No risk, no fun: Warum deutsches Hightech lahmt

Ein Cousin mütterlicherseits hat es vorgemacht: er hatte auf die ständigen Erläuterungen seiner Startup-Geschäftsidee keine Lust mehr und entschloss sich kurzerhand, seine Zelte in den USA, spricht in Silicon Valley, aufzuschlagen. In der Hoffnung, einer der vielen dort ansässigen Venture Capitalists möge sein Vorhaben begleiten und auf die nächste Stufe hieven.

Zwar wartet er noch auf die alles entscheidende Begegnung, aber das Beispiel soll vor allem eines verdeutlichen: Deutschland investiert zu wenig in Hightech und hinkt im internationalen Vergleich deutlich hinterher. So zählen zu den weltweit 600 innovationskräftigsten Unternehmen gerade mal 40 Firmen aus Deutschland. Im Vergleich: aus den USA kommen 243 dieser Unternehmen, Großbritannien hat immerhin 75 innovationsfreudige Firmen vorzuweisen.

Hemmschuhe made in Germany: kaum VCs, falsche Politik, Fachkräftemangel

Diese große Lücke zu den USA und den britischen Nachbarn hat vor allem drei Gründe: fehlende Kapitalgeber, ein verfehlte Gründerpolitik und der immer wieder gern zitierte Fachkräftemangel, der einmal mehr von verfehlter Bildungspolitik herrührt.

  • Fehlende Kapitalgeber: Anders als in den USA werden deutsche Startups viel seltener und auch nicht in demselben Ausmaße mit Risikogeldern gefördert. Denn hierzulande steht die Rendite immer noch vor der Innovation, und so ist es kaum verwunderlich, dass deutsche Hightech-Unternehmen deutlich hinterhinken, sowohl in puncto Innovationskraft als auch in absoluten Zahlen. Und sieht mal sich das Krisenjahr 2009 an, so ist in diesem von der Bankenkrise gebeutelten Jahr das Innovationsvolumen in Deutschland um 70 Prozent zurückgegangen. In den USA waren es im Vergleich gerade einmal 28 Prozent.
  • Verfehlte Gründerpolitik: Sieht man sich die zehn wichtigsten Punkte “für ein starkes Deutschland” der aktuellen Koalition in Berlin an, so fällt eines auf: der Begriff “Innovation” taucht in diesem Papier erst gar nicht auf. So ist es auch nicht verwunderlich, dass vor allem der Mittelstand einmal mehr außen vor bleibt, wenn es um Fördergelder für neue Projekte in Sachen Hightech geht. Zwar gibt es diverse so genannte “Leuchtturm-Projekte”, die betreffen aber hauptsächlich bereits etablierte größere Firmen. So dümpelt der Hightech-Mittelstand in SAP-, Microsoft- und Oracle-Projekten herum, betreibt also nur Evolution statt Innovation – wenn überhaupt. So scheint die Forderung Achim Bergs, ehemaliger Deutschlandchef von Microsoft, auf Steuern und Sozialabgaben von Startups während der ersten zehn Jahre zu verzichten, im Land des Exportweltmeisters ungehört verhallt zu sein.
  • Fachkräftemangel: Doch selbst mit innovativen Ideen und ausreichendem Risikokapital wäre ein weiteres Problem nicht behoben: der oft zitierte Fachkräftemangel, den unsere Politik ebenfalls zu verantworten hat. Falsche Lehrpläne, falsche Studieninhalte, zu wenig Lehrkräfte, veraltete Hörsäle und eine Tendenz zu Eliteuniversitäten bringen nicht nur zu wenig, sondern auch schlecht ausgebildete Fachkräfte hervor. Woher sollen dann all die benötigen Innovationen kommen, die VCs dazu ermuntern könnten, mehr Geld in deutsches Hightech zu stecken?