Googles Nexus 7: (noch) kein iPad-Killer

Google hat am Mittwoch im Moscone Center in San Francisco – seit vielen Jahren auch die Pilgerstätte für Apples Keynotes – sein erstes eigenes Tablet Nexus 7 vorgestellt. Was kann es? Was hat Google damit vor? Und ist es so gut, um das iPad auf lange Sicht vom Thron zu stoßen? Eine Übersicht.

Details waren vorab bekannt – und doch überraschte Google mit einem Tablet am Mittwoch. Nexus 7 heißt es, über ein sieben Zoll großes Display mit 1280×800 Pixeln verfügt es. Befeuert wird das 340 Gramm leichte Gerät von Nvidias Tegra 3 Plattform mit vier ARM-Kernen, GeForce-GPU und 1 GB RAM. Die sollten ausreichen, um mit dem Nexus auch vernünftig spielen zu können. Beschleunigungssensor und Gyroskop machen’s möglich. So viel zu den Fakten.

Das wichtigste Asset des Nexus 7 ist allerdings sein Preis. 199 Dollar veranschlagt Google für das Modell mit acht Gigabyte Speicher, 249 Dollar werden für die 16-Gigabyte-Variante fällig. Das ist ein Kampfreis, mit dem das von Asus gelieferte Gerät nicht nur dem iPad, sondern auch Amazons Kindle Fire Wasser abgraben will.

Halbierte Möglichkeiten, halber Preis

Geht man davon aus, dass das Tablet in Deutschland für 199 Euro auf den Markt kommt, ist das kleine handliche Gerät fast 300 Euro günstiger als das neue iPad. Das verfügt in der Grundausstattung zwar über weitaus mehr Features: doppelt so viel Speicher, ein Retina-Display mit 2048 x 1536 Pixeln und den Sprachassistenten Siri.

Doch reicht das? Diese Frage sei durchaus einmal gestellt. Denn mit Blick auf den Tablet-Markt lassen sich drei Preisklassen ausmachen: allen voran das neue “Surface”-Modell von Microsoft, in der preislichen Mittelklasse dominiert das iPad ungeschlagen ab 479 Euro, die vermeintliche “Holz”-Klasse hat seit seiner Markteinführung Ende 2011 der Kindle Fire von Amazon für 199 Dollar ordentlich aufgemischt und über 50 Prozent des Android-Tablet-Marktes über Nacht für sich beansprucht. Gerade der knallharte Kampfpreis dürfte einen großen Anteil am Erfolg des Tablets haben.

Einsteigertablet – nicht mehr, nicht weniger

Die Frage muss also nicht lauten: Ist das Nexus 7 ein direkter iPad-Konkurrent? Sondern: Hat das Nexus 7 das Zeug, um den Markt der Tablets von hinten aufzumischen? Und hier lautet die klare Antwort ja: Der Preis stimmt. Es ist extrem leicht gebaut, läuft auf der aktuellen Android-Basis 4.1.

Böse formuliert ist es beinahe das perfekte Tablet für alle, die sich kein iPad leisten wollen. Und diese Käuferschicht wird auch in Kauf nehmen, dass das Nexus 7 nur Wlan, aber kein UMTS oder LTE unterstützt. Somit ist das neue Google-Tablet ein knallhart kalkuliertes Couch-Gadget ohne nennenswerten Talente. Die dürfte bei solch einem Preis aber auch niemand erwarten.

Die einzige Aufgabe: Nutzern ein Portal bieten, um auf Apps, Filme, Musik und Bücher zuzugreifen. Wer mit seinem Tablet unterwegs arbeiten will, greift auch weiterhin zum iPad. Schließlich verfügt das über UMTS-Fähigkeiten.

Apple muss aufpassen, dass die Billigheimer dem iPad nicht mit Masse statt Klasse und Innovation den Rang ablaufen. So kann Apple noch einmal tief durchatmen – vorerst. Denn es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis Google auf das Einsteiger-Tablet Nexus ein Gerät auf den Markt bringt, das seinem Smartphone-Bruder Galaxy Nexus ebenbürtig ist. Bis dahin haben die iPad-Killer Pause.