Motorola-Kauf: Google setzt auf die Apple-Philosophie

Google gab am Montag bekannt, die Mobilsparte von Motorola zu kaufen – für umgerechnet 8,8 Milliarden Euro. Bei der teuren Übernahme geht es nicht um fortschrittliche Technik. Motorola hat schon lange nichts mehr zu melden im Smartphone-Bereich. Es geht um Patente. Auf lange Sicht kann der Internetriese Apple nur so Konkurrenz machen.Apple hat gegenüber Google im Mobilbereich einen großen Nachteil. Wie für das Unternehmen üblich, liefert der Konzern alles aus einer Hand. Apple ist ein integrierter Anbieter: Hardware, Software und die Bezahlinfrastruktur laufen in Cupertino zusammen. Das iPhone, iOS und der Appstore haben den Konzern zum Smartphone-Marktführer wachsen lassen. Und obwohl Googles Android mittlerweile das führende Betriebssystem auf Smartphones ist, wird in Cupertino das Geld verdient. Im vergangenen Quartal flossen 66 Prozent aller Gewinne der Handy-Hersteller in die Taschen von Apple, wie der Netzökonom berichtet. Währenddessen sah sich Google, noch ein Neuling im mobilen Business, mit Klagen wegen Patentrechtsverletzungen und Lizenzgebühren konfrontiert.

Was viele nicht wussten: Bei Android verdient selbst Microsoft gut mit. Immerhin fünf US-Dollar muss der Smartphone-Hersteller HTC demnach mit jedem verkauften Androiden an Microsoft zahlen, verriet Analyst Walter Pritchard dem Business Insider. Im Gegenzug erklärte sich Microsoft offenbar gnädig, auf weitere Patentklagen zu verzichten. Zum Hintergrund: Offenbar verstößt Google mit Android gegen etliche Microsoft-Patente. Pritchard erklärt weiter, dass andere Smartphone-Hersteller bis zu 12,50 US-Dollar je Android-Lizenz an Microsoft überweisen müssten.

Verklagt Google bald Apple?

Jetzt dürfte sich das Blatt wenden. Motorola gilt als Mobilfunk-Pionier, als Erfinder des “International 3200”. Des legendäre “Knochen” war eines der ersten GSM-fähigen Handys. Auf einen Schlag gehören Google nun 17.000 Patente. Die braucht es auch. Denn an der Patentfront herrscht Krieg, kalter Krieg. Mit teilweise ungewöhnlichen Waffenbrüdern. Erst kürzlich erwarb eine Allianz um Apple und Microsoft wichtige Nortel-Patente für stolze 4,5 Milliarden Dollar. Laut Google allerdings nur, um Hersteller, die auf Android setzen, mit Klagen zu lähmen – allen voran HTC und Samsung. Für die Smartphone-Produzenten würde das kostenlose Betriebssystem auf diesem Wege teurer als gedacht.

Die Frage, die sich Apple jetzt stellen dürfte, lautet: Wie schnell dreht Google nun den Spieß um? Die Aufsichtsgrämien von Motorola und Google genehmigten den Deal bereits. Allerdings müssen die Wettbewerbshüter noch ihr Einverständnis geben. Dabei drängt die Zeit. Jüngst erreichte Apple einen Verkaufsstopp für Samsungs Galaxy Tab. Dabei ging es zwar nicht um Patentrechte, sondern Designfragen – allerdings dürfte die schiere Patentanzahl Wettbewerber, allen voran Apple, zweimal überlegen lassen, ob man die Konkurrenz mit neuen Klagen überzieht. Laut Heise.de läuft die “juristische Testphase” bereits: Motorola liegt offenbar wegen verschiedener Patentansprüche im Clinch mit Apple und Microsoft.

Fest steht: Mit dem Zukauf markiert Google seinen Anspruch auf einen Platz an der Sonne im hart umkämpften Mobilfunkmarkt unter Beweis. Patentreiche Unternehmen wie Apple und Microsoft sehen sich mit einer dritten Kraft konfrontiert.

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