Ob mit oder ohne Quote: Wir brauchen mehr IT Frauen!

Der Rausschmiss von Yahoo-Chefin Carol Bartz war nicht sehr lady-like, ihre Reaktion darauf wenig professionell. Das mag aber an der Person gelegen haben und weniger an ihrem Geschlecht. Denn Tatsache ist, dass nur der vermehrte Einsatz auch weiblichen Nachwuchses dafür sorgen wird, dass der Fachkräftemangel nicht noch schlimmer ausartet. Das meint auch IBMs Deutschland-Chefin Martina Koederitz.

“Die Historie war – vielleicht auch von der ganzen Ausbildung her – prädestiniert für ein männlich dominiertes Bild”, sagte die Top-Managerin in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Bis heute hat sich aber daran nur wenig geändert. Noch heute werde ich gefragt, wie ich denn als Frau auf einen so exotischen Studiengang wie Informatik gekommen wäre. Und Entwicklerinnen sind noch immer Mangelware. Auch im Bereich CTOs liegen die Männer deutlich in Führung, während Frauen nur vereinzelt in den Betrieben anzutreffen sind.

Frauen an die Macht?

Ich bin allerdings ebenso wenig wie Frau Koederitz eine Verfechterin der Frauenquote. Es geht um den Menschen, nicht um sein Geschlecht. Dennoch wird es Frauen nicht eben leicht gemacht, in den von Männern noch dominierten Berufen Fuß zu fassen. Ist der Mann “straight” und weiß, was er will, wird die Frau schnell als bissig und zickig bei genau demselben Verhaltensweisen bezeichnet. Auch wird viel schneller an ihren fachlichen Qualifikationen gezweifelt, als bei einem Mann. Alles nur Einbildung? Nein, reale Erfahrungswerte! Aber Frauen sollten nicht um jeden Preis in eine Branche gebracht werden, in der sie sich vielleicht nicht wohl fühlen.

Berufsfelder werden interessanter

Interessant finde ich deshalb den Ansatz, die Stellenbeschreibung einfach zu verändern. “Es ist eben heute weit mehr als das Kabelziehen im doppelten Boden, das Montieren einer Maschine oder das Programmieren einer neuen Anwendung. Wir reden darüber: Wie können intelligente Systeme für die Zukunft und intelligente Lösungen für die Herausforderungen von morgen entwickelt werden? Um, wie wir sagen, die Welt ein Stück smarter, ein Stück besser zu machen”, schildert Koederitz die neue Attraktivität der Berufe rund um die Informations- und Kommunikationstechnologie. So stehen den Interessenten weitaus mehr Möglichkeiten hinsichtlich “Gestaltung, Kreativität und Innovationen” zur Verfügung.

Die Themen der Zukunft

Zudem sind die Themen der Zukunft längst keine männlichen mehr. Immerhin müssen wir keine Leiterplatinen mehr zusammen löten oder Kabel ziehen – das können ja weiterhin die Männer gerne machen. Viel interessanter wird es, wenn man den Bereich der mobilen Lösungen mit kreativen Ideen für Firmen und Endkunden schmackhaft machen muss. Oder mit Unternehmen zusammen arbeitet, die Informationstechnologien auch für karitative Zwecke nutzen. Emotionale Themen werden hier mit technischen Ausstattungen verknüpft – ein Gebiet, das geradezu nach der viel gepriesenen emotionalen Intelligenz der Frauen schreit. Elektroantriebe könnten ebenfalls ein Themenfeld für den weiblichen Einsatz sein.

Alles nur heiße Luft

Letztendlich ist es aber doch so: Ob Frau oder Mann ist doch relativ egal. Wenn eine Frau ihr Interesse für die Technik entdeckt hat, dann sollte sie dieses auch beruflich einfach ausleben. Längst sind Männer keine Haie mehr, die jedem weiblichen Wesen im Berufsleben lieber unter den Rock schauen, als mit ihnen zusammen zu arbeiten. Zumal Frauen heutzutage im Büro kaum noch Röcke tragen. Und längst haben viele Männer die gleichberechtigte Stellung der Frau im Büro – wenn auch zähneknirschend – akzeptiert. Nun ist es nur noch Sache der Frauen, den letzten ihr Revier verteidigenden Bossen die Zähne zu zeigen und sich durchzusetzen. Und natürlich sollten die Unternehmen auch mehr auf weibliche Nachwuchstalente achten – allerdings nicht auf Biegen und Brechen.