichtungen fördern oder Geodaten die Festlegung von Industriestandorten. Start-ups haben die Chance, Apps und Geschäftsmodelle um Wetter- und Verkehrsdaten zu entwickeln, ohne in ihrem Eifer von Copyright, Patenten oder anderen proprietären Rechten gebremst zu werden.

Beispiele für Open-Data-Apps

  • Die Wasserstand-App (iPhone App-Link) ist eine einfache mobile Applikation zur Abfrage der Wasserstandsdaten deutscher Flüsse. Sie greift dazu auf die öffentlich verfügbaren Informationen der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes unter pegelonline.wsv.de zurück.
  • Die SpielplatzApp (iPhone App-Link) nutzt Geo-Daten von öffentlichen Spielplätzen, die von einigen Deutschen Städten im Rahmen des Wettbewerbs “Apps4Deutschland” zur Verfügung gestellt wurden. Aufbauend auf diesen Daten soll mit Hilfe der SpielplatzApp eine umfangreiche Datenbank von Spielplätzen und deren Ausstattung entstehen, in der Eltern und Kinder ihr geballtes Spielplatz-Knowhow anderen Familien zur Verfügung stellen.
  • Mit der Augmented Reality App PegelAR für Android-Smartphones können Bürger und Entscheidungsträger die Wasserpegelstände und deren Auswirkung im Gelände live erfahren. Durch eine grafische Überlagerung des Kamerabildes des Smartphones mit den freien Pegeldaten lassen sich neue Erkenntnisse gewinnen.
  • Die CityApp versteht sich als mobiler Stadtführer, der bestehende Informationen aufbereiten und der ständig wachsenden Zahl von Smartphone-Nutzern zugänglich machen kann. Im vorliegenden Fall wurde auf Grund des breiten Open-Data-Angebots die Stadt Bremen genutzt. Die Cityguide CityApp kann inhaltlich um beliebige Module  – insbesondere Point of Interests wie Verwaltungs- und andere öffentliche Stellen, Stadtführungen und Sonderdaten – erweitert werden.

Interessant ist, dass sich mit der Verpflichtung auch die Rollen in der Verwaltung ändern. Staatssekretäre werden auf einmal zu CIOs. Sie haben verstanden, dass vorteilhafte Entwicklungen eingeleitet werden, wenn Daten für jedermann frei zugänglich gemacht werden. Für Befürworter ein logischer Schritt: Öffentliche Gelder haben schließlich die Generierung der Daten erst ermöglicht, also müssen sie auch öffentlich zugänglich sein. Kritiker haben es schwer: Argumente, die die Moral des Urheberrechts bemühen, wirken bemüht und nicht mehr zeitgemäß.

Europaweiter Trend

Das Land Rheinland-Pfalz folgt mit dem Portal dem Bund, der auf www.govdata.de die frei zugänglichen Daten von Kommunen, Ländern und dem Bund zentral zur Verfügung stellt. Wem das nicht reicht, findet auf dem Datenportal der Europäischen Kommission Zugang zu Daten der Kommission, aber auch zu anderen Institutionen, Einrichtungen, Ämtern und Agenturen der Union, sofern diese dies wünschen.

Die veröffentlichten Daten können von jeder Person heruntergeladen werden, die die Weiterverwendung, Verknüpfung und die Entwicklung innovativer Dienste unterstützen möchte. Darüber hinaus fördert und erweitert dieses Datenportal das Wissen rund um die Daten Europas, nicht immer zur Freude der Politik: Die Seite farmsubsidy.org beispielsweise zeigt, an wen EU-Agrarsubventionen gezahlt werden, die fast die Hälfte des Gesamtbudgets ausmachen.

Voraussetzung für Open Data ist, dass die Datensätze strukturiert und maschinenlesbar zur Verfügung gestellt werden, so dass sie sich filtern, durchsuchen und von anderen Anwendungen weiterverarbeiten lassen können. Ein häufiges Problem: Daten von Regierungsstellen sind zum Beispiel oft im PDF-Format und somit nicht ohne Probleme weiterzuverarbeiten.

Dabei ist der Gedanke von Open Data nicht neu (Paper “The New Ambiguity of ‘Open Government’“): Bereits in den 1970ern kam der Begriff auf, als die Nasa ihre internationalen Partner um Unterstützung bei der Kontrolle der amerikanischen Satelliten bat. Alle Beteiligten verpflichteten sich zu einer Open-Data-Politik in Bezug auf die Formate der Nasa und der anderen US-Behörden, aber auch hinsichtlich der öffentlichen Verfügbarkeit der Daten.

Bis heute hat sich an der Open-Data-Politik der Nasa nichts geändert. So findet etwa am 20. und 21. April 2013 ein weltweiter Wettbewerb (International Space Apps Challenge) statt, bei dem auf Basis offener Daten kollaborativ an Lösungen für die Herausforderungen bei der Erforschung des Weltraums gearbeitet werden soll.