Kommentar: Apple, heuchlerisch und verlogen

Bekannt sind sie schon lange. Doch erst jetzt “scheint” sich etwas zu bewegen. Apple-Chef Tim Cook hat sich in einer E-Mail an die Mitarbeiter sowie in einem Interview mit dem Wall Street Journal zu den Arbeitsbedingungen bei Apple-Zulieferern und Lieferanten geäußert. Ich finde diesen Schritt richtig und heuchlerisch zugleich. Warum? Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Die vom Computerkonzern offiziell zugelassene “Maximalarbeitszeit” liegt bei 60 Stunden in der Woche. Ein einziger freier Tag in der Woche ist vorgeschrieben. Apple setzt aber noch einige Kracher drauf.

Um den Apple-Anhängern, die nicht wirklich reflektieren, zumindest ein wenig Wind aus den Segeln zu nehmen; ich weiß auch, dass es sich um ein flächendeckendes Problem aller IT-Hersteller in China handelt. Sie können demnach auch Nokia oder Samsung für Apple einsetzen. Doch von Apple speziell verlange ich persönlich ein wenig mehr Zivilcourage. Auch, weil die miserablen Arbeitsbedingungen in Chinas Fabriken seit Jahren bekannt sind. Mit einer Email oder einem Interview wird die Lage vor Ort nicht besser.

Apple-Kritik nicht erwünscht

Erinnern Sie sich noch an Michael Pineschi? Der gute Mann schrieb das Spiel “Phone Story”, ein Spiel, was sich kritisch mit der Produktion des iPhones und anderen Smartphone auseinander setzt. Nur wenige Stunden überlebte das Game im App Store, dann verbannte Apple das Spiel. Mit der Wahrheit in der Öffentlichkeit umzugehen sieht anders aus.

Das Spiel ist ein Spiegelbild der Apple-Realität und das Management aus Cupertino, Kalifornien will diese Realität offensichtlich durch scheinheilige Beitritte beibehalten und verschleiern. So ist Apple als erster Technikkonzern der Fair Labor Association (FLA) beigetreten. Diese war 1999 von Bill Clinton gegründet worden, um für bessere Arbeitsbedingungen in ausländischen Produktionsanlagen zu sorgen. Seit 1999 hat sich dahingehend nicht viel getan. Wie auch? Versuchen Sie mal in einem Land Vorgaben durchzusetzen, in dem die Vorgaben der Staat bestimmt und die Menschen keinerlei Rechte besitzen – zumindest in weiten Teilen Chinas und andere asiatischen Ländern. Dass die angekündigten Untersuchungen für “den Po” sind, zeigen die Untersuchungen 2012: Gerade einmal 228 Kontrollen sollen laut FLA durchgeführt worden sein. Apple allein listet aktuell rund 156 Unternehmen auf, die 97 Prozent der Ausgaben für Materialien ausmachen. Merken Sie was? Das erinnert stark an einen Kampf gegen Windmühlen.

Wer hat Schuld, wer übernimmt die Verantwortung?

Was mich aber wirklich ärgert. Apple selbst versucht die Schuld auf die Zulieferer zu schieben. Das klappte schon bei Guttenberg nicht, der versuchte seine Schuld auf einen General abzuwälzen. Zuletzt war vor allem Apple-Lieferant Foxconn in die Kritik geraten. So gab es dort eine Reihe Selbstmorde und Berichte über verheerende Arbeitsbedingungen. Nach eigenen Angaben überprüft Apple seit Jahren seine Zulieferer. In einer Zusammenfassung von Apple wird das Engagement Apples ersichtlich. Nur sechs Fälle von Kinderarbeit sowie 13 Fälle, in denen zuvor Minderjährige als Arbeitskräfte eingestellt worden waren, werden im neusten Bericht aufgeführt. Foxconn alleine hat aber über eine Millionen Mitarbeiter. Ich wäre gerne, bei einer Kontrolle dabei. Ich nannte zu Anfang ein Beispiel. Die Arbeiter in den Fabriken müssen in der Regel bis zu 60 Stunden in der Woche arbeiten. In einer zusätzlichen Klausel, die von Apple abgesegnet ist, steht: “In Notfällen und unter ungewöhnlichen Umständen können diese Regeln arbeitsbedingt gebrochen werden“. Soviel zu Cooks Engagement in Sachen Arbeitsbedingungen.

Arbeitsbedingungen: Nur Apple kann was verändern

Ich nutze selbst Produkte von Apple und liebe diese. Doch immer wieder frage ich mich, warum ich dieses Szenario überhaupt noch unterstütze? Nur Apple alleine kann diesem Treiben ein Ende setzen. Denn als finanzstarker und mächtiger Auftraggeber hat Apple durchaus auch die Möglichkeit, auf die schlechten Arbeitsbedingungen einzuwirken. Gerade Apple nehme ich in die Pflicht. So verkauft kein anderes Unternehmen seine Produkte so stark über das eigene Image wie die Damen und Herren aus Kalifornien. Sie sollten endlich darauf achten, dass der noch vorhandene Vorteil einer günstigen Produktion sich nicht in einen milliardenschweren Imageschaden umwandelt. Das haben die schönen Produkte und vor allem die Arbeiter in China nicht verdient. Ich werde auch weiterhin auf Apple setzen. Android kommt dabei natürlich nicht zu kurz. Doch sollte der Konzern weiter diese Route verfolgen, ist ein Wechsel nicht auszuschließen – doch dahingehend muss leider noch viel passieren. Und wir selbst? Was können wir tun? Boykott wäre wohl die richtige Antwort. Doch wer ist bereit, den ersten Schritt zu machen? Ich jedenfalls nicht!

Keine News mehr verpassen! – Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter oder nutzen Sie unseren RSS-Feed.