KPMG: iPad-App bleibt hinter den Erwartungen zurück

Als erste der “Big Four”, der vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt, hat gestern KPMG seine gleichnamige App (kostenlos, iTunes-Link) für das iPad im App Store veröffentlicht. KPMG verspricht, mit der App das gesammelte Wissen von tausenden Wirtschaftsprofis dem Nutzer in die Hand zu geben. Eine große Aufgabe, die leider unzureichend gelöst wird.

Warum bringt ein Unternehmen wie die KPMG eine App heraus? Anders formuliert: Wem kann die App nützen? Als Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatergesellschaft mit weltweit über 130.000 Mitarbeitern hat KPMG Zugang zu vielen Bereichen der Wirtschaft und der Verwaltung. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich in den Archiven viel Wissen angesammelt, das die KPMG bereits heute in verschiedenen Broschüren und Berichten veröffentlicht. Schwerpunkte sind die Bereiche “Infrastruktur”, “Prüfung”, “Steuern” und “Beratung”.

Hier findet sich Branchenwissen, Fallbeispiele, Statistiken, Umfragen, Marktberichte und -analysen. Insgesamt eine Menge Stoff, der für Wirtschaftsprofis, Journalisten, Forschung oder Studium gleichermaßen interessant sein kann. Ferner dienen die Broschüren der Selbstdarstellung und Präsentation für neue Kunden.

Bislang konnte man die Broschüren bestellen, beziehungsweise über die Homepages der einzelnen Länderniederlassungen herunterladen. Mit der App soll der Zugriff auf die Inhalte leichter und komfortabler erfolgen.

Diese Aufgabe löst die KPMG, sagen wir mal so, eher konservativ. Statt die Datenbankabfrage oder das Screendesign neu zu erfinden, haben sich die Entwickler für eine einfache “Library” entschieden, in der die ursprünglich für den Druck erstellten Broschüren hochgeladen werden.

Um eine Broschüre anzusehen und diese auch offline verfügbar zu machen, muss sie über einen Download-Button heruntergeladen werden.

Vor dem ersten Download ist eine einmalige Registrierung erforderlich:

Nach dem Download erscheinen die archivierten Broschüren im Bereich “My Bookshelf”:

Jede Broschüre lässt sich Seite für Seite durchblättern. Ein Balken am unteren Bildschirmrand kennzeichnet die aktuelle Position innerhalb der Broschüre. Zudem kann der Nutzer für jede Broschüre Bookmarks anlegen, beziehungsweise auf den Seiten Notizen (“Annotations”) speichern.

Das funktioniert auch alles recht ordentlich, täuscht aber nicht über die größte Schwäche der App hinweg: die Seiten sind schwer leserlich, zum Teil gar nicht lesbar. Die Broschüren sind ursprünglich für den Druck erstellt und nachträglich digitalisiert worden. Das Schriftbild ist grundsätzlich zu klein, so dass jeder Artikel durch umständliches Aufziehen mit zwei Fingern vergrößert werden muss. Ein Zoom über Doppeltipp ist nicht möglich. Das Printformat eignet sich in diesem Fall nicht für die 1:1 Wiedergabe auf dem iPad, vor allem, weil die Digitalisierung mancher Broschüren mangelhaft erfolgte:

Weiteres Manko: Die Suche beschränkt sich nur auf Titel und Beschreibungstext der Broschüre. Eine Suche innerhalb eines Artikels ist nicht möglich.

Fazit: Die KPMG-App ist der Versuch, bereits veröffentlichtes Material noch einmal, auf einem anderen Medium, verfügbar zu machen. Ohne Anpassung für das iPad verlieren die Broschüren aber ihren Wert. Vielleicht gelingt es mit weiteren Updates diese Schwäche zu beheben. Als Vorreiter in Sachen iPad-App kann sich die KPMG zur Zeit nicht sehen.