New York Times-Fotograf dokumentiert Krieg mit iPhone und Hipstamatic-App

Lens, das Fotografie-Blog der New York Times, hat Bilder aus dem Kriegseinsatz in Afghanistan veröffentlicht. Das Besondere der Aufnahmen: Der Fotograf Damon Winter verzichtete auf schweres Kameragerät und benutzte nur sein iPhone und die App Hipstamatic (1,59 Euro, iTunes-Link). Es entstanden sehr direkte, intime, aber auch zugleich kunstvoll verklärte Aufnahmen vom Alltag der Soldaten.

“Der Fotograf macht die Bilder, nicht die Kamera”, schreibt James Estrin, Redakteur der New York Times. Es gebe daher keinen Grund über Technik zu schreiben. Dass er im Artikel “Find the Right Tool to Tell a War Story” von diesem Grundsatz eine Ausnahme macht, liegt daran, dass die gezeigten Bilder ohne die eingesetzte Technik so nicht entstanden wären. Statt professioneller Kameraausrüstung hat der im Artikel vorgestellte Fotograf, Damon Winter, sein iPhone benutzt. Durch die Linse des Smartphones und mit Hilfe der App Hipstamatic (1,59 Euro, iTunes-Link) fotografierte Winter die Soldaten einer Bergdivision in Nordafghanistan.

Die Bilder sind sehr direkt, unmittelbar, gehen nahe. Sie zeigen schlafende Soldaten, Soldaten, die raufen, lachen, Musik hören, aber auch Soldaten die auf Patrouille sind, mit Waffen hantieren und die den Schmutz des Krieges von ihrer Kleidung abschütteln.

Der Einsatz des iPhones sei beiläufiger und weniger bewusst, sagt Winter. “Die Soldaten machen selbst oft Bilder mit ihren Telefonen. Sie hätten sich weniger wohl gefühlt, wenn ich eine normale Kamera genommen hätte.” – Insoweit ist das iPhone sicher “The Right Tool”, um möglichst authentische Bilder von einer Situation zu erhalten. Der Branchendienst Meedia ruft bereits einen Trend unter US-amerikanischen Journalisten aus: “Das Apple-Smartphone scheint sich zum bevorzugten Arbeitsgerät zu etablieren.”

Winter hat die Bilder aber nicht einfach nur mit der Kamera seines iPhone 4 aufgenommen, sondern die App Hipstamatic eingesetzt. Hipstamatic simuliert Linsen alter analoger Kameras, wodurch die Bilder einen Retroanstrich erhalten. Das Spiel der Belichtung und der automatisch hinzugefügte weiße Rand lullen das Motiv derartig ein, dass selbst Kriegspausen wie ein Picknickausflug wirken. Was für Privataufnahmen charming ist, kann für den Journalismus fatal sein.

Damon Winter ging es letztlich darum, die Eintönigkeit, mit der die Frauen und Männer – abgesehen von gelegentlichen Kämpfen – täglich konfrontiert sind, einzufangen. “Diese Tage ziehen sich, und sie sind alles andere als schön oder sexy”, sagt Winter. “Aber die Soldaten überstehen sie, so gut es geht.”