Mindestlohn-Debatte: “Gründer werden ganz klar benachteiligt”

Seit dem 1. Januar ist Deutschland ein Land mit einem gesetzlichen Mindestlohn. Dieser Schritt zu mehr Lohngerechtigkeit ist für Unternehmen mit Auflagen verbunden. Vor allem Start-ups fühlen sich durch Kosten, Bürokratie und eine mangelnde Differenzierung benachteiligt.

Mindestlohn

Credit: Bundesministerium für Arbeit und Soziales/Montage

In Deutschland gilt seit dem 1. Januar 2015 erstmals ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Das Gesetz hat die SPD gegen den Widerstand der CDU und CSU in der großen Koalition durchgesetzt. Wie aber reagieren die Betroffenen? Passen die Regelungen oder sehen Unternehmer Nachbesserungsbedarf? Das Start-up-Magazin Berlin Valley News hat in seiner Februar-Ausgabe acht Vertreter der Gründer-Szene befragt.

“Der Mindestlohn ist ein Zeichen für soziale Verantwortung”, sagt Peter Wurstner, Personalmanager beim Online-Spiele-Dienstleister Crobo, fügt aber hinzu: “Bei Startups in der Gründungsphase kann es schwierig sein, die finanziellen Ressourcen aufzubringen.” Auch die anderen Befragten können dem Gesetz nicht ohne Einschränkung zustimmen. “Gründer werden hier ganz klar benachteiligt”, sagt Benjamin Rohé, Managing Director des German Tech Entrepreneurship Center (GTEC). “Wir treten auf der Stelle und erlauben jungen Unternehmen damit nicht, die Zukunftsberufe schon heute zu gestalten. Nur große Konzerne können für Berufseinsteiger problemlos den Mindestlohn zahlen”, so Rohé.

DER MINDESTLOHN In Europa längst Realität

Credit: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Mangelnde Differenzierung

Nach dem Mindestlohngesetz haben alle Arbeitnehmer Anspruch auf den Mindestlohn, auch Praktikanten. Ausnahmen gelten für Schüler oder Studenten, die das Praktikum im Rahmen ihrer Schulausbildung oder ihres Studiums absolvieren oder für bis zu dreimonatige Orientierungspraktika. In diesem Punkt sieht Lea Lange, Gründerin und Geschäftsführerin der Kunst-Plattform Juniqe, Probleme bei der Besetzung von Praktikumsstellen auf die Start-ups zukommen. Diese könnten – mit Ausnahme von Pflichtpratika – nur noch befristet vergeben werden. Längere Zeiträume seien für das Unternehmen finanziell nicht tragbar, so Lange. “Wir hoffen, dass eine Anpassung, beispielsweise eine Bindung des Mindestlohns an relevante Unternehmenskennzahlen, stattfinden wird.”

Robert Maier, Gründer des Shopping-Plattform-Betreibers Visual Meta, wünscht sich, dass der Gesetzgeber die Ausbildungsleistung der Unternehmen anerkennt und die Ausnahmeregelungen überarbeitet. “Für Mitarbeiter ohne Ausbildung beziehungsweise Uni-Abschluss sollten Praktika nicht unter den Mindestlohn fallen”, so Maier. Der aktuellen Regelung fehle es an einer differenzierten Betrachtung, sagen auch Lingh Nguyen und Tanja Bogumil von der Styling-Plattform Kisura. Ihr Vorschlag: Der Mindestlohn für Praktikanten solle an die Entwicklungsphase des Unternehmens sowie Mitarbeiteranzahl und Umsatzgröße gekoppelt sein.

Abschreckende Bürokratie

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Aufzeichnungspflicht. Zur Durchsetzung des Mindestlohns bestehen zusätzliche Dokumentationspflichten der Arbeitgeber, die in der Mindestlohndokumentationspflichten-Einschränkungs-Verordnung konkretisiert werden. Evgeni Kouris, Mitgründer und CEO des Spieleentwicklers Toywheel spricht von einem “Bürokratiemonster”. Das sei schade für aufstrebende Game Developer, die oft die Karriere mit einem Praktikum beginnen. Die Folge formuliert Dominik Steinkühler, Mitgründer der Kreditvergabe-Plattform Lendico: “Talente, die eine Erfahrung in der Praxis suchen, werden in Zukunft vermehrt weniger Angebot finden. Für viele Studenten schließt sich eine wichtige Möglichkeit der praktischen Ausbildung, denn in der Praxis zählt vor allem Erfahrung.”

Eine klare Absage an die Mindestlohnregelung erteilt Frank Thelen. “Alleine die 1.600 neuen Vollzeitkontrolleure und ihre Kosten schrecken mich ab”, sagt der Seriengründer und Investor. Deutschland müsse Bürokratie abbauen und nicht neue Regeln mit Sonderregeln schaffen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der neuen Ausgabe von Berlin Valley News, die hier kostenlos als PDF heruntergeladen werden kann.

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Credit: Berlin Valley News